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Menschen zusammenbringen

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Von: Christina Jung

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Meredith Wicklund ist eine von mehreren Mitarbeitern, die im Landkreis die Gemeinwesenarbeit koordinieren. Die 32-Jährige ist für Fernwald, Lich und Biebertal zuständig. © Tina Jung

Sie ist 32 Jahre alt und kommt aus Minnesota. Seit zwei Jahren kümmert sie sich in drei Kreiskommunen um Belange des Gemeinwesens. Meredith Wicklund hat viele Aufgaben, aber immer sind diese Hilfe für andere.

Weiße Wände, Mobiliar aus hellem Holz, ein großer, aufgeräumter Schreibtisch. Meredith Wicklund sitzt in einem Büro im Erdgeschoss des Fernwalder Rathauses und tippt auf der Tastatur ihres Laptops. Sie sucht nach der Einladung für das neue »CaféDigital«, das in Kürze an den Start geht. Gemeinsam mit Jugendpflegerin Laura Jäger hat die 32-Jährige das Projekt in Fernwald initiiert. Denn sie ist dort im Auftrag der ZAUG GmbH (Zentrum für Arbeit und Umwelt) als Koordinatorin für Gemeinwesenarbeit tätig, ebenso wie in Lich und Biebertal.

Wicklund ist lokale Anlaufstelle für einzelne Personen, Vereine und Ehrenamtsgruppen und arbeitet in dieser Funktion bereits seit gut zwei Jahren. Allerdings gibt es nach wie vor Menschen, die nichts von ihrer Existenz wissen. Ein Grund dafür ist vielleicht die abstrakte Beschreibung ihrer Tätigkeit. Denn Ziel der Gemeinwesenarbeit ist es, die Leb ensbedingungen vor Ort nachhaltig zu verbessern. Aber wie? »Indem wir versuchen, Menschen zusammenzubringen«, sagt Wicklund, »Kontakte herzustellen, Personen zu vernetzen und Ressourcen zu bündeln.« Gemeinsam mit den lokalen Akteuren und unter Berücksichtigung der bestehenden Strukturen.

Die Gemeinwesenarbeit umfasst die Förderung und Unterstützung von ehrenamtlichen Engagement, von Integration und nachbarschaftlichem Zusammenleben, von Teilhabe und politischer Partizipation, von Toleranz, Kommunikation und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Aber auch ganz konkrete Hilfestellungen gehören dazu, beispielsweise bei Behördengängen, dem Ausfüllen von Formularen oder der Suche nach einem Job.

Ein konkretes Beispiel ist die Einrichtung des »CaféDigital«. Hier helfen künftig ehrenamtliche Di@-Lotsen älteren Menschen beim Umgang mit Smartphone, Tablet oder Laptop. Hier soll es bei Bedarf Vorträge und Seminare zu digitalen Themen geben. Die Information über das Projekt der Landesregierung »Digital im Alter - Di@-Lotsen« flatterte Wicklund eigentlich während ihrer Arbeitszeit in Lich auf den Tisch. Doch in der Nachbarkommune gibt es die Kreisvolkshochschule und damit ein umfassendes Angebot für Senioren im digitalen Bereich. Im Gegensatz zu Fernwald, wo Wicklund nach Rücksprache mit dem Seniorenbeirat gemeinsam mit der für Jugend- und Seniorenarbeit tätigen Laura Jäger das neue Angebot initiierte.

Aber es gibt noch andere Themen in Fernwald, die Jugendbeteiligung etwa oder die Unterstützung von Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund. Ebenso in Lich und Biebertal. Die Bedürfnisse seien in den Kommunen ähnlich, sagt Wicklund, aber aufgrund anderer Ressourcen und Strukturen unterscheide sich die Umsetzung. Während sich Wicklund in Lich vorgenommen hat, junge Ehrenamtliche für die Flüchtlingshilfe zu akquirieren, muss der Ehrenamtskreis in Biebertal komplett neu aufgebaut werden, sagt sie. »Das sind zwei meiner Ziele für dieses Jahr.«

Wichtig ist der gebürtigen US-Amerikanerin bei ihrer Arbeit, sie an den Bedürfnissen und Wünschen der Menschen vor Ort auszurichten. »Alle sind eingeladen, sich mit Ideen einzubringen, Fragen zu stellen, Probleme zu schildern oder sich Rat zu holen«, so Wicklund.

Als vielfältig und spannend beschreibt die Koordinatorin für Gemeinwesenarbeit ihren Job, den sie vor gut zwei Jahren als neue Herausforderung sah. Bis dato hatte sie nach dem Studium an der Universität von Minnesota (Global Studies und Spanisch) sowie einem Deutschlandaufenthalt als Au-pair überwiegend Sprachunterricht gegeben, ebenso nach ihrem Soziologiestudium in Deutschland. Doch das sei eigentlich nie ihr Ziel gewesen, es habe sich immer so ergeben, sagt Wicklund. In ihrem jetzigen Job fühlt sie sich angekommen. Die Abwechslung und der Kontakt mit den Menschen motiviert sie. Bis Juni 2025 ist Wicklund noch für die ZAUG tätig, dann wird man sehen, wie es mit der Gemeinwesenarbeit im Landkreis Gießen weitergeht.

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