Mehrheit sperrt sich

  • Thomas Brückner
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Laubach(tb). Von Hessen Mobil geplante Kurvenbegradigung hinterm Ortsausgang von Laubach (die GAZ berichtete) wird sich in die Länge ziehen: Aufgrund der Ausschussvoten hat das Stadtparlament am Mittwoch erwartungsgemäß den Verkauf benötigter städtischer Grundstücke entlang der B 276 abgelehnt.

Einzige Jastimme für die Magistratsvorlage kam von Stadtverordnetenvorsteher Joachim M. Kühn (FW). Da Hessen Mobil an seinen Plänen zur Entschärfung des Unfallschwerpunktes festhalten will, bedarf es eines Planfeststellungsverfahrens, droht ein Enteignungsverfahren - all das braucht Zeit.

Nicht zu erwarten war dagegen, dass ein Resolutionsantrag der Freien Wähler scheitern würde. Danach hätte Laubach den Verkehrsbehörden von Kreis, Land und Bund die Forderung nach einer Sperrung der B 276 zwischen Laubach und Schotten für Motorräder übermittelt. Begrenzt auf die Hochsaison der Biker, April bis Oktober, wenigstens testweise, an Wochenenden, wie die Antragsteller im Laufe der Debatte ihre Forderung relativierten. Freilich: An der sich abzeichnenden Abstimmungsniederlage ändert das nichts.

"Seit Jahren ist das ein Riesenthema, 2019 allein gab es schon vier tödliche Unfälle", hatte Dirk Oßwald namens der Freien Wähler den Vorstoß begründet. Und auch an die große Belastung für Rettungskräfte erinnert, die zur Hilfe eilten. Das Argument, eine Sperrung träfe auch die vernünftigen Biker, ließ er nicht gelten: Gerade an Wochenenden seien hier viele Raser unterwegs. "Eine zeitliche Sperrung, wie am Feldberg auf Initiative von Kommunen erprobt, wäre ein Weg, die Unfallzahlen zu verringern. Die Resolution wäre ein starkes Signal." Dass die Motorradfahrer auswichen, Freienseen und Altenhain stärker belastet würden, erwartet Oßwald nicht.

Dirk Hofmann (FBLL) sprach dagegen, fürchtete bei einer Sperrung Verluste für die Gastronomie, die Tankstellen. Gewünschtem Aufbau des Tourismus liefe das zuwider. Weiter: "Herr Oßwald, Sie haben doch seinerzeit den Motorradtourismus hoffähig gemacht."

Das Nein der SPD bekräftigte deren Fraktionschef Hartmut Roeschen: Die meisten Biker seien vernünftig, nur permanente Kontrollen brächten etwas.

Den Freien Wähler zu Seite sprangen einzig Grünen: Michael Köhler zitierte einen GAZ-Artikel, in dem ein Polizeisprecher auf vielen, doch vergeblichen Maßnahmen, von Tempolimits bis Fahrbahnschwellen, verwiesen hatte. "Weitere Tote sind nur durch eine Sperrung zu verhindern. Die Verantwortung für die Menschen wiegt schwerer als Tourismusförderung." Und zur These einer kleinen Minderheit der Unvernünftigen: "Wenn das stimmt, müssten die schon längst ausgestorben sein."

Was dies angeht, erinnerte Björn Erik Ruppel - nach dem Wegzug Axel Düringers nach Lich wieder CDU-Frakionschef - an den Ortstermin im Oktober. Thomas Baumgart vom Regionalen Verkehrsdienst der Polizei Mittelhessen habe die These einer kleinen Minderheit bestätigt, sie auf fünf Prozent geschätzt. Diese Fahrer steuerten ganz bewusst die berühmt-berüchtigte Strecke an, riskierten bewusst ihr eigens und fremdes Leben und seien mit einer Sperrung nicht abzuhalten. "Nach den Worten des Polizisten ist denen auch ein zweistelliges Bußgeld egal." Überdies, so Ruppel abschließend, sei sehr wohl mit einem Ausweichverkehr zu rechnen - eben erzeugt von der Mehrzahl der Vernünftigen.

Bei zwölf Jastimmen von FW und Grünen sowie 17 Neinstimmen der anderen Fraktionen war der Resolutionsantrag gescheitert.

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