Merz, Laschet oder Röttgen?

  • Rüdiger Soßdorf
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Gießen (so). Friedrich Merz? Armin Laschet? Oder doch Norbert Röttgen? Schon bald ist die Republik schlauer, wer die Christdemokraten im Land in die Zukunft führen soll. Das Rennen gilt als offen. Unter den 1001 Delegierten beim digitalen Parteitag am gestrigen Abend sowie am heutigen Samstag sind fünf Vertreter aus dem CDU-Kreisverband Gießen. Die politischen Schwergewichte Volker Bouffier und Helge Braun, dazu der aus Buseck stammende Europaabgeordnete Sven Simon, die Hungenerin Christel Gontrum und Lucas Schmitz, wie Simon aus Buseck. Wem geben sie ihre Stimmen?

Volker Bouffier hatte am Dienstag alle 88 hessischen Delegierten zur Videokonferenz gebeten und sich für den NRW-Ministerpräsidenten Laschet als Nachfolger der glücklosen Annegret-Kramp-Karrenbauer ausgesprochen. Bouffier hat mit seiner Positionierung die partei-interne Diskussion befeuert. Aus Unionskreisen wurde im Nachgang zur dreistündigen Delegierten-Konferenz von sehr unterschiedlichen Auffassungen berichtet.

Helge Braun war da in den vergangenen Tagen zurückhaltender. »Ich habe eine sehr klare Präferenz dafür, dass wir jemand mit Regierungserfahrung brauchen«, wird der Kanzleramtsminister im Hessischen Rundfunk zitiert. »Den Rest entscheide ich auf dem Parteitag.« Das spricht jedenfalls nicht für Merz.

Den könnte sich derweil Christel Gontrum als Parteichef vorstellen. Oder eben Laschet. Die Bezirksvorsitzende der Landfrauen will ihre Entscheidung erst am heutigen Samstag treffen: »Dann, wenn ich sehe, wie sich die Kandidaten direkt vor der Entscheidung präsentieren.« Klar ist für sie nur: »Der Röttgen kommt für mich nicht infrage!« Dafür hat Christel Gontrum schon klare Vorstellungen, wer Kanzlerkandidat werden könnte: Da wünscht sie sich, losgelöst vom Parteivorsitz, den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU): »Weil der einen klaren Kurs hält.«

Auch der 26-jährige Lucas Schmitz, zum ersten Mal als Delegierter dabei, ist sich noch nicht so ganz sicher: »Ich werde denjenigen wählen, der mir Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit gibt«, sagt der junge Mann. Zum einen, wie man mit den Folgen der Corona-Pandemie klarkommen will. Also wie Arbeitsplätze gesichert werden und wie die Wirtschaft wieder in Gang gebracht wird.

Zum anderen ist für Schmitz Klimaschutz von Bedeutung. Wie die Klimaschutzziele zu erreichen und einzuhalten sind, werde für die CDU zentrale Aufgabe sein. Die Verantwortung müsse die CDU annehmen, sagt der Busecker. Und zum dritten treibt den 26-Jährigen die Rentenfrage um: Wie wird das Sozialsystem in 2035 aussehen? Was dem stellvertretenden Landesvorsitzenden der Jungen Union darüber hinaus wichtig ist, das sind Ideen und Impulse, wie die Union als Volkspartei weiterhin junge Menschen erreichen und einbinden kann.

Heute um 9.30 Uhr beginnt der zweite Tag des Parteitags mit der Vorstellung und den Reden der drei Kandidaten sowie einer folgenden Aussprache. Geplant ist ein Ende gegen 15 Uhr. Die Abstimmung läuft mit einem Onlinevoting und muss danach rechtssicher per Briefwahl nachvollzogen werden. Damit technisch alles klappt, wurde das mit den Delegierten in den vergangenen Tagen schon einmal geprobt.

Wer’s live verfolgen will: Phoenix überträgt es im TV.

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