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Die Lärmmessstation des RP im Einsatz, in diesem Fall in einem Garten.

Modernste Messtechnik

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Gießen (pm). Sein Einsatzgebiet erstreckt sich über klassische Industrieanlagen aus dem produzierenden Gewerbe, über Gießereien, Steinbrüche bis hin zu den Geräuschen von Windkraftanlagen im freien Feld. Das Regierungspräsidium (RP) Gießen hatte vor einem Jahr einen Lärmmessanhänger mit modernster Technik angeschafft. Seitdem ist er im Einsatz.

Der »Tag gegen Lärm« am heutigen Mittwoch, 28. April, ist deshalb ein guter Anlass, buchstäblich nachzuhören, ob der Anhänger sich im Einsatz bewährt hat.

»Seit seiner Anschaffung hat der Messanhänger schon mehrfach gezeigt, was er kann«, berichtet Felix Bender, Teamleiter im zuständigen Dezernat für Immissionsschutz beim RP Gießen. So hat er Geräusche von Industrieanlagen in einer Entfernung von nur wenigen Metern bis hin zu über einem Kilometer aufgezeichnet und ausgewertet.

Jede Anlage hat dabei eine spezielle Geräuschcharakteristik. »Deshalb werden die Messgeräte je nach Anwendungsfall entsprechend eingestellt.«

Neben der kontinuierlichen Signalaufzeichnung des Pegel-Zeitverlaufs, der Windrichtung- und Geschwindigkeit sowie eines eventuellen Niederschlags wird für die anschließende Auswertung auch eine Tonaufzeichnung der relevanten Anlagengeräusche protokolliert.

»Anhand der umfangreichen Messdaten in Kombination mit der Möglichkeit, die Tonaufnahmen auch nachträglich anhören zu können, können die reinen Anlagengeräusche über nahezu jeden beliebigen Zeitraum ermittelt werden«, ergänzt der Kollege Alexander Rupp.

Was den Messanhänger so besonders macht: Er kann spezielle Situationen erfassen und bewerten, die über den gesamten Tageszeitraum nur in sehr unregelmäßigen Zeitabständen auftreten. »Das ist durch die Langzeitmessung seit einem Jahr deutlich besser möglich.«

Auch wenn es bei Schallmessungen nach wie vor physikalische Grenzen zu beachten gibt, konnten durch den Messanhänger bereits einige Beschwerdesituationen anhand konkreter Messdaten objektiv beurteilt werden.

Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich freut sich darüber, dass sich der Anhänger bewährt hat: »Wir haben beim RP Gießen engagierte Kollegen, die ihn mit all ihrer Erfahrung selbst so optimiert haben.« Eingehende Beschwerden der Bürgerinnen und Bürger können nun noch gezielter nachverfolgt werden, 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche. Kompakt und bis ins Detail durchdacht bis hin zur Diebstahlsperre ist der Anhänger. Eine Fotovoltaikanlage versorgt die Messgeräte mit Strom.

Eine Internetverbindung bietet zugleich die Möglichkeit, die Daten »just in time« auszuwerten, sowie eine gezieltere Analyse der akustischen Überwachung.

Objektive Bewertung

»Durch die Digitalisierung können wir in aktuelle, laufende Messungen reinhören und bei Bedarf sofort reagieren«, erläutert Teamleiter Bender. Dies biete eine viel effizientere Lärmbekämpfung. »Auch das Wetter hat einen enormen Einfluss auf die Lärmbelastung. Je nach Richtung des Windes kann diese sich verändern.«

Zur eigentlichen Lärmmessung erfolgt deshalb gleichzeitig eine Analyse der Wetterdaten. Dazu gehören etwa der Umgebungsdruck, die Windgeschwindigkeit und -richtung sowie die Luftfeuchtigkeit und -temperatur.

»Oftmals gaben die Bürgerinnen und Bürger zu bedenken, dass der Lärmpegel während unserer Messung nicht den tatsächlich sonst vorhandenen akustischen Belastungen entspricht«, berichtet Karin Ohm-Winter, Leiterin der Abteilung Umwelt. Deshalb hatte ein RP-Team in Eigenregie die bereits vorhandene Messstation für die Anwendung in einem Messanhänger optimiert. Die Umbauten wurden dabei von den Sachbearbeitern selbst vorgenommen.

Und was passiert dann mit den Daten des Lärmmessanhängers? Die aufgezeichneten Geräuschemissionen werden nach den Vorgaben der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) ermittelt und bewertet. Ob es nun »zu laut« ist, hängt von einem Vergleich mit den in der TA Lärm genannten Immissionsrichtwerten ab. Neben einer Begrenzung für die Maximalpegel kurzzeitiger Geräuschspitzen werden die übrigen Geräuschemissionen entweder über die gesamte Tageszeit oder über jeweils eine Stunde in der Nacht energetisch gemittelt.

Was die Erfahrung auch zeigt: In vielen Fällen entspricht die subjektive Wahrnehmung von störenden Geräuschsituationen nicht der objektiven Bewertung durch die Messergebnisse. Werden die Immissionsrichtwerte jedoch überschritten, können Schall mindernde Maßnahmen rechtsverbindlich gefordert werden.

Diese können etwa die Einhausung von technischen Aggregaten, eine Beschränkung der Betriebszeit oder die Errichtung von Schallschutzwänden sein. Bei der Umsetzung wird in der Regel jene Maßnahme ausgewählt, mit der die Einhaltung der Immissionsrichtwerte sichergestellt ist und die den Verursacher gleichzeitig am wenigsten belastet.

Nähere Informationen zum Lärmmessanhänger sind über das Dezernat 43.2 für Immissionsschutz bei Dezernatsleiter Ulrich Lühnen unter Telefon 06 41/3 03-44 60 zu erhalten.

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