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Robin Schwarz, Gründer der Online-Galerie »Hustling Sharks«, hat große Pläne.

Motivation als Verkaufsschlager

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Als sein Arbeitgeber im vergangenen Jahr Insolvenz anmeldete, hat Robin Schwarz aus Allertshausen während Corona den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Er betreibt nun eine Online-Galerie für »Motivationskunst« - und hat offenbar eine Nische gefunden, die gerade während der Pandemie als Geschäftsmodell trägt.

Dieses Motiv sei einer der »Topseller«, sagt Robin Schwarz: Ein Löwenjunges steht unter bedrohlich wirkenden Bäumen vor einer Pfütze, sein Spiegelbild im Wasser zeigt einen mächtigen Löwen. Die unmissverständliche Botschaft liefert das Bild gleich mit, sie steht in großen Lettern zwischen dem kleinen Tier und seinem nicht ganz realistischen Spiegelbild: »Think big«.

Es ist eines von rund 400 Werken, die Schwarz online anbietet - und zugleich passt das »groß denkende« Jungtier gut zu den ehrgeizigen Ambitionen des Allertshäusers: Schwarz hat im vergangenen Jahr einen Online-Shop für Kunstwerke mit motivierenden Botschaften gegründet, mit dem er nun weiter expandieren will. Teils stammen die Ideen von ihm und werden von Künstlern umgesetzt, teils erwirbt er Lizenzen an schon existierenden Bildern.

Kurz nach dem ersten Lockdown ein Start-Up zu gründen und auf diese Karte zu setzen, erfordert Mut. Was hat den 26-Jährigen in wirtschaftlich unsicheren Zeiten bewogen, etwas völlig Neues auszuprobieren? Ein ausschlaggebender Punkt sei die Situation bei seinem vorherigen Arbeitgeber gewesen, erzählt Schwarz. Er war bis zum vergangenen Frühjahr Abteilungsleiter in einem mittelständischen Produktionsunternehmen, dort auch für Qualitätsmanagement zuständig. »Da habe ich mich ein bisschen übernommen - ich hatte zu viele Projekte, konnte teilweise Deadlines nicht einhalten«, blickt er zurück.

Er sei frustriert gewesen, sagt Schwarz und gibt eine Anekdote zum Besten: »Eines Tages habe ich in der Mittagspause bei Instagram gescrollt und ein Motiv entdeckt: zwei vernarbte Füße einer Ballerina mit der Botschaft, nicht aufzugeben.« Das habe ihn »extrem getriggert und motiviert, es hat mich nicht mehr losgelassen«.

Allmählich reifte die Idee, Bilder dieser Art professionell zu vertreiben. Schwarz traf Vorbereitungen, entwickelte erste Konzepte. Als der Arbeitgeber dann in die Insolvenz ging, war für den studierten Informatiker klar, »dass ich das weiter verfolge«. Gesagt, getan. Schwarz las sich kaufmännisches Wissen an, meldete »Hustling Sharks« als Marke beim Europäischen Patentamt an. Das Start-up firmiert nun als Unternehmergesellschaft, Schwarz will daraus eine GmbH machen. Rund 2000 Euro habe er an Startkapital investiert, schon jetzt reichten die Einnahmen, um davon zu leben. Von Vorteil war für ihn, dass er in eine Transfergesellschaft des vorherigen Arbeitgebers aufgenommen wurde und noch Zahlungen erhielt. »Ich hätte es ansonsten aber auch gemacht«, betont der Jungunternehmer.

Wie kam der gewagte Sprung in die Selbstständigkeit während der Pandemie in seinem Umfeld an? Bei Verwandten und Bekannten habe es anfangs einige Skepsis gegeben. »Warum tust du dir das an? Überlege dir das noch mal«, habe es teils geheißen. Doch er habe auch viel Zuspruch erfahren, sich nicht beirren lassen.

Langweilig wird dem Allertshäuser zurzeit offenbar nicht: In der Regel arbeite er von morgens bis spät abends, nehme sich am Wochenende dann Zeit für neue Bild-Ideen. Kontakt mit Künstlern halten, Verträge schließen, den Online-Handel auf verschiedenen Kanälen bewerben, Bestellungen koordinieren, sich mit dem für den Druck beauftragten Unternehmen kurz schließen - all das und mehr gehört zu seinem Alltag dazu. Teils arbeitet er zu Hause, teils in seinem Büro in Langgöns. Nebenher leitet Schwarz im Ehrenamt die Tischtennisabteilung des TSV Allendorf/Lumda.

Der Allertshäuser sieht sich nicht als Künstler - die Ideen umzusetzen sei Aufgabe der Kreativen, mit denen er Verträge schließt. Auch sei er nicht der erste, der »Motivationskunst« online anbietet. Doch für die Unternehmensgründung scheint Schwarz einen günstigen Zeitpunkt erwischt zu haben: Er berichtet, dass während des erneuten Lockdowns der Absatz noch einmal gestiegen sei - wohl auch, weil etliche Menschen nun mehr Zeit in ihrer Wohnung verbringen und investieren, um sie gemäß ihren Vorstellungen aufzuhübschen. Und Zuspruch in Form von motivierenden Botschaften kann in Zeiten des Corona-Blues ja auch nicht schaden. Auch »Motivationstrainer« boomten zurzeit, gibt Schwarz zu bedenken.

Über Geschmack lässt sich trefflich streiten, das gilt auch für die mit einprägsamen Botschaften gespickten Motive, die Schwarz etwa auf Leinwand in verschiedener Größe oder als Acryl-Glasblöcke anbietet. »Für jeden Menschen ist die Motivation unterschiedlich« - das drücke sich auch in der Bandbreite der Motive aus: Sie reichen von »sanften« Szenen bis hin zu einer US-Banknote mit knallhartem Kapitalismus-Motto: »Make more money.« Auch das treibt manche an.

Mittelfristig will Schwarz auch Firmen als Kunden erreichen und Werke etwa in Möbelhäusern, Fitnessstudios oder Co-Working-Spaces unterbringen. Unter Corona-Bedingungen sei es bislang aber schwierig gewesen, den Offline-Vertrieb voranzutreiben, das will er bald angehen. Demnächst möchte er auch bei Amazon und Ebay als Anbieter präsent sein. Um sich auf die weitere Entwicklung zu konzentrieren zu können, denkt er darüber nach, einen Mitarbeiter für den Vertrieb einzustellen.

Bleibt die Frage nach dem Firmennamen: Was will Schwarz mit dem Begriff »Hustling Sharks«, also frei übersetzt Haien, die sich ins Zeug legen, ausdrücken? Es gehe ihm nicht um das aggressive Image des Tieres, unterstreicht er. Sondern darum, dass Haie »alles in Bewegung setzen«. Schwarz weiter: »Wenn ein Hai etwas will, bekommt er es auch.« Pläne mit Macht vorantreiben, sich für seine Träume ins Zeug legen - das sei für ihn selbst eine starke Motivation.

»Selbst wenn es in zwei, drei Jahren scheitert, hat man etliches an Erfahrungen gemacht«, sagt der Allertshäuser. »Wenn ich von meiner Idee überzeugt bin, es meine Leidenschaft ist, kann ich eigentlich nicht scheitern.«

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