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Blättern in Erinnerungsstücken: Hans-Peter Frank (links) und Josef Hubka haben mit ihrem Nordecker Gesangverein schon so einiges erlebt. FOTO: PM

Musikalische Treue

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Hans-Peter Frank und Josef Hubka singen seit über 65 Jahren im Gesangverein Nordeck. In all den Jahren verging kaum eine Chorprobe, in der die beiden Männer nicht anwesend waren. Verschiedene Chorleiter, neue Vorsitzende, wechselnde Probentage, unterschiedliche Chorliteratur, nichts vermochte die Treue der beiden Männer zu ihrem Chor zu stören.

Wenn Hans-Peter Frank über seinen Chor redet, dann gleicht es einer kleinen Liebeserklärung. "Es hat mich nie mehr losgelassen", sagt er und schwärmt von der Geselligkeit und dem Zusammengehörigkeitsgefühl. Das alles seien im Laufe der vergangenen Jahrzehnte wichtige Faktoren in seinem Leben - und in dem von Josef Hubka.

Seit 65 Jahren singen die beide Männer im Gesangverein TeuTonia Nordeck, ganz ohne Unterbrechung sind sie dabei. Sie haben Chorleiter kommen und gehen sehen, die Vereinsvorstände haben gewechselt und auch die Chorliteratur hat sich verändert - Frank und Hubka aber waren immer da.

"Anpassungsfähigkeit und sich auf Neues einlassen können", so bringt der 80-jährige Frank das Geheimnis von Kontinuität und Treue zum Verein auf den Punkt. Dem Gesangverein in Nordeck gehört er seit den frühen 1950er Jahren an. Die gleiche imposante Zeitspanne als Sänger hat Hubka, Jahrgang 1937, zu bieten.

Beide wurden einst von anderen Sängern zur Chorprobe eingeladen. Im Falle Hubkas war es sein Chef Gotthold Schönwandt, der den Lehrbub animierte, mitzusingen. An die Aufnahme in den Verein - genaugenommen in zwei Chöre, denn es gab seinerzeit sowohl einen Männer- als auch einen gemischten Chor - erinnern sich beide nur zu gut. Man sei warmherzig und freudig aufgenommen worden. Schon damals habe es ein beeindruckendes Zusammenwirken verschiedener Generationen gegeben.

Der erste Chorleiter, unter dessen Dirigat sie sangen, war Heinrich Schomber aus Beuern. "Die Literatur war anspruchsvoll, die Einstudierung präzise", erzählt Frank. Einzelstimmenproben begleitete Schomber mit der Geige.

Die beiden Männer beschreiben die Zugehörigkeit zum Gesangverein als etwas Besonderes. Kein Wunder also, dass die wöchentliche Chorprobe einen enormen Stellenwert inne hat "Die Familie nimmt Rücksicht, sonst geht das nicht", erzählt Frank. "Die wissen, dass man am Tag der Chorprobe keine Geburtstagsfeier abhalten darf."

Und doch gibt es auch Dinge, die sich geändert haben. Die Verankerung des Vereins in der Dorfgemeinschaft war früher stärker. Der traditionelle Familienabend und das "Kirschentänzchen" der TeuTonia waren wichtig im dörflichen Leben. Heute sind es Legenden. Im damaligen Wirtshaus Stelzenbach habe man den Familienabend begangen, er habe Unterhaltung in einer nicht ganz einfachen Zeit geboten, erzählen die beiden. Später im Bürgerhaus blieb er ein "Publikumsmagnet".

Es war ein kurzweiliger Mix aus Gesangsdarbietungen, Sketchen und kleinen Theaterstücken. Frank etwa gab den Witze erzählenden Conférencier. "Humor habe ich schon immer gehabt", sagt er. Und so verwundert es nicht, dass Frank das Männerensemble "Potpourri" eigens für den Familienabend ins Leben rief. Auf bekannte Melodien dichtete er neue Texte und begleitete die launigen Liedvorträge mit der Gitarre. Die Generalprobe am Vorabend sei manchmal so intensiv gewesen, dass der eigentliche Familienabend am nächsten Tag wegen eines veritablen Katers manch eines Akteurs gefährdet gewesen sei.

In über 65 Jahren haben Hubka und Frank unter fünf verschiedenen Chorleitern gesungen. Alle fünf hatten ihre Eigenheiten oder brachten neue Methoden ein. Hatte der Chor zunächst nur deutschsprachige Literatur einstudiert, kamen später Latein, Französisch und Englisch hinzu. In den vergangenen Jahren wurde es dann noch multilingualer. Die Sprachen Skandinaviens und des Baltikums haben nun Einzug gehalten.

Die 90er Jahre brachten unter dem Dirigat von André Kutsch manche Weichenstellung. Man habe Oratorien gesungen und mit großem Erfolg die "Carmina Burana" aufgeführt. Die beiden Senioren erinnern sich an die Weiterentwicklung des gemischten Chores. Der Leistungsgedanke hielt mehr und mehr Einzug, und der Chor verbuchte große Erfolge. Torsten Schön, der die TeuTonia nun seit knapp 20 Jahren leitet, habe anspruchsvolle musikalische Schwerpunkte gesetzt. Auch für die moderne Chorliteratur, vor allem aus Skandinavien und dem Baltikum, konnten sich Frank und Hubka, die beiden Bässe, erwärmen.

Hubka übte neue Stücke regelmäßig zu Hause auf dem Klavier. Dafür brachte er sich selbst die Noten des Bassschlüssels bei. Frank verrät noch seine Lieblingslieder: "›Die Nacht‹ von Schubert und ›Öhtul‹ von Pärt Uusberg aus unserem aktuellen Repertoire - wie gerne singe ich das."

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