+
30 bis 40 Wochenenden sind Tina Gorschlüter und Reinhard Schade im Jahr unterwegs, um für die gute Sache zu werben.

"Die meisten Spender kommen aus der Region"

  • schließen

Seit 25 Jahren verlost die Lebenhilfe Gießen Oldtimer. Im vergangenen Jahr wurden so 1,25 Millionen Euro zugunsten der Arbeit mit behinderten Menschen generiert. Der Vater der Erfolgsgeschichte ist Reinhard Schade. Der 63-Jährige ist in der Oldtimer-Szene vernetzt wie kaum ein anderer.

Treffpunkt für die kleine Ausfahrt ist eine unscheinbare Lagerhalle im Osten von Gießen. Reinhard Schade, der Mann mit dem charakteristischen Lockenkopf, steigt aus einem roten MX 5 und besteht darauf: "Heute nehmen wir den Bentley". Denn der grüne Wagen ist sozusagen das automobile Gesicht der diesjährigen Spendenaktion. Wie die meisten Raritäten, die zugunsten der Arbeit der Lebenshilfe verlost werden, hat der Wagen eine ganz besondere Geschichte.

Herr Schade, erzählen Sie, was steckt hinter dem grünen Bentley?

Reinhard Schade:Der Bentley ist was ganz Besonderes. In dieser Ausführung gibt es nur zwei Exemplare: Mit langem Radstand, Chauffeursplatz und Trennscheibe und in Wagenfarbe lackiertem Grill. Auf Wunsch des ersten Besitzers in Grün. Der Farbton heißt "Waldkiefer". Rolls Royce hat etliche Silver Shadow Modelle so gebaut - aber Bentleys gibt es nur ein paar.

Von wem kommt das Auto?

Schade:Ursprünglich gehörte es dem Unternehmer Underberg. Der hat den Bentley so geordert. Wir haben ihn vom letzten Eigentümer in Frankfurt zur Verfügung gestellt bekommen. Verabredet waren wir eigentlich mit dessen Nachbarn, Andreas Rübenach und Bernd Geffers, um einen Jaguar anzuschauen. Der Mann kam dann rüber und bat uns auf seinen Hof. Als er dann die Garage öffnete: Wow! - Und schnurrt der Achtzylinder nicht prächtig?

Wer verschenkt denn so was? Warum trennt man sich von einem solchen Schätzchen?

Schade:Sie werden es kaum glauben. Aber die Autos und Mopeds werden uns immer gespendet. Jedes Auto hat eine andere Geschichte, warum es zu uns findet. Der eine hat vielleicht fünf Oldtimer und fünf Garagen. Wenn dann der sechste dazukommt, muss einer weg. Oder der Eigentümer ist gestorben und wir bekommen die Wagen aus einem Nachlass. Oder jemand will schlicht einmal was Gutes tun. Manche spenden uns Geld, dass wir einen Oldtimer kaufen können. Wieder andere wollen sich auf elegante Art und Weise von ihrem Wagen trennen und wollen sich dabei aber nicht mit feilschenden Käufern herumschlagen.

Wie hat das eigentlich alles angefangen?

Schade:Mit einem Feuerwehrauto, einem Opel Blitz Mannschaftstransporter, den die Gemeinde Rabenau zur Verfügung gestellt hat. Eigentlich suchten wir damals, 1994, einen VW-Bus, um für unsere Arbeit bei der Lebenshilfe Menschen zu befördern. Der Opel Blitz brachte stolze 5500 D-Mark. Im vergangenen Jahr, bei der mittlerweile 24. Spendenaktion, wurden mit sieben Autos und einem Moped 1,25 Millionen Euro zugunsten der Lebenshilfe Gießen eingespielt.

Sie sind bundesweit auf Veranstaltungen, um für die gute Sache zu werben.

Schade:Richtig. Auf Messen, Oldtimer-Rallyes, Ausfahrten, im PS-Speicher, bei Clubtreffen. Die meisten Spender aber kommen nach wie vor aus dem heimischen Raum. Die Menschen sind der Lebenshilfe sehr verbunden und wissen deren Arbeit zu schätzen. Das große Ziel ist: Kein Mensch soll seine Heimat in Gießen verlassen müssen, bloß weil er eine Behinderung hat.

Wie oft sind Sie unterwegs?

Schade:Oh, das sind wohl 30 bis 40 Wochenenden im Jahr, die meine Kollegin Tina Gorschlüter und ich auf Tour sind, um für die gute Sache zu werben. Aber es macht Spaß, und man knüpft irre viele Kontakte. Ein Zeitungsredakteur hat zu uns mal gesagt: Sie sind die bestvernetzten Leute in der ganzen Szene. Clubs, Hersteller, Werkstätten, Versicherer, Teilelieferanten - uns kennen einfach alle. Das hilft uns beim Spendensammeln sehr. Deshalb werden ja auch immer wieder Wagen von Clubs gespendet wie der Mercedes-Benz-IG oder dem 107er Club. Auch Opel, Mercedes, VW und BMW haben schon Autos zur Verfügung gestellt.

Wie viele Autos haben Sie im letzten Vierteljahrhundert verlost?

Schade:In den vergangenen 25 Jahren waren es wohl 180 Fahrzeuge; zumeist Autos und etliche Zweiräder. Aber es sind nicht nur Clubs oder Hersteller. Dazu kommen ganz viele Einzelspender: Wie etwa die Unternehmer Guido Hommel (ClimAir, Karben) oder Frank Rückriegel ("Druck-Riegel") aus Frankfurt. Nicht zu vergessen unsere Promis: Urban Priol hat schon etliche Wagen beigesteuert, Günter Jauch in diesem Jahr zum zweiten Mal. Nach einem Käfer nun den Hauptgewinn: einen Mercedes 180.

Wie muss man sich das ganz praktisch vorstellen? Ruft da jemand an und sagt: Hört mal, ich hätte da was für Euch?

Schade:Nicht selten funktioniert es einfach so. Die Wagen gehen dann zum Gutachter Bernd Gerich in Gießen. Der erstellt die Wertgutachten. Und auf dieser Grundlage erhalten die Spender eine Spendenquittung.

Apropos Spende: Stimmt es, dass der "Tarif" immer gleich geblieben ist?

Schade:Ja. Früher hat ein Los 10 Mark gekostet, heute sind es 5 Euro. Wer mehr geben will, der ist herzlich dazu eingeladen. Auch jeder noch so kleine Betrag hilft.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare