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Händeschütteln und Glückwünsche entgegennehmen - die vornehmlichste Aufgabe von Wahlsieger Marc Nees am Sonntagabend und auch gestern.

Nächster Halt: 1. Februar

  • Rüdiger Soßdorf
    VonRüdiger Soßdorf
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Die Spitze im Wettenberger Rathaus wird neu sortiert. Zum 1. Februar wird Marc Nees Bürgermeister. Am Fahrplan bis dahin wird noch gefeilt. Doch die Arbeit danach ist schon im Blick.

In den vergangenen Monaten hat Marc Nees die Arbeit der Gemeindevertretung aus der Zuschauerperspektive erlebt. Am 11. November und am 16. Dezember wird es wenigstens noch zweimal so sein, wenn in gut 14 Tagen voraussichtlich der Haushaltsentwurf für das kommende Jahr zur Beratung vorgelegt und im Dezember verabschiedet werden soll. Wann der neue Bürgermeister vom Vorsitzenden der Gemeindevertretung, Hans-Peter Steckbauer, ins Amt eingeführt wird, ist noch in der Abstimmung. Konkret: Ob es noch im Januar eine Parlamentssitzung gibt oder turnusgemäß wieder im Februar, das wird in den kommenden Tagen geklärt. Fest steht aber: Am 1. Februar tritt der 52-jährige Wahlsieger vom Sonntag, Marc Nees, sein Amt in der Nachfolge von Thomas Brunner an. Fest steht zudem: Es kommt nicht nur ein neuer Bürgermeister, sondern auch die Verwaltungsführung im Rathaus wird neu besetzt.

Nees muss sich Mehrheiten suchen

Di e Hauptamtsleiterin verlässt das Wettenberger Rathaus in wenigen Tagen auf eigenen Wunsch in Richtung Taunus. An der Nachfolge wird gearbeitet. Somit starten »Nummer 1« und »Nummer 2« in der Verwaltung dann mehr oder weniger zeitgleich neu durch. Das kann durchaus Vorteile bieten. Der scheidende Rathauschef kündigt eine ordentliche Übergabe an. Spannend ist es allemal.

Vor allem aber muss der neue Bürgermeister sehen, wie er ab Februar in den kommunalen Gremien Mehrheiten für seine eigenen Vorhaben und Ideen organisiert. Denn die erst im März gewählte Mehrheit von SPD und Grünen steht stabil. Gemeinsam hat Rot-Grün den Bürgermeisterkandidaten Ralf Volgmann getragen. Im Mai und Juni haben sie einen Koalitionsvertrag erarbeitet, der Richtschnur ihres Handelns bis 2026 sein soll.

Marc Nees ist mit seiner Bewerbung ums Bürgermeisteramt von den Freien Wählern getragen worden. Und nachdem CDU-Kandidat Andreas Heuser bereits im ersten Wahlgang im September ausgeschieden war, hat auch die CDU Nees ihre Unterstützung angeboten. Das sind 16 von 37 Sitzen in der Gemeindevertretung. Eine Mehrheit sieht anders aus.

Da muss man sehen, wie sich das entwickelt, wo es Nees gelingt, mit dem ihm eigenen Pragmatismus, den er auch im Wahlkampf gezeigt hat, eigene Positionen und Themen zu setzen, oder ob er angesichts der Mehrheitsverhältnisse in erster Linie das umzusetzen und auszuführen hat, was die rot-grüne Mehrheit in der Gemeindevertretung beschließt.

Erstes Signal in Richtung Mehrheit: Der Wahlgewinner sicherte noch am Sonntagabend zu, auf Ralf Volgmanns Expertise im sozialen Bereich nicht verzichten zu wollen. Er freue sich auf die Zusammenarbeit mit Volgmann als Erstem Beigeordneten. Dessen Kompetenzen würden für Wettenberg gebraucht.

In der Tat kann da ein gedeihliches Miteinander insgesamt für die Gemeinde nur von Vorteil sein. Ungeachtet der Tatsache, dass die Freien Wähler, die hinter Nees stehen, mit Karl Fiedler ebenfalls mit einem ausgewiesenen Sozialfachmann im Gemeindevorstand vertreten sind.

Volgmann bleibt Erster Beigeordneter

Ralf Volgmann ist seit April ehrenamtlicher Erster Beigeordneter und damit bisher schon gewählter Stellvertreter des Bürgermeisters. Seinerzeit ein klarer taktischer Zug der Koalition, Volgmann in diese Position zu wählen und so zu ermöglichen, dass er zugleich mit einem »Dezernat« für Familie und Demografie betraut wird, um ihm Gelegenheit zu geben, sich zu profilieren.

Die Wahlbeteiligung bei der Stichwahl am Sonntag ist als ordentlich einzuschätzen, zeigt sie doch das Interesse der Bürger an ihrer Gemeinde. Fast 60 Prozent, das sind zwar deutlich weniger im Vergleich zu fast 80 Prozent vor vier Wochen, aber es ist doch deutlich besser, als beispielsweise bei der Direktwahl von Brunner 2015 mit 45 Prozent, bei der Bürgermeisterwahl in Heuchelheim im Juni mit ebenfalls 45 Prozent oder gar aktuell der eher schwache Wert in der Stadt Gießen bei der OB-Wahl mit 37,7 Prozent Wahlbeteiligung.

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