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Das Zirpen des Weinhähnchens sorgt für Urlaubsstimmung.

Wer hat die Mittelmeergrille gehört?

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Gießen (pm). Das vielen Urlaubsreisenden vertraute, typisch abendliche Mittelmeer-Grillenzirpen ist seit einigen Jahren auch im Kreis Gießen zu hören. Es stammt von einer Grille, die zwar unscheinbar aussieht, aber durch ihren besonderen Gesang weithin von sich hören macht: das Weinhähnchen. Durch den Klimawandel ist die Art weiter nach Norden vorgedrungen. Wie weit, dass wollen Biologen von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) nun wissen. Sie rufen daher dazu auf, Nachweise zu melden.

Eigentlich kann die einzige Blütengrille Mitteleuropas nördlich der Alpen nur in den wärmsten Lagen des Weinanbaus überleben. Das dachte man lange Zeit. Bis Ende der 70er Jahre war die Art in Hessen allein auf den äußersten Süden beschränkt: den Rheinverlauf zwischen dem Hessischen Ried und dem Mittelrheintal und die Bergstraße.

Seither legte sie infolge des Klimawandels eine der aufsehenerregendsten Arealausweitungen unter den Insekten Hessens hin. Schon bis Ende der 1990er Jahre war das gesamte Rhein-Main-Gebiet bis knapp nördlich des Mains besiedelt. Mittlerweile gehört die Wetterau bis Wetzlar, Gießen und Hungen zum Verbreitungsgebiet dieser ursprünglich mediterranen Art. Im Lahntal reicht die Besiedlung von Westen bis in den Raum Limburg und selbst aus Marburg gibt es Nachweise.

Die wärmeliebende Art besiedelt nicht mehr nur Weinberge, Steinbrüche und Sandmagerrasen. Regelmäßig ist der in der Abenddämmerung und Dunkelheit warmer Nächte erklingende Gesang auch in Ortsrandlagen, Gärten, niedrigen Hecken an Parkplatzanlagen in Industriegebieten und sogar von bepflanzten Verkehrsinseln zu hören.

Diesen Sommer wurden zahlreiche neue Vorkommen des Weinhähnchens entdeckt. Ob sich die unauffälligen Tiere mit dem schönen Gesang hier auch in den kommenden Jahren etablieren können, oder ob die aktuelle Ausbreitung allein Folge der beiden sehr heißen Sommer 2018 und 2019 ist, wollen Biologen in den kommenden Jahren untersuchen.

Das Netzwerk Heuschrecken der HGON erfasst landesweit die Heuschreckenbestände. Auf der Grundlage dieser Daten wollen die Biologen gemeinsam mit dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) einen Verbreitungsatlas der Heuschrecken veröffentlichen. Dabei sind die Arealausbreitungen von "Klimagewinnern" wie dem Weinhähnchen von großem Interesse, heißt es.

Weinhähnchen sind rund 15 Millimeter groß und ernähren sich von zarten Blütenteilen wie Staub- und Blütenblättern und von tierischer Kost. Daher machen die einzigen Blütengrillen des Landes anderen heimischen Arten keine Konkurrenz. Nach der Eiablage in Pflanzenstängeln sterben die Tiere im Herbst. Im darauf folgenden Frühjahr entwickelt sich dann die nächste Generation.

Wer hat das Weinhähnchen gesehen oder gehört? Nachweise der Art bittet die HGON zu melden an info@hgon.de. Gerne nehmen die Biologen Ton- oder Videoaufnahmen des Gesangs entgegen. Hörbeispiele für das Weinhähnchen und Kontaktadressen für das Netzwerk Heuschrecken findet man unter www.heuschrecken-hessen.de

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