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Tobias Kraft mit seiner Frau und dem gemeinsamen Patenkind bei einem Besuch in Namibia.

Mit dem Motorrad durch Afrika

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Bereits seit einigen Jahren unterstützen Tobias Kraft und Andreas Kuhl Patenkinder in Afrika. Nun fuhren sie mit dem Motorrad 3000 Kilometer über unwegsame Straßen um die Kinder zu besuchen. Die Reise hat beide verändert.

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen, sagt der Volksmund. 3000 Kilometer waren die beiden Hüttenberger Tobias Kraft und Andreas Kuhl mit dem Motorrad in Afrika unterwegs. Es ging ihnen nicht darum, die eigenen Grenzen zu testen, sondern anderen Menschen zu helfen. Beide hat ihre Teilnahme am "Ride for Hope" quer über den afrikanischen Kontinent geprägt und verändert.

Während Kuhl schon lange begeisterter Motorradfahrer ist, hat Kraft den "Biker-Virus" erst seit fünf Jahren in sich. Nach einem Vortrag in der Hüttenberger Chrischona-Gemeinde im Herbst 2017 waren sie auf die Idee gekommen, an dem Projekt teilzunehmen. Sören Dörr von der Organisation "Christ’s Hope" hatte damals seine Arbeit vorgestellt und für Kinder-Patenschaften für Aids-Waisen in Afrika geworben. Zwei Drittel aller HIV-Infizierten leben südlich der Sahara, 14,5 Millionen der Kinder sind Waise und 3000 Menschen sterben täglich an AIDS. Die Organisation gibt Motorradfahrern die Chance, die Arbeit vor Ort kennenzulernen.

"Wir haben uns schon an diesem Abend für ein Patenkind - die zehnjährige Mageritha in Namibia - entschieden", erzählt Kraft. Kuhl machte es genauso. Beide kamen miteinander ins Gespräch und waren auf einer Wellenlänge. Beide konnten sich vorstellen selbst einmal bei einer Tour dabei zu sein.

"Wir mussten Spendengelder akquirieren und Sponsoren motivieren, uns zu unterstützen", erklärt Kraft das Konzept. Er selbst hatte keine Probleme, die 1000 Euro zu sammeln. Bei seiner Geburtstagsfeier hatte er ein Spendenschwein aufgestellt. Der Arbeitgeber seiner Frau legte noch einmal 1000 Euro dazu. Insgesamt 14 Fahrer wollten an der Tour teilnehmen: Sie kamen aus Berlin, aus Mittelhessen und sogar aus Belgien. Aus der heimischen Region war noch Karl-Heinz Huttel aus Aßlar dabei.

Die Organisatoren stellten das Camping-Zubehör, die Kühlschränke und die Begleitfahrzeuge. Die Teilnehmer starteten ihre Tour per Flugzeug von Frankfurt nach Johannesburg. Die Motorräder, hauptsächlich Ein-Zylinder-Maschinen, haben sie sich in Johannesburg geliehen. Danach starteten sie in Richtung Norden - nach Swasiland und Lesotho. An einzelnen "Care Points" der Organisation stoppte das Team und besuchte die Kinder, die von dem Programm und der Arbeit von "Christ’s Hope" profitieren. "Wir konnten mit ihnen spielen, leben, den Tag verbringen und die Gastfreundschaft genießen", erzählt Kraft mit einem Funkeln in den Augen.

In den Care Points werden die Kinder unterrichtet, bekommen etwas zu essen und können unbeschwert leben. Viele von ihnen haben beide Eltern verloren. Ohne die Arbeit von Christs Hope fehle ihnen die Struktur in ihrem Alltag. Bei Kraft sind noch andere Dinge in Erinnerung geblieben: "Natürlich ist da die eindrucksvolle Naturkulisse des Krüger-Nationalparks mit seiner unglaublichen Weite."

Die größte körperliche Herausforderung war der Sani-Pass, der mit 2873 Metern höchste Pass Südafrikas, den die Fahrer bewältigen mussten. Allerdings war der Großteil der Strecke auf Schotterpisten. Kraft sagt: "Das war anstrengend und hat mich ganz schön an meine Grenzen gebracht." Belohnen durften sich die Fahrer mit einem Kaltgetränk im "Highest Pub in Africa". Die Ein-Zylinder-Maschinen hielten (fast) alle durch. Wenn einmal etwas Unvorhergesehenes passierte, wurde der Satz "That’s Africa" zum geflügelten Wort.

"Aus 21 Mitfahrern (mit drei Begleitfahrzeugen) ist ein richtig gutes Team geworden und es sind neue Freundschaften entstanden", haben beide beobachtet. "Wenn einer Hilfe brauchte, waren andere für ihn da."

Am beeindruckendsten für beide war aber etwas anderes: wie glücklich die Menschen sein können, "obwohl sie nichts haben". "Ich habe mir als Kind nie Gedanken machen müssen, wo ich Essen und einen Schlafplatz her bekomme", verdeutlicht Kuhl. "Wo im Westen Luxus und ein Leben im Überfluss existiert, haben die Menschen hier nichts. Sie sind aber trotzdem gastfreundlich."

"Die Reise hat mich verändert", gibt Kraft zu. Beide sind froh, dass sie mit ihren Patenkindern in Afrika das Leben eines Menschen verändern können. Beide können sich auch vorstellen, bald wieder Afrika zu besuchen, um ihre Patenkinder zu besuchen. Ob auf zwei oder vier Rädern ist noch nicht ganz klar, müssen sie schmunzeln. Das Ziel der Reise, 40 000 Euro für den Bau eines neuen Carepoints in Johannesburg zu sammeln, wurde im Übrigen erreicht. Wer Christ’s Hope unterstützen möchte, findet hier www.christshope.de weitere Informationen.

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