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Der CDU-Kreisverband will sich in der kommenden Legislaturperiode um das Thema ärztliche Versorgung im ländlichen Raum schwerpunktmäßig kümmern. SYMBOLFOTO: DPA

»Nahversorgungszentren fördern«

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Gießen (pm). Die Sicherung einer flächendeckenden Versorgung mit Haus- und Fachärzten hat aus Sicht des CDU-Kreisverbandes herausragende Bedeutung für die Lebensqualität der Menschen, auch unter dem Gesichtspunkt der Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Stadt und Land. Vor dem Hintergrund, dass in den nächsten Jahren ein Großteil der im Landkreis niedergelassenen Hausärzte in den Ruhestand geht, sieht die Union Handlungsbedarf, um einem Ärztemangel vorzubeugen.

Union will Anreize schaffen

Bereits 2017 wurde davor gewarnt, dass bis 2025 etwa 70 Prozent der niedergelassenen Hausärzte die Altersgrenze von 65 Jahren erreichen und in den Ruhestand gehen. Aus Sicht der CDU eine alarmierende Zahl, sodass sich im Programm zur Kommunalwahl Vorschläge für die Sicherstellung der medizinischen Versorgung auf dem Land finden. Die Christdemokraten nehmen dabei auch die Hebammenversorgung, die Versorgung mit Pflege- und Betreuungsplätzen für Ältere und die palliativmedizinische Versorgung in den Blick.

Christopher Lipp, Spitzenkandidat für die Kreistagswahl, erklärt, »gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung müssen wir ein Konzept erarbeiten, um dem drohenden Ärztemangel im ländlichen Raum entgegenzuwirken«. Der Landkreis müsse dabei eine aktivere Rolle einnehmen. Er solle etwa in Abstimmung mit den Kommunen aktiv Anreize schaffen, damit sich Ärzte in den ländlicheren Kommunen niederlassen. Auch die Förderung medizinischer Nahversorgungszentren und der Ausbau der Zusammenarbeit mit dem Ärztenetz Gießen möchte die CDU angehen.

So könnten Versorgungslücken vor Ort verhindert und eine gute Gesundheitsversorgung sichergestellt werden.

Neben Anreizen zur Niederlassung oder Übernahme von Arztpraxen finanzieller Art durch Vermittlung oder Überlassung von Räumlichkeiten könne sich die Union perspektivisch vorstellen, Stipendien an angehende Allgemeinmediziner zu vergeben, die im Gegenzug nach Abschluss ihrer Ausbildung für eine gewisse Zeit im Landkreis Gießen tätig werden, erklärte der Spitzenkandidat. Man müsse alle Optionen prüfen, um eine wohnortnahe medizinische Versorgung sicherzustellen - das auch mit Blick auf ältere Menschen, für die lange Wege für den Arztbesuch oftmals nicht mehr oder nur sehr eingeschränkt möglich sind.

Lara Becker, Kandidatin für den Kreistag, sagt, es gebe zu wenige Anreize für Mediziner, sich im ländlichen Raum niederzulassen. Neben fehlenden finanziellen Möglichkeiten seien die hohe Arbeitsbelastung im Bereitschaftsdienst sowie fehlende Vertretungsmöglichkeiten wesentliche Gründe, warum angehende Mediziner lieber in die Ballungszentren als in den ländlichen Raum gehen. »Es fehlt insbesondere am gesunden Gleichgewicht zwischen Familie und Arbeit, was gerade für junge Medizinerinnen ein wesentliches Kriterium für die Wahl des Arbeitsortes ist.« Diesem Thema wolle sich die CDU deshalb mit hoher Priorität annehmen.

Angebote machen

Zudem nimmt die CDU die Hebammenversorgung sowie ein wohnortnahes Pflege- und Betreuungsangebot in den Blick. Die umfassende Betreuung junger Frauen und ihrer Familien in der Schwangerschaft, während der Geburt und im Wochenbett müsse aktiv gesichert werden. Mit finanziellen sowie materiellen Angeboten und der Schaffung einer Vernetzungsstelle für selbstständige Hebammen möchte die CDU »einem drohenden Hebammenmangel frühzeitig begegnen«.

Und zur Sicherstellung eines wohnortnahen Pflege- und Betreuungsangebotes möchten die Christdemokraten in Abstimmung mit den Kommunen insbesondere durch die bedarfsgerechte Schaffung von Tagespflegeplätzen die Versorgung verbessern.

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