Blick dieser Tage in ein Flugzeug: Abstand halten ist Schnee von gestern.
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Blick dieser Tage in ein Flugzeug: Abstand halten ist Schnee von gestern.

Covid 19

Meinung: Wer auf die Maske verzichtet, outet sich als Egoist

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
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Im Landkreis Gießen gibt es sehr viele Menschen, die sich an die Corona-Vorschriften halten. Einige scheinen aber die Krise für beendet zu halten.

Es scheint, als habe man irgendwo eine Pressekonferenz der Bundeskanzlerin verpasst, in welcher der Satz "Es ist Sommer, darum erklären wir die Corona-Pandemie für beendet" gefallen ist. Oder warum werden derzeit immer mehr Corona-Schutzverordnung in voreiligem Ungehorsam ignoriert?

Drei Beispiele dafür - alle real so beobachtet: Obwohl an der Theke einer Eisdiele im Landkreis (auf die Ortsnennung verzichten wir, wir wollen die angeschlagene Gastronomie nicht weiter in Bedrängnis bringen) deutlich ein Schild hängt, dass nur mit Maske bestellt werden darf, trägt in der Warteschlange davor kaum jemand eine solche.

Beispiel 2: In einem Zug warten die Reisenden darauf, am Bahnhof auszusteigen. Eine ältere blonde Frau dreht sich zu dem Mann hinter ihr um - vermutlich ein Flüchtling, der jedoch korrekt Abstand hält und seine Maske trägt. Sie fordert wegen Corona noch mehr Abstand von ihm ein. Dann drängt sie sich beim Aussteigen zwischen die anderen Reisenden, ohne selbst weiter auf den Abstand zu achten.

Beispiel 3: Der Bürgermeister einer Kommune sagt einen Pressetermin zu einem Bauprojekt ab. Der Bauherr hatte bereits im Vorfeld mehr Personen eingeladen, als nach den damals geltenden Corona-Schutzvorschriften sich hätten treffen dürfen. Später liest der Bürgermeister in der Zeitung - nicht dieser -, dass es unverständlich sei, dass er sich nicht blicken ließ.

Über Corona-Schutzvorkehrungen kann man diskutieren, jedoch nicht über ihre Einhaltung. Das ist genauso wie die Tempo-30-Zone in der Gießener Eichgärtenallee: Selbst wenn man diese für total unsinnig hält, muss man sich dennoch daran halten. Darum sollte man niemand kritisieren, der sich an diese Regeln hält - und sie zudem nicht als Schutzschirm für den eigenen Rassismus missbrauchen.

Natürlich kann man über den Nutzen der Masken geteilter Meinung sein - auch der Autor dieser Zeilen hat Zweifel an ihrem Nutzen. Jedoch: So lange es eine Anweisung gibt, sie zu tragen, ist dies auch zu tun. Bei den Masken geht es nicht um die eigene Gemütslage, sondern die der anderen, die sich sicherer fühlen, wenn man solch eine "Mund-Nasen-Bedeckung" trägt. Wer die Maske also nicht trägt, outet sich als Egoist.

Das Foto ob- zugespielt von einem Leser - entstand übrigens vor wenigen Tagen in einem Flugzeug: Da wurde wieder einmal dicht an dicht beim Aussteigen gekuschelt - nur um später 45 Minuten aufs Gepäck warten zu können. Es wird Zeit, solche Gewohnheiten hinter sich zu lassen. Nicht nur in Corona-Zeiten, sondern generell ist mehr Abstand in Warteschlangen wünschenswert - besonders im Sommer, wenn das Deo des Hintermanns versagt hat.pad/FOTO. BF

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