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In der Unfallstatistik entwickelt sich das Elterntaxi zum Sorgenkind. Der Verkehrsclub ACE will mit der Aktion "Goodbye Elterntaxi" gegensteuern.

Sicherer Schulweg

ACE fordet: "Goodbye Elterntaxi!" in Mittelhessen - Verbesserungsvorschläge

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Jedes fünfte Kind wird von den Eltern zur Schule gefahren. Das birgt Gefahren beim Ein- und Aussteigen in unübersichtlichen Situationen. Der ACE versucht, mit der Aktion "Goodbye Elterntaxi" gegenzusteuern.

Mama oder Papa fahren am liebsten mit dem Auto bis vors Schultor. Mitunter fragt man sich, warum sie nicht gleich bis auf den Schulhof fahren? Heraus klettert ein nicht selten leicht verschlafen wirkendes Kind. Womöglich schon mit dem Ranzen auf dem Rücken. Dann hat die Fahrt zur Schule auch ganz prima ohne sichernden Gurt geklappt. Sind ja nur ein paar Meter…

Elterntaxi: Jeder 5. Grundschüler wird gefahren

Ein Fünftel aller Grundschüler werden morgens mit dem Auto zur Schule gebracht. Das weist eine bundesweite Statistik aus, die der Auto Club Europa (ACE) vorgelegt hat. 17 Prozent kommen mit dem Bus, 43 Prozent gehen zu Fuß, die restlichen fahren Roller oder Fahrrad. Letztere sind aber deutlich in der Minderheit.

Jenes Verhältnis spiegelt sich auch in Biebertal wider: Eine Zählung am Montag in der halben Stunde vor Unterrichtsbeginn an der rund 200 Schüler großen Grundschule am Rodheimer Bornberg zeigt: 41 sogenannte "Elterntaxis" rollen zwischen 20 vor acht und acht Uhr vor. Gottlob ohne dass es zu kritischen Verkehrssituationen kommt. Doch der Bring-Verkehr mit Parken und Wenden sorgt für Risiken. Die Statistik belegt: 37,5 Prozent aller im Verkehr verunglückten Kinder sind Beifahrer in Pkw.

Bürgermeisterin sorgt sich

Auch das Beispiel Biebertal zeigt: Nur die Hälfte der an- und abfahrenden Mütter und Väter verhält sich tadellos. Andere stehen im Halteverbot, auf dem Gehweg, in der Bushaltestelle, in der Einfahrt zum Buswendeplatz, In vier Fällen steigen die Kinder nicht zum Gehsteig, sondern zur Straße hin aus, quasi in den laufenden Verkehr hinein.

Unterstützt werden die ACE-Mitglieder von Thomas Landgraf vom Biebertaler Ordnungsamt und Bürgermeisterin Patricia Ortmann. Denn sie sind in Sorge um den sicheren Schulweg. Zumal sich der Betrieb am Bornberg in Rodheim-Bieber noch einmal verstärken wird. In den kommenden Monaten werden weitere Klassen der Willy-Brandt-Schule vorübergehend nach Biebertal ausgelagert, bis in Gießen die Sanierung der Berufsschule in 2023 abgeschlossen ist. Das wird weiter massiven Parkdruck rund um die ehemalige Gesamtschule bedeuten.

Überall das gleiche Bild

Biebertal ist kein Einzelfall. "Die Bilder gleichen sich überall", sagt Volker Schork, der Regionalbeauftragte des ACE. Und der Kreisvorsitzende Gerd Wegel aus Frankenbach prognostiziert: "Wenn wir in den kommenden Wochen an den Grundschulen in Heuchelheim und in Lollar zählen, wird es dort kaum anders aussehen."

Wobei der ACE nicht nur zählt, sondern zugleich Lageanalysen abgibt und Verbesserungsvorschläge unterbreitet: Etwa sogenannte "Kiss&Ride-Zonen" abseits der Schulen, an denen ungefährdetes Ein- und Aussteigen möglich ist. Ob diese angenommen werden? Das ist eine Frage der Entfernung.

Dialog mit der Schule über Elterntaxis

Der ACE benennt eine Strecke von 300 bis 500 Meter als akzeptabel. Biebertals Bürgermeisterin Ortmann aber befürchtet: "Wenn ich das auf dem Rathaus-Parkplatz ausweise, dann wird es womöglich nicht genutzt". Es sind knapp 500 Meter, rund fünf bis sechs Minuten zu Fuß von der Verwaltung bis zur Grundschule. Gerne würde Ortmann sich eines Besseren belehren lassen.

ACE und das Biebertaler Rathaus sind im Dialog mit der Schule. In einem nächsten Schritt sollen die Eltern noch einmal sensibilisiert werden.

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