Das muss ein Gen sein

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Früher gab es das häufiger, dass sich ein Beruf innerhalb einer Familie quasi weitervererbte. Und dies über etliche Generationen hinweg. Diese "Tradition" hat inzwischen eher Seltenheitswert. Aber es gibt sie noch. Und nicht nur auf dem Felde des Handwerks. Auch bei der Eisenbahn. Beispiel gefällig? Hier ist es: die Familie Schäfer in Waldgirmes.

Früher gab es das häufiger, dass sich ein Beruf innerhalb einer Familie quasi weitervererbte. Und dies über etliche Generationen hinweg. Diese "Tradition" hat inzwischen eher Seltenheitswert. Aber es gibt sie noch. Und nicht nur auf dem Felde des Handwerks. Auch bei der Eisenbahn. Beispiel gefällig? Hier ist es: die Familie Schäfer in Waldgirmes.

Gleich drei Familienmitglieder sind noch immer "bei der Eisenbahn". Gerd Schäfer; Jahrgang 1959, ist über alle administrativen Veränderungen und Zuständigkeiten hinweg seit mehr als vier Jahrzehnten Bundesbahner und seit 1975 "Praxistrainer" bei der DB Direktion Frankfurt und in dieser Funktion Ausbilder für den technischen Bahn-Nachwuchs im Bereich Oberleitungen und Elektrotechnik.

Unwiderstehliche Kanonenbahn

Ehefrau Sybille arbeitet als Zugbegleiterin, Schwiegersohn Daniel Römhild als Fahrdienstleiter in der Fahrleitungsmeisterei in Gießen. Damit aber noch lange nicht genug der familiären Eisenbahner-Tradition. Gerd Schäfers Vater Richard, heute 88 Jahre alt, war Rangierer am Bahnhof Wetzlar, zuletzt im Range eines Obersekretärs. Er trat damit in die gleiche eisenbahnberufliche Tätigkeit wie sein Vater Heinrich Jakob Schäfer, Jahrgang 1896.

1952 hatte Hannelore Reinstädtler in die Eisenbahnerfamilie Schäfer in Waldgirmes eingeheiratet. Und auch sie brachte familiäre Eisenbahn-Tradition mit. Im Blut von Hannelores Großvater Karl Reinstädtler (1886–1951), seines Zeichens Wagenmeister bei der Reichsbahn, pulsierte ebenso das Eisenbahner-Gen wie in den Adern von dessen jüngerem Bruder Heinrich (1889–1985) und in ihrem Vater Karl Reinstädtler sen. (1863–1960).

Viel früher konnte das "Eisenbahn-Fieber" nicht ausbrechen. Denn die "Kanonenbahn", die als Nebenstrecke Wetzlar und Lollar verband und in deren unmittelbaren Nähe die Familien Reinstädtler in Dorlar und Schäfer in Waldgirmes zu Hause waren und sind, wurde 1878 in Betrieb genommen.

Das passte jedenfalls ziemlich haargenau in das berufliche Lebenskonzept des damals 15 Jahre alten Karl Reinstädtler, der der Faszination des neuen Verkehrsmittels nicht widerstehen konnte und in die Dienste der Reichsbahn trat. Gleiches tat sein Sohn Heinrich, der unter anderem in den 1920er und 1930er Jahren für ein gutes Jahrzehnt Chef des Bahnhofs Abendstern an der Kanonenbahn war.

Gerd Schäfer als fünfter Eisenbahner in der Generationenfolge hat nun auch noch ein schmuckes sichtbares Zeichen der Verbundenheit erschaffen. Und zwar für seinen zehn Monate alten Enkel Simon Römhild, der einmal die siebte Generation im Dienste der Bahn sein könnte.

Zwei Monate hat der – und das darf man wirklich so sagen – begnadete Handwerker an einer stattlichen Lokomotive gearbeitet, die als pedalgetriebenes Freiluft-Gefährt für seinen Enkel dienstbar sein wird. Eigenbau von A bis Z. Der Kessel besteht aus einem 25-Zentimeter-Kanalrohr, alle anderen bis ins Detail handgefertigten Bauteile aus schichtverleimtem Multiplexholz, "für die Ewigkeit", zumindest aber dauerhaft wind- und wetterfest gemacht. Auch die notwendigen mechanischen Teile hat Gerd Schäfer in seiner Werkstatt hergestellt. Ausschließlich Kugellager und Elektronik sind zugekauft.

Schwarz angestrichen, wie es sich für eine Dampflok gehört, dazu das Eisenbahn-spezielle Rot an den Rädern und mit der Seriennummer "2019 – 01", so präsentiert sich das Lokomotiven-Unikat als kleines Meisterwerk handwerklicher Fähigkeiten, auch zur Freude von Vater Daniel und Urgroßvater Richard. Der kleine Simon wird es demnächst vollends in Besitz nehmen und darf sich zugleich auf einen Anhänger freuen, den Opa noch zu fertigen versprochen hat.

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