Seit Donnerstag gilt für Reisende, die nicht in einem sogenannten Virusvarianten-Gebiet waren, keine Quarantänepflicht mehr. Emilia Willms, Inhaberin eines Reisebüros in Lich, rechnet nun mit einem Reise-Boom. (Symbolfoto)
+
Seit Donnerstag gilt für Reisende, die nicht in einem sogenannten Virusvarianten-Gebiet waren, keine Quarantänepflicht mehr. Emilia Willms, Inhaberin eines Reisebüros in Lich, rechnet nun mit einem Reise-Boom. (Symbolfoto)

Reisen

Nach Aufhebung der Quarantänepflicht: Große Nachfrage nach „echtem“ Urlaub

  • Lena Karber
    vonLena Karber
    schließen

Die dritte Corona-Welle scheint gebrochen. Zudem gilt seit Donnerstag für Einreisende, die nicht aus einem Virusvarianten-Gebiet kommen, keine Quarantänepflicht mehr. Für viele kommt das offenbar gerade recht.

»Das Telefon steht nicht mehr still«, sagt Emilia Willms, Inhaberin eines Reisebüros in Lich.

Frau Willms, die Infektionszahlen sinken, die Zahl der Geimpften steigt. Und nun wurde auch die Quarantänepflicht aufgehoben. Kehrt die Reiselust zurück?

Ja, wir merken das definitiv. Unser Umsatz ist bereits in den letzten Wochen deutlich nach oben gegangen. Auch die Politik hat ja signalisiert, dass Urlaub wieder möglich sein wird. Dieses Signal ist bei den Menschen angekommen und man hat gemerkt: Die Leute wollen reisen und sie trauen sich wieder. Und als am Mittwoch bekannt wurde, dass die Quarantänepflicht aufgehoben wird, scheint der Knoten geplatzt zu sein. Das Telefon steht nicht mehr still. Die Kunden sind überglücklich, fühlen sich befreit und möchten jetzt buchen.

Nach Corona-Quarantänepflicht: Reiselust ist ungebrochen

Sie blicken also optimistisch auf den Sommer?

Definitiv. Wir sind vorbereitet auf einen absoluten Boom in der Reisebranche, denn viele Kunden haben bereits mit den Hufen gescharrt. Die Reiselust ist ungebrochen und ich würde sagen, sogar größer denn je. Die Menschen sind es leid, zu Hause zu sitzen. Sie wollen raus und was erleben.

Nach den vergangenen Monaten ist das sicherlich eine Erleichterung.

Ja. Die Zeit war sehr anstrengend und sehr herausfordernd, weil man sich um die Ängste der Kunden kümmern musste. Das sind Herausforderungen, für die man nicht ausgebildet wurde - weder psychologisch noch organisatorisch. Und dazu kam die eigene finanzielle Lage, die komplett den Bach heruntergegangen ist. Wir haben zwischen Oktober und April keine fünf Reisen verkauft.

Und dann wurde die Reisewarnung für Mallorca aufgehoben...

Ja, da ging es wieder ein bisschen los. Vor allem für Familien ist Mallorca das perfekte Ziel, denn da traut sich der Deutsche schon immer gerne hin, auch mit Kindern. Dort fühlt er sich wohl und gesundheitlich gut versorgt.

Urlaub in Corona-Zeiten: Dominikanische Republik als Fernreiseziel beliebt

Was wurde für die Feiertage jetzt im Mai und Juni sonst noch nachgefragt?

Wir hatten für den Mai sehr viele Buchungen im Bereich Deutschland, Österreich und Holland - vor allem für die Centerparks, die allerdings leider bis zum 20. Mai geschlossen bleiben. Dafür können einige Kunden in Modellregionen wenigstens für zwei, drei oder fünf Tage ein bisschen Meeresluft riechen.

Werden zur Zeit auch Fernreisen unternommen?

Aktuell wird die Dominikanische Republik als Fernreiseziel kurzfristig unheimlich gut gebucht, weil da keine Reisewarnung besteht. Für viele, die Fernreisen mögen, ist sie jetzt das perfekte Ziel: der Traum von Sonne, Strand und Meer. Es ist warm, es gibt Palmen und karibisches Flair.

Wie sieht es im Hinblick auf den Sommer aus, was wird da gebucht?

Für den Sommer sind größtenteils Urlaubsziele mit Eigenanreise gefragt, wie Deutschland, Österreich, Italien, Kroatien oder Holland. Viele trauen sich noch nicht zu fliegen und wollen lieber mit ihrem Auto auf Nummer sicher gehen. Aber die Leute möchten trotzdem an den Strand. Das ist wirklich ein Trend: Die Menschen möchten wieder »echten« Urlaub haben. Strand mit Sonne, Verpflegung und Service.

Im vergangenen Sommer lag Urlaub in Deutschland sehr im Trend. Wollen die Reisewilligen nun wieder häufiger ins Ausland?

Ja. Bis in den späten Winter war es so, dass für den Sommer und den Herbst fast nur Deutschland gebucht wurde. Aber so langsam ist der Punkt erreicht, wo die Leute einfach nicht mehr mögen. Sie möchten nicht mehr eingesperrt sein, sondern wieder die Freiheit genießen, die ja im Lockdown jetzt extrem eingeschränkt war. Und für viele bedeutet Urlaub in Deutschland einfach nicht diese Freiheit, die sie sich wünschen.

Familien wollen ihren Kindern etwas gönnen

Im vergangenen Jahr haben sich vor allem Auslandsreisende zum Teil stigmatisiert gefühlt.

Ja, Reisen hat durch die Stigmatisierung vonseiten unserer Politik leider definitiv den Touch bekommen, etwas Unnötiges, nicht Gewolltes und Unliebsames zu sein. Gerade Menschen, die nicht so viel reisen, lassen sich davon stark beeindrucken. Das muss aufhören. Es gibt schließlich genug Statistiken dazu, dass Reisende kein Pandemie-Treiber gewesen sind.

Wer reist denn aktuell überhaupt? Hat sich die Altersstruktur verändert?

Dass nur noch Senioren reisen wollen, weil sie früher geimpft sind, wie man allgemein hört, stelle ich überhaupt nicht fest. Denn die konnten es sich ja auch erlauben, nach der Reise in Quarantäne zu gehen. Im Gegenteil: Im Moment erhalten wir viel mehr Anfragen von Familien als vorher. Viele wollen auch ihren Kindern jetzt etwas gönnen, weil die ja sehr zurückstecken mussten.

Emi.Reisen

Emilia Willms hat in Gießen BWL studiert und war anschließend im Personalmanagement tätig. 2018 hat sie das Reisebüro Emi.Reisen mit Geschäftsräumen in der »Alten Wurstfabrik Dietz« in Lich gegründet. Unterstützt wird sie von ihrem Mann André Willms, der sich um die Website, die Technik, die Buchhaltung und das Backoffice kümmert. lkl

Spüren Sie bei Ihren Kunden weiterhin eine Verunsicherung ?

Viele sind durch das Chaos der Regeln verunsichert. Dinge, die für uns im Reisebüro völlig selbstverständlich sind, werden von Kunden angefragt. Noch zwei Stunden vor Abfahrt haben mich Kunden angerufen und waren sich sehr unsicher, ob sie fahren sollen. Aber am Ende waren alle froh, dass ich sie überzeugen konnte, dass Urlaub sicher ist und kamen total zufrieden, glücklich und erholt zurück.

Europäischer Raum bietet tolle Urlaubserlebnisse

Einige Veranstalter bieten Flex-Tarife an, die auch dann eine Stornierung ermöglichen, wenn die Reise möglich wäre. Wird das gut angenommen?

Ja, das hat auch im Winter vielen Kunden die Möglichkeit gegeben zu sagen: Ich will diesen Urlaub verbindlich, aber sollte es starke Einschränkungen geben, habe ich eine Exit-Möglichkeit. Ich hatte nie den Eindruck, dass Kunden das nur gebucht haben, um sich irgendwas zu sichern, von dem sie noch gar nicht wussten, ob sie es wollten. Es war ein Sicherheitsfaktor für sie.

Was empfehlen Sie für die Reiseplanung in diesem Sommer?

Ich bin der Meinung, wir können bei bis zu fünf, sechs Stunden Flugzeit alles buchen, was wir möchten. Denn auch Flugreisen sind durch Hygienemaßnahmen gut abgesichert. Der europäische Raum inklusive Türkei wird tolle Urlaubserlebnisse ermöglichen. Die Türkei hat zwar im Moment noch hohe Zahlen, aber ich bin überzeugt, dass sie zurückkommen wird. Mein Tipp wäre: auf sein Herz hören, mit der Familie sprechen, buchen und sich freuen. Und keine Angst haben, dass etwas schief geht, denn es wird diesen Sommer eine wunderschöne Reisewelt geben. (Lena Karber)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare