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Der gelernte Buchhalter Holger Horn (M.) und seine Frau Elke (l.) begannen 2009, über Ebay Kinderwaren zu verkaufen. Ihr Unternehmen Hobea erzielt heute einen jährlichen Umsatz im einstelligen Millionenbereich. Nun freuen sie und Marketing-Leiterin Nicola Müller sich über den German Design Award.

Linden / Hüttenberg

Region Gießen: Krabbelschuh-Familienfirma Hobea bekommt renommierten Design-Award

  • vonStefan Schaal
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Vom kleinen Online-Shop zu einem Unternehmen mit einem Umsatz im Millionenbereich – die Firma Hobea von Familie Horn ist eine Erfolgsgeschichte. Nun wurde das Unternehmen aus der Region Gießen mit dem German Design Award ausgezeichnet.

Mit einem kleinen Online-Shop für Krabbelschuhe haben Holger Horn und seine damals schwangere Frau Elke vor zwölf Jahren zu Hause in Linden angefangen, der Drucker stand im Schlafzimmer. Doch das Unternehmen wächst und wächst. Nun ist es mit dem German Design Award ausgezeichnet worden. Einmal allerdings standen die Horns wegen eines Namensstreits vor dem Aus.

German Design Award für Firma aus der Region Gießen

Wer die Horns bei der Arbeit besucht und durch die 2000 Quadratmeter großen Räume ihres Unternehmens in Rechtenbach schreitet, gerät ins Staunen. In einer Lagerhalle reiht sich Regal an Regal, Kinderschuhe, Stillkissen und Decken liegen hier in Kartons verpackt, einige mit dem Konterfei von Janoschs Tigerente und Shaun dem Schaf.

Kaum zu glauben, dass der gelernte Buchhalter Holger Horn und seine damals schwangere Frau vor zwölf Jahren in ihrer Wohnung am östlichen Rand Großen-Lindens mit ihrer Idee angefangen haben. Sie starteten zu Hause über Ebay einen kleinen Online-Shop von Krabbelschuhen, der Bürodrucker für die Bestellungen stand im Schlafzimmer.

Damals verkauften sie vier Schuhmodelle in drei Größen. »Heute sind es 3000 Varianten«, sagt Holger Horn. Die Familie beschäftigt 80 Mitarbeiter, ihre GmbH erzielt jährlich einen Umsatz im einstelligen Millionenbereich. Angefertigt werden die Baby- und Kinderwaren in einem firmeneigenen Betrieb in Bielsko-Biala im Süden Polens. Durch die Eigenproduktion könne man faire Löhne garantieren, sagt Horn. Die Herstellung der Waren in Polen habe auch mit dem niedrigeren Lohnniveau in Osteuropa zu tun, räumt er ein. »Aber wir finden hier in Deutschland auch einfach nicht genug Näher.«

Region Gießen: Online-Shop der Firma Hobea mit German Design Award ausgezeichnet

Nun ist Horns Firma Hobea vor wenigen Tagen mit einem renommierten Preis ausgezeichnet worden: dem German Design Award. Prämiert wurde der neue Online-Auftritt, der nun wesentlich klarer strukturiert ist und für den die Mitarbeiter in Hüttenberg Hunderte Fotos der Produkte geschossen haben.

»Ein Ziel war, dass wir emotionaler wirken und mehr Vertrauen wecken«, sagt Nicola Müller, die Marketing-Leiterin. Ein halbes Jahr hätten sie an der neuen Gestaltung der Seite gearbeitet. Sie hätten auf Agenturfotos verzichtet, auch die Texte auf der Seite seien selbst formuliert.

Vor zwei Jahren ist das Familienunternehmen nach Rechtenbach gezogen. »Aus Platzgründen«, sagt der 48 Jahre alte Horn. Die Büroräume neben dem Wohnhaus der Horns in Großen-Linden waren zu klein geworden. Kinderschuhe machen weiterhin das Hauptgeschäft aus, daneben verkauft Hobea inzwischen auch Hängesessel und Federwiegen für Kinder sowie Taufkleidung. Die Horns kaufen die Materialien selbst ein, das Rindsleder für die Kinderschuhe kaufen sie regelmäßig in Italien.

Firma Hobea aus Raum Gießen: Existenzbedrohende Klage

Seit Gründung der GmbH 2010 gingen die Geschäfte des Unternehmens ständig bergauf. Corona habe zu keinem Rückgang des Umsatzes geführt, berichtet Horn. Einmal allerdings, im Jahr 2014, geriet die Existenz ernsthaft in Gefahr. Ein Spielwarenhersteller mit ähnlichem Namen verklagte das damals noch in Linden ansässige Unternehmen, das zu dem Zeitpunkt noch Heba hieß. »Wir haben das Unternehmen nach den Anfangsbuchstaben der Familienmitglieder benannt«, sagt Holger Horn, dessen Frau Elke und die Töchter Beatrice und Amelie heißen. »Der Rechtsstreit hat darin geendet, dass wir den Namen ändern mussten.«

Das sei aufwendig gewesen, berichtet Horn. »Wir mussten die Labels auf unseren Produkten und den Verpackungen ändern.« Für ein Unternehmen, das sich gerade erst einen Namen machte, »hätte das der Tod sein können«.

Die Niederlage vor Gericht und die Änderung des Firmennamens habe man aber längst überstanden, sagt Horn. Und nun feiere man den German Design Award. Von der Auszeichnung hätten sie »auf relativ unspektakuläre Weise per E-Mail erfahren«, berichtet Müller, die Marketing-Leiterin. Dann erzählt sie lachend von der Feier: »Wir haben einen roten Teppich ausgerollt und Krönchen auf dem Kopf getragen.«

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