pax_40hermann_240121_4c_3
+
»Oma lässt grüßen«: Mit Lesestoff und Musik per Videofilm aus dem Stoffladen vom Kirchberg umrahmen Peter und Jacqueline Herrmann die sonntäglichen Kaffeestunden.

Mit Naschwerk und leichter Muse

  • Gabriele Krämer
    vonGabriele Krämer
    schließen

Sie lassen sich nicht unterkriegen: Ihr Stoffladen ist im Lockdown dicht, sein Kalender wird von gähnender Leere beherrscht. Dennoch wird es für den kulturbeflissenen »Herrn Petermann und seine Frau« auf dem Kirchberg bei Lollar auch während der nächsten Wochenenden wenig Mangel an Arbeit geben - Jacqueline und Peter Herrmann backen, lesen und musizieren wider den Corona-Blues.

Die Herrmanns hat es in dieser Krisenzeit doppelt getroffen. Der Musiker hat seit Beginn der Pandemie so gut wie keine Auftritte mehr, das Ladengeschäft seiner Ehefrau ist seit Mitte Dezember geschlossen, auch Nähkurse können vorläufig nicht angeboten werden. Was bislang eher die lukullische Abrundung des Angebots von »Hilde braucht Stoff« war, ist nun eine der wenigen verbliebenen Einnahmequellen für Inhaberin Jacqueline Herrmann: Ihr Hofcafé auf dem Kirchberg ist zwar bis auf Weiteres »dank« Pandemie geschlossen, aber auf süße Köstlichkeiten zur sonntäglichen Kaffeestunde muss die Kundschaft keineswegs verzichten.

»Sicher haben wir auch mal den Corona-Blues«, so Jacqueline Herrmann ernst. Und fügt lächelnd hinzu: »Da hilft nur aufstehen, Krönchen richten und weitermachen.«

Seit nunmehr drei Wochen gibt es sonntags zwischen 15 und 16 Uhr »Kuchen to go« aus dem hofeigenen Backofen. Neben »Hildes Nussecken«, die bereits als Klassiker im Sortiment gelten und kurioserweise aus Mandeln bestehen, gesellen sich jeweils zwei weitere Backwerke: Am kommenden Sonntag etwa sollen ein Karottenkuchen mit Frischkäsefüllung und ein Aprikosen-Mandelkuchen kredenzt werden. Der besseren Planung wegen sollte man die »Stückware« bis Samstagabend über die Homepage vorbestellen, dann kann in der Herrmann’schen Hofbäckerei auch am folgenden Vormittag noch gerührt und geknetet werden - bedarfsgerecht eben.

Lektüre zum Kuchen

Wenn die Kunden dann nachmittags die süße Ware in eigene Behältnisse verpackt und nach Hause bugsiert haben, können sie es sich dort vor einem Bildschirm bequem machen. Als »Herr Petermann und seine Frau« präsentieren die Herrmanns jeden Sonntag via www.hilde-braucht-stoff.de ein neues Kapitel aus »Oma lässt grüßen«, dem Roman-Bestseller des Schweden Fredrik Backman. Mit Querflöte und Bass servieren die musikalischen Eheleute den Zuschauern einen passenden akustischen Ausklang - neue Folgen gehen sonntagmorgens online.

»Das Schlimmste ist, wenn mich die Ohnmacht überkommt«, sagt Jacqueline Herrmann. Dann müsse sie sich schnell etwas einfallen lassen, »um das Gefühl zu haben, dass es irgendwie weitergeht«.

Eben erst hat sie sich einen Geschenke-Service ausgedacht - man kann in ihrem Onlineshop hübsche Dinge kaufen, eine Postkarte der »Gießener Schnipselkünstlerinnen« dazupacken und ein paar Zeilen für die Beschenkten verfassen. Die Ladenbesitzerin packt alles ein, schreibt im Namen der Auftraggeber die Postkarte und verschickt das Ganze.

Wie aber bringt man nun Stoffe der unterschiedlichsten Art an den Mann und an die Frau? Um eine Idee ist die Ladeninhaberin nicht verlegen: Online-Beratung ist das Gebot der Stunde. So können Interessierte in Kürze via Instagram, Facebook und YouTube detailgenau über das Angebot informiert werden. Herrmann: »Ich stelle Stoffe vor und erzähle was darüber. Das ›Live-Shopping‹ wird mein Winterschlussverkauf.« Das schafft Platz für neue Stoffe - wenn Kunden demnächst wieder direkt vor Ort shoppen dürfen. Es wird nicht langweilig im Lädchen auf dem Kirchberg.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare