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STIMMEN ZUR BÜRGERMEISTERWAHL IN LAUBACH

Meyer und Ruppel im Stechen

  • Alexander Geck
    vonAlexander Geck
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Angesichts des Kandidaten- tableaus zu erwarten: Die Bürgermeisterwahl in Laubach am Nikolaustag hat keine Entscheidung gebracht. Die fällt nun in der Stichwahl in zwei Wochen zwischen Björn Erik Ruppel und Matthias Meyer.

Bürgermeisterwahl Laubach: Unten die Kandidaten Meyer, Kempff und Ruppel (v. l.), eingerahmt von Szenen aus den Wahllokalen Lauter und Laubach. FOTOS: GECK/TB

Niklaus ist ein guter Mann", heißt es so schön in einem Kinderlied. Da muss was dran sein, könnten sich gestern Abend, so gegen 20.45 Uhr, zwei der drei Bewerber um die Nachfolge von Laubachs Bürgermeister Peter Klug gedacht haben. Zu diesem Zeitpunkt nämlich stand fest: Der unabhängige Kandidat Matthias Meyer, unterstützt von Grünen und SPD, sowie Björn Erik Ruppel (CDU) haben mit 46 bzw. 43,7 Prozent die erste Hürde genommen, sind fürs Stechen in zwei Wochen qualifiziert.

Anders dürfte das Urteil von Florian Kempff ausgefallen sein. Für den 52-Jährigen hatte der "gute Mann" nur 10,3 Prozent in den Stiefel gelegt. Der FDP-Politiker, der ebenfalls als Unabhängiger antrat, ist aus dem Rennen. Dass man wegen der vielen Briefwähler - rund 1800 an der Zahl und gewiss coronabedingt - länger aufs Endergebnis werde warten müssen, war klar. Doch anderthalb Stunden länger als vor sechs Jahren, das hatte wohl keiner auf dem Schirm. Eine Geduldsprobe vor allem für die Finalisten. Zumal vor Auszählung des letzten Briefwahlbezirks kurz nach 20 Uhr Meyer mit 47,17 Prozent jeweils drei Punkte vor Ruppel und unter den siegbringenden 50 lag. Gut eine halbe Stunde später sickerten endlich Zahlen aus dem zweiten und letzten Briefwahlbezirk durch: Ruppel lag hier mit 46 Prozent gut fünf Punkte vorn, verringerte den Rückstand auf 100 Stimmen.

Lauter hatte diesmal die Nase vorn, meldete um 18.20 Uhr als erster die Zahlen und auch gleich ein Spitzenergebnis für Meyer: 51,4 Prozent. Der übersprang kurz darauf auch in den Wahlbezirken Laubach-Rathaus, Röthges und Freienseen die 50 Prozent - was die Nervosität beim CDU-Mann weiter gesteigert haben dürfte. Am Ende aber, als Ergebnisse aus Wetterfeld und den beiden anderen Kernstadt-Bezirken eingingen, wurde eine Stichwahl immer wahrscheinlicher. Letzte Gewissheit aber sollten erst die Briefwahlbezirke bringen. Und so verharrte die Spannung im großen Rathaussaal, pandemiebedingt für die Öffentlichkeit tabu, auf hohem Niveau. Schade nur, dass die Masken den Gemütszustand der Protagonisten und ihrer Anhänger verbargen.

"Die positive Grundstimmung hat sich bestätigt, ein erstes Ziel ist erreicht", meinte am Ende Meyer. Und gab sich mit Blick auf die Stichwahl optimistisch, nicht zuletzt, da ihm Kempff seine Unterstützung versichert habe.

Bei drei Kandidaten, so Ruppel, sei eine Stichwahl zu erwarten gewesen. Etwas enttäuscht habe ihn das Ergebnis in seinem alten Heimatort Münster. Dass beide Finalisten dicht beieinander lägen, das Rennen weiter offen sei, fügte er an. Ihn freut vor allem eines: "Nach sechs Monaten Wahlkampf kann ich noch jedem und ich mir selbst im Spiegel in die Augen sehen."

Zufrieden zeigte sich auch Kempff, da er das Ziel "zweistelliges Ergebnis" erreicht habe. Und das bei seinem geringen Budget, gerade im Vergleich zu Ruppel. Er erwäge nun eine Gesetzesinitiative, um für Transparenz bei Wahlkampfspenden zu sorgen.

Siegbert Maikranz (CDU):"Wir haben schon etwas mehr erwartet. Ich hatte auch mit einer deutlich höheren Wahlbeteiligung gerechnet. Es gilt nun, in den nächsten 14 Tagen unsere Leute zu mobilisieren. Unser Wahlkampf-Team hat sehr harmonisch zusammengearbeitet."

Michael Köhler (Grüne):"Das Ergebnis ist sehr zufriedenstellend. Ich freue mich sehr. Wir gehen motiviert in die nächsten 14 Tage. Laubach hat jetzt schon gewonnen. Matthias Meyer hat so gut abgeschnitten, weil er einen sehr authentischen Auftritt hat. Und das, obwohl die Zeit für den Wahlkampf sehr kurz war. Aber er hat auch schon vorher gezeigt, dass er Leute zusammenführen kann. Auch wenn er sich in einigen Punkten von seinen Unterstützerparteien unterscheidet: Seinen Stil des Miteinanders hat er überzeugend vermittelt."

Dr. Ulf Häbel (Freie Wähler):"Ich habe ein solches Ergebnis erwartet. Dass gleich im ersten Wahlgang einer der Kandidaten über 50 Prozent gekommen wäre, hätte mich sehr gewundert. Der künftige Bürgermeister kann jedenfalls jetzt schon wissen, dass er von uns in seiner Amtsführung unterstützt und gestärkt wird. Ich wünsche mir, dass die Atmosphäre in den politischen Gremien wieder mehr von Vertrauen geprägt wird. Mehr von Toleranz, als von Fanatismus."

Hartmut Roeschen (SPD):"Der Ausgang der Wahl ist für mich keine Überraschung. Das ist ein tolles Ergebnis für Matthias Meyer. Es freut mich, dass er als bisher Außenstehender so einen Erfolg errungen hat. Und das in nur drei Monaten. Ich möchte betonen, dass auch Florian Kempff einen sehr engagierten Wahlkampf geführt hat. Ein großes Lob deshalb meinerseits. Jetzt geht es jedenfalls nochmal richtig los. Richtig warmgelaufen haben wir uns ja."

Wolfgang Mersmann (FDP):"Die geringe Wahlbeteiligung tut mir weh. Florian Kempff hatte leider nicht die übliche Pressearbeit machen können. Die ausgefallene Podiumsdiskussion hat ihm jedenfalls sehr gefehlt, um sich den Laubachern besser präsentieren zu können. Ich denke, Björn Erik Ruppel hat im zweiten Wahlgang die besseren Chancen." age

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