Rovema-Manager Peter Lökös im Gespräch mit Bettina Nickel, Vorsitzende des IHK-Technologieausschusses. FOTO: PM
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Rovema-Manager Peter Lökös im Gespräch mit Bettina Nickel, Vorsitzende des IHK-Technologieausschusses. FOTO: PM

Nachhaltig und sinnvoll

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Gießen(pm). "Nur ein geringer Teil des Plastikmülls im Meer stammt von Verpackungen. Der Rest setzt sich zusammen aus Mikroplastik durch Autoreifenabrieb, Kosmetikazusätzen, Textilienwaschrückständen und verloren gegangenen Fischfangnetzen", sagt Bettina Nickel, Vorsitzende des Technologieausschusses der IHK Gießen-Friedberg. Bei der ersten Sitzung des Jahres widmete sich der Ausschuss dem Thema Kunststoffmüll. Die Lebensmittelindustrie verpackt vornehmlich in Kunststoff, sodass jeder Deutsche im Jahr rund 38 Kilogramm Plastikmüll produziert. Damit liegt Deutschland EU-weit auf Platz drei.

Gastredner beim Technologieausschuss war Peter Lökös, Business Development Manager beim Verpackungsmaschinenhersteller Rovema in Fernwald. Er schilderte den Mitgliedern die Sichtweise eines Verpackungsmittelherstellers und wies darauf hin, dass nicht jede Kunststoffverpackung durch Papier ersetzt werden könne. Das Thema sei komplex: "Von dem in Europa produzierten Plastikmüll landet nicht viel im Meer", sagte er. In den meisten europäischen Industriestaaten sei die Müllverwertung sehr fortschrittlich.

Problematisch würden die Plastikverpackungen in Ländern, in denen es keine funktionierenden Entsorgungssysteme gebe. Als Beispiel nannte er die asiatischen Entwicklungsländer. Einer Studie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) zufolge sind lediglich zehn Flüsse für 90 Prozent der im Meer treibenden Müllberge verantwortlich. Acht von ihnen fließen durch asiatische Großstädte ohne funktionierende Entsorgungs- oder Recyclingsysteme.

Gurke in Plastik

Ein anderes Thema war die Verpackung von Lebensmitteln in Kunststoff. Dies sei durchaus sinnvoll, weil das Material einen sicheren Transport ermögliche und die Haltbarkeitsdauer des Lebensmittels verlängere. "Die Folie um die Gurke ist nur dann unnötig, wenn der Kunde sie vom regionalen Hersteller vor Ort kauft. Bei längeren Vertriebswegen verlängert die Kunststoffverpackung die Haltbarkeit der Gurke und macht die Handhabung hygienisch", sagte der Experte. Die Herstellung solcher Verpackungen erzeuge deutlich weniger CO2 als die Herstellung und der Transport der Lebensmittel selbst. Es sei sinnvoller, Lebensmittel zu verpacken, als zu riskieren, dass sie vor dem Verzehr schon verderben.

In Bio- oder Delikatessgeschäften finden Kunden zunehmend alternativ verpackte Produkte. Laut einer Umfrage der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers achten drei Viertel der Endverbraucher beim Einkauf darauf, Produkte mit so wenig Verpackung wie möglich zu kaufen. Fast jeder Dritte würde angeblich sogar auf ein Produkt verzichten, wenn es zu viel oder nicht nachhaltig verpackt sei.

Der IHK-Techniologieausschuss tagt zweimal im Jahr zu technologischen, betriebswirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Themen.

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