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Der Landkreis Gießen hat sich eingehend mit wirtschaftlichen, arbeitsmarktpolitischen, gesellschaftlichen und demografischen Rahmenbedingungen für Integration befasst.

»Migranten Teilhabe ermöglichen«

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Gießen (pm). Wie gut und wie passend sind Beratungs- und Unterstützungsangebote für zugewanderte Menschen? Dies ist eine der Fragen, der der Abschlussbericht der Fachkommission der Bundesregierung zu den Rahmenbedingungen der Integrationsfähigkeit nachgeht. Landrätin Anita Schneider gehörte der Kommission gut zwei Jahre lang als Vertreterin der kommunalen Ebene an.

Das 22-köpfige Gremium mit Vertretern aus Wissenschaft und Politik hat den Abschlussbericht seiner Arbeit vor wenigen Wochen an Bundeskanzlerin Angela Merkel übergeben. Er enthält eine Bestandsaufnahme der wirtschaftlichen, arbeitsmarktpolitischen, gesellschaftlichen und demografischen Rahmenbedingungen für Integration sowie Impulse und Empfehlungen, wie diese weiterentwickelt werden können. Der Bericht war ein Auftrag aus dem Koalitionsvertrag des Bundes.

Die Fachkommission einigte sich im Vorfeld auf ein neues Integrationsverständnis: Integration bedeutet demnach die chancengerechte Teilhabe und Teilnahme an allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens - ohne dass dabei der Fokus allein auf Migration und Einwanderung liegt.

»Zwei Drittel der Menschen mit einer Einwanderungsgeschichte leben seit mehr als zehn Jahren in Deutschland«, erklärt Landrätin Schneider. Die größte Gruppe komme aus anderen EU-Mitgliedsstaaten, nur knapp ein Drittel über Asyl, der kleinste Teil über das Einwanderungsgesetz. »Diesen Menschen Teilhabe zu ermöglichen, bleibt ein stetiger politischer Prozess auf Grundlage unserer Verfassung.«

Landrätin Schneider trug mit Erfahrungen aus der praktischen Arbeit auf kommunaler Ebene zum Bericht bei - unter anderem mit Beiträgen zu sozialen Hilfen und sozialem Wohnungsbau als Bestandteil kommunaler Daseinsvorsorge. Ein weit gefasstes Integrationsverständnis führe auch zu Veränderungen in der Beratungs- und Angebotsstruktur vor Ort, sagt Schneider: »Unterstützung kann nur gelingen, wenn alle Menschen - unabhängig von einer Migrationsgeschichte - die entsprechenden Angebote kennen und Zugang haben.« Die Fachkommission Integrationsfähigkeit empfiehlt mehr dezentrale Angebote. Wo immer möglich, soll mit Blick auf die Zielgruppen kein Unterschied gemacht werden, ob ein Migrationshintergrund vorhanden ist oder nicht.

Der Landkreis Gießen hat diese Empfehlung mit den Wohlfahrtsverbänden vor Ort erörtert, die entsprechende Beratungs- und Unterstützungsangebote machen. »Es ist schön, dass ein von der EU gefördertes Forschungsprojekt eine Chance zur Weiterentwicklung des vereinbarten Status quo bietet«, erklärt Landrätin Schneider. Dazu hat die Universität Hildesheim im Auftrag des Landkreises einen Förderantrag gestellt. Ein wissenschaftliches Team möchte im Rahmen des EU-Projekts AMIF-2020-AG-Call (Asylum, Migration and Integration Fund) die Arbeit aufnehmen. Weitere Projektpartner sind Südtirol, Katalonien und Vorarlberg. Die Universität hat einen Förderantrag gestellt, mit dem Ergebnis wird im Juli gerechnet.

Der vollständige Bericht, die von der Kommission in Auftrag gegebenen Expertisen und Statements der Kommissionsmitglieder sind im Internet verfügbar unter www.fachkommission-integrationsfähigkeit.de .

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