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Infektionsschutz - die Coronakrise bringt gerade für Feuerwehren erhöhte Anforderungen mit sich. SYMBOLFOTO: FP

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Feuerwehr und Corona: Menschen retten - mit Abstand!?

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In der Coronakrise sieht sich auch die Feuerwehr neuen Herausforderungen gegenüber. Beim Einsatz, gerade wenn es um Menschenrettung geht, ist Abstandhalten nicht drin. Welche Maßnahmen zum Schutz vor Ansteckung wurden im Kreis getroffen, haben sie sich bewährt? Nachfragt bei Kreisbrandinspektor Mario Binsch.

Zu einem Einsatz, der die von Covid-19 verursachte Gefahrenlage veranschaulicht, kam es erst jüngst in einer Ostkreisgemeinde. Die Feuerwehr wurde hinzugezogen, um eine hilflose Person durch ein enges Treppenhaus zu bugsieren. Anderthalb Meter Abstand halten - kaum möglich. Gemäß "Pandemiekonzept" übernahmen das Kameraden aus der Nachbarstadt, die mit spezieller Schutzausrüstung ausgestattet ist.

Auch beruhigend: Für den Fall, dass eine Feuerwehr von Quarantänemaßnahmen betroffen sein sollte, sind gemäß dem Konzept Vorkehrungen getroffen worden, auf dass die Hilfsfrist von zehn Minuten doch eingehalten wird

Nur zwei Beispiele dafür, wie sich die Helfer auf die Gefahren durch das neuartige Virus einstellen. Ein Thema nicht zuletzt für die Gemeindeunfallversicherung. Auf deren Merkblätter mit Schutzmaßnahmen verweist zunächst auch Gießens Kreisbrandinspektor (KBI) Mario Binsch. Die ständig aktualisierten Infoblätter leite man umgehend an die Feuerwehren weiter.

Neben den allgemeinen Hygiene- und Abstandsregeln geht es darin um die gebotene Verringerung der Fahrzeugbesatzungen oder die korrekte Dekontamination von Atemschutzmasken.

Damit aber ließen es die Verantwortlichen auf Kreisebene nicht bewenden. Seit Mitte März wurden so gemeinsam mit den Leitern der Feuerwehren eine Vielzahl von Schutzmaßnahmen ergriffen. Besprechungen etwa erfolgen seither als Telefon- oder Videokonferenz. Meldete ein Wehr Bedarf an, wurde sie mit Infektions-Schutzausrüstung (FFP2-Masken, Handschuhe et cetera) versorgt. Weiter: Das Voraushelfersystem, Doppelmitgliedschaften in Feuerwehr, Katastrophenschutz oder Rettungsdienst wie auch die Belastungsübungen in der Atemschutzübungsanlage (2019er Nachweis wirkt fort) wurden eingestellt.

Die Vereinbarungen betrafen ferner den sparsamen Personaleinsatz: Bei weniger relevanten Einsatzstichworten, etwa "brennt Wiese", bleiben die Nachrücker nun erstmal im Feuerwehrhaus, werden nur bei Bedarf an Verstärkung angefordert. Ein letztes Beispiel: Der Unterricht vor Ort findet meist als Videokonferenz statt. All dies dient dem Infektionsschutz - aber auch der Einsparung von Schutzkleidung.

Um auf das Beispiel der Rettung einer hilflosen Person zurückzukommen: Welche Feuerwehr wo Tragehilfe zu leisten hat, das steht in der Alarm- und Ausrückeordnung (AAO). Wird diese Hilfe benötigt oder vom Rettungsdienst angefordert, ist bei der Leitstelle entsprechende Alarmierung zu veranlassen.

Gemäß AAO werden danach die Kräfte angefordert: So ist die FFW Biebertal auch zuständig für Wettenberg und Heuchelheim, Staufenberg auch für Lollar und Allendorf (Lumda), Buseck für Rabenau und Reiskirchen, Laubach für Grünberg, Lich für Fernwald und Hungen sowie Linden auch für Pohlheim und Langgöns.

Weitere Beispiele für eine gerade jetzt gebotene Arbeitsteilung sind Transportleistungen für Schutzkleidung, Krankenhausbetten oder Desinfektionsmaterial. Koordiniert wird all dies von der Brandschutzbehörde beim Landkreis. "Wir orientieren uns am Ausrüstungs- und Ausbildungsstand", beantwortet Binsch die Frage nach den Auswahlkriterien. Mithin daran, an welche "Adresse" der Kreis finanzielle Förderungen zur Fahrzeugbeschaffung gegeben hat.

Nunmehr schon zwei Monate währt die Ausnahmesituation. Konnte trotz verschärfter Vorgaben die Einsatzbereitschaft und -fähigkeit gewährleistet werden? Für Binsch besteht kein Zweifel: "Feuerwehren, Rettungsdienst und die Katastrophenschutzeinheiten haben ihre hoheitlichen Aufgaben alle absolviert."

Dabei kommt auch den Feuerwehren zugute, dass sie deutlich weniger ausrücken mussten. In "normalen Zeiten" erfolgen rund 75 Prozent der Einsätze unter der Woche und tagsüber. Zuletzt aber waren eben viele Menschen zu Hause. Deutliche Rückgänge bei Verkehrsunfällen, Arbeitsverletzungen, technischen Unfällen in Betrieben sowie gar keine Schulunfälle waren das Ergebnis. "Die Rettungsdiensteinsätze gingen zwischen 15 bis 20 Prozent, die Feuerwehreinsätze sogar um circa 50 Prozent zurück", bilanziert KBI Binsch. Wenn auch ungewollt, einer der wenigen positiven Effekte von Covid-19.

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