Andreas Stein
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Andreas Stein

"Nach Corona wird Aufbauarbeit nötig sein"

  • vonStefan Schaal
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Halten Sie es für absehbar, dass sich Chöre wieder treffen können?

Chöre werden vermutlich zu den letzten zählen, die wieder zusammenkommen können. Aber es sieht danach aus, dass es sich in eine gute Richtung bewegt. Es ist eine dramatische Situation für Chöre. Sänger haben das große Bedürfnis, wieder ihre Stimme zu verwenden.

Wie kommen Sie persönlich über die Runden?

Ich singe ja in der Walking Band "Drei zu null", alle Auftritte sind abgesagt. Wenn ich in den Kalender schaue, wäre das eigentlich ein erfolgreiches Jahr geworden. Auch die Einnahmen für meinen Unterricht an der Gesamtschule Gleiberger Land, der ausfällt, fehlen. Insgesamt brechen mir jeden Monat zwischen 1000 und 1500 Euro weg.

Wie verdienen Sie in diesen Zeiten noch Geld?

Die Chöre bezahlen mich weiter. Darüber bin ich sehr dankbar.

Wie läuft denn Ihr Alltag als Chorleiter?

Am PC. Ich spiele am Keyboard die Stimmen ein, verschicke sie als MP3 mit Anleitungen. Die Sänger können die Lieder so einstudieren.

Ist die Zukunft heimischer Chöre gefährdet?

Ich denke nicht, aber man wird sehen. Das Bedürfnis unter den Chören, wieder gemeinsam zu singen, ist groß. Es ist möglich, dass Mitglieder, die erst ein halbes Jahr dabei sind, abspringen. Nach Corona wird Aufbauarbeit nötig sein.

Was fehlt Ihnen derzeit?

Der Klang beim gemeinsamen Singen. Dass ich die Sänger von Angesicht zu Angesicht sehe, die Unterhaltungen mit ihnen. Die Menschen liegen mir am Herzen. Bei den Proben möchte ich nicht mehr nur auf den PC schauen.

Andreas Stein aus Pohlheim leitet zehn Chöre im Kreis Gießen. Der 60 Jahre alte Pohlheimer unterrichtet außerdem sieben Stunden in der Woche an der Gesamtschule Gleiberger Land.srs/FOTO: SRS

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