Mit ihrem besonderen "Swing"-Programm sollte die Eintracht aus Steinbach heute beim "Fest der Chorkulturen" in Berlin auftreten. Die Veranstaltung musste jedoch abgesagt werden. FOTO: ARCHIVBILD/PRIVAT
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Mit ihrem besonderen "Swing"-Programm sollte die Eintracht aus Steinbach heute beim "Fest der Chorkulturen" in Berlin auftreten. Die Veranstaltung musste jedoch abgesagt werden. FOTO: ARCHIVBILD/PRIVAT

SING ALONG CONCERT ONLINE

Mitsing-Projekt erstmals online

  • vonLena Karber
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Die Organisation Interkultur mit Sitz in Fernwald bietet gemeinsam mit dem Rundfunkchor Berlin ab Montag ein siebentägiges Online-Chorprojekt an, das am 10. Mai in einer virtuellen Aufführung mündet. Präsident Günter Titsch lädt alle Sängerinnen und Sänger aus dem Kreis Gießen zum Mitmachen ein.

Wenn Menschen zusammenkommen, um gemeinsam zu singen, werden Münder weit geöffnet und es fliegen auch mal Tröpfchen. "Das wäre in der aktuellen Situation natürlich nicht sehr zuträglich", sagt Günter Titsch aus Pohlheim, der Präsident der mittelhessischen Organisation Interkultur mit Sitz in Fernwald. Das bedeutet jedoch nicht, dass gemeinsames Singen, professionelle Proben und gar Konzertaufführungen in dieser Situation nicht möglich sind - es muss nur eben alles online stattfinden.

Eigentlich hatte Interkultur für Anfang Mai eine große Veranstaltung in Berlin geplant: Gemeinsam mit dem Rundfunkchor Berlin und neun ausgewählten internationalen Chören sollte anlässlich des 250. Geburstages von Beethoven das Fest der Chorkulturen stattfinden. Am heutigen 30. April, dem Vorabend des großen Konzertes in der Philharmonie, sollte zudem ein "Singen in den Mai" stattfinden, bei dem der Gesangverein Eintracht aus Steinbach Ohrwürmer der 20er und 30er Jahre präsentieren sollte. Die Eintracht-Sänger hatten rund um diese Veranstaltung gleich eine fünftägige Konzertreise organisiert, die auch einen Auftritt beim Deutschen Chorfest in Leipzig am 2. Mai beinhalten sollte.

All das kann aufgrund der Corona-Pandemie nun nicht stattfinden. Doch Interkultur hat sich gemeinsam mit dem Rundfunkchor Berlin eine Alternative überlegt: ein großes internationales Online-Mitsing-Projekt vom 4. bis zum 10. Mai.

Dazugehört eine gemeinsame Probenphase, bei der täglich 30 Minuten lang unter der Leitung von Simon Halsey, dem Ehrendirigenten des Rundfunkchores Berlin, das "Deutsche Requiem" von Johannes Brahms einstudiert wird. Für den 10. Mai ist gemeinsam mit dem Rundfunkchor Berlin eine virtuelle Abschlussbegegnung geplant, bei der sich die Teilnehmer zu Hause in Konzertkleidung filmen sollen. Dabei ist die Wahl des Stücks wohl kein Zufall, heißt doch der vierte Satz des Brahms Requiems: "Wie lieblich sind Deine Wohnungen".

Mit großen Mitsing-Projekten hat Interkultur Erfahrung. Sie fanden unter anderem bereits in Wien, Budapest, Berlin oder Barcelona statt, das nächste ist für September in Mailand geplant. In der Regel kamen dabei laut Titsch 1500 bis 2500 Menschen zusammen.

Neu ist nun, dass das Projekt online stattfindet. "Das wird sicher ein bisschen anders, aber auch einzigartig", sagt Titsch, der angesichts der professionellen technischen Ausstattung seines Vereins sowie des Rundfunkchors Berlin zuversichtlich ist. "Wir sind sicher, dass es gelingen wird", sagt er und rechnet sogar mit deutlich mehr Teilnehmern als sonst, weil keine Anreise notwendig sei. "Wir gehen davon aus, dass sich sicherlich 5000 oder 10 000 Menschen beteiligen werden- - vielleicht aber auch 50 000, denn es wird ja weltweit ausgeschrieben." Neben Eintracht Steinbach hätten sich viele weitere Chöre aus dem Kreis Gießen bereits gemeldet und gefragt, ob sie teilnehmen können, erzählt Titsch. "Es kann jeder Chor teilnehmen, und ich bin sicher, dass sich viele aus dem heimischen Raum beteiligen werden."

Gerade in dieser Zeit hat Musik eine große Bedeutung, findet er. "Singen verbindet Menschen mit den gleichen Interessen. Dabei ist es völlig egal, welche Hautfarbe sie haben, welcher Religion sie angehören oder ob sie eine Behinderung haben. Alle sind herzlich willkommen."

Angesichts der Corona-Pandemie komme jedoch noch eine weitere Funktion hinzu, die Wissenschaftler herausgestellt hätten: "Beim Singen setzt im Hirn etwas aus", sagt er. "Nämlich das Gefühl der Angst."

Das Chorprojekt findet vom 4. bis zum 10. Mai statt. Ab Montag finden täglich um 19.30 Uhr 30-minütige Chorproben statt, die über das Facebook-Event "Sing Along Concert Online" oder die YouTube-Kanäle des Rundfunkchores Berlin sowie Interkultur für alle zugänglich sind. Am Sonntag, 10. Mai, findet die virtuelle Abschlussbegegnung mit dem Rundfunkchor Berlin statt, bei dem die Teilnehmer "Ein Deutsches Requiem" von Johannes Brahms zu Hause in Konzertkleidung singen und sich dabei möglichst selbst filmen. Fotos und Videos davon sollen unter dem Hashtag #SingAlongConcertOnline geteilt werden, "um das gemeinsame Erlebnis sicht- und hörbar werden zu lassen". lkl

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