Muskelpakete treffen auf zierliche Damen

s ist erklärungsbedürftig, warum das nach seinem Gründer benannte Malandain-Ballett Biarritz während der Hessischen Theatertage in Marburg auftrat. Biarritz liegt in der südfranzösischen Region Aquitaine und ist Partnerregion des Landes Hessen. Um dies etwas bekannter zu machen, werden Kulturaustauschprogramme von der Landesregierung gefördert, so auch in diesem Fall. Die sonst eher nüchterne Stadthalle Marburg erstrahlte also am Mittwochabend im Glanz eines neoklassischen Ballettabends. Die Stadt gab im Anschluss einen Empfang für die Gäste. Das Corps de Ballet besteht aus acht zumeist kraftvollen Tänzern, zu deren Körpern die irritierenden Bodybuilder-Posen durchaus passen, und aus acht zierlichen Tänzerinnen. Allerdings gibt es keine ersten Tänzer wie im klassischen Ballett, alle sind gleichwertig und gleich gekleidet, mit viel fließendem Stoff und durchscheinender Spitze (Jorge Gallardo) oder gleich mit nackten Oberkörpern. Ein Augenschmaus für Damen wie Herren.

Vorstellungsänderung

Aus technischen Gründen wird die für morgen Abend geplante Freilichtaufführung auf dem Marburger Marktplatz in das Theater am Schwanhof verlegt.

Dort zeigt das Nationaltheater Radu Stanca aus der rumänischen Partnerstadt Sibiu ab 20.15 Uhr statt der angekündigten Kammeroper die Bühnenadaption von »I hired a contract killer« nach dem Film von Aki Kaurismäki. Für diese Inszenierung ist der Regisseur Radu Alexandru Nica mit dem Debütpreis des rumänischen Theaterverbandes ausgezeichnet worden. Der Eintritt zu der Vorstellung in deutscher Sprache ist frei. man

Es ist erklärungsbedürftig, warum das nach seinem Gründer benannte Malandain-Ballett Biarritz während der Hessischen Theatertage in Marburg auftrat. Biarritz liegt in der südfranzösischen Region Aquitaine und ist Partnerregion des Landes Hessen. Um dies etwas bekannter zu machen, werden Kulturaustauschprogramme von der Landesregierung gefördert, so auch in diesem Fall. Die sonst eher nüchterne Stadthalle Marburg erstrahlte also am Mittwochabend im Glanz eines neoklassischen Ballettabends. Die Stadt gab im Anschluss einen Empfang für die Gäste. Das Corps de Ballet besteht aus acht zumeist kraftvollen Tänzern, zu deren Körpern die irritierenden Bodybuilder-Posen durchaus passen, und aus acht zierlichen Tänzerinnen.

Allerdings gibt es keine ersten Tänzer wie im klassischen Ballett, alle sind gleichwertig und gleich gekleidet, mit viel fließendem Stoff und durchscheinender Spitze (Jorge Gallardo) oder gleich mit nackten Oberkörpern. Ein Augenschmaus für Damen wie Herren.

Der Abend besteht aus zwei halbstündigen Teilen, die im Ankündigungstext erzählerischer angelegt sind als es die Umsetzung nachvollziehbar macht. Der erste Teil »Portrait de l’infante« ist inspiriert vom berühmten Velazquez-Gemälde »Las Meniñas«, die drei Königstöchter erscheinen auf der Bühne in Form von fahrbaren Skulpturen (Manolo Valdés). Die träumerische Musik von Maurice Ravel gibt den stimmungsgebenden Hintergrund, vor dem sich sieben Szenen abspielen. Das sind etwa ein Spaziergang im Liebesgarten, die Fabel von einer Frau, die sich in einen Hund verwandelt, oder das lustige Spiel der Hofzwerge.

Zu allem formvollendeten Tanz bringt Choreograph Thiery Malandain noch viel Witz ein, am Gelungensten beim verdoppelten Morgenständchen des Hofnarren, der in den Spiegel schaut und offenbar mit dem, was er sieht, nicht zufrieden ist. Sonderapplaus vom Publikum. Der zweite Teil »L’Amour sorcier« ist sehr spanisch und romantisch angelegt nach der Musik von Manuel de Falla. In der Welt der Zigeuner soll er spielen, geprägt von Aberglauben und Eifersucht, verallgemeinert an den ewigen Kreislauf von Leben und Tod erinnern. In den zwölf Einzelszenen sind fast immer komplette Gruppen auf der Bühne: acht Frauen, acht Männer oder alle 16 zusammen. Und das in gleichförmigen, nahezu perfekt parallelen Bewegungen. Das hat zwar seine eigene Faszination, bietet aber wenig Überraschendes und überfordert letztlich die Größe der Marburger Bühne. Die Flamenco-Anklänge in der Musik werden nur in der Schlussszene im Kostümwechsel der Frauen sichtbar, jedoch tänzerisch nicht genutzt. Es bleibt der Fokus auf die tänzerische Perfektion und die verzaubernde Lichtregie (Jean-Claude Asquié).

Fazit: eine sehr auf äußere Ästhetik angelegte Choreographie und hervorragende Tänzer. Das im Schnitt junge Marburger Publikum bedankte sich mit begeistertem Beifall. Dagmar Klein

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