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Mehr Vorteile für Arbeitnehmer

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Gießen (pm). Wenn es um das Thema Lohnsteuer geht, denken viele Arbeitnehmer zunächst an ihre jährliche Einkommensteuererklärung - für viele eine eher unangenehme Angelegenheit. Oftmals unbeachtet bleiben dabei die Möglichkeiten, wie Arbeitnehmer die Lohnsteuerabzüge bereits während des laufenden Arbeitsjahres zu ihrem Vorteil beeinflussen können. Ab 2019 bieten sich hier insbesondere aufgrund von Gesetzesänderungen und neuer Rechtsprechung deutlich erweiterte Spielräume für eine Senkung der Lohnsteuerabzüge.

Worauf Arbeitnehmer achten sollten und welche Vorteile sich für die Arbeitnehmer ergeben? Erik Spielmann, Partner, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Steuerrecht der Gießener Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungskanzlei Westprüfung Dr. Seifert & Partner, die zum bundesweiten Netzwerk HLB Deutschland gehört, gibt Auskunft zu den wichtigsten Fragen und erklärt, wie Arbeitnehmer schon während des Jahres 2019 ein bisschen mehr aus ihrem Arbeitslohn herausholen.

Neue Regelung für Job-Tickets- Wenn Arbeitgeber ihren Angestellten bislang ein Jobticket als zusätzlichen Anreiz für den Arbeitsweg zwischen Wohnung und Arbeitsstätte zur Verfügung stellten, wurde dieses grundsätzlich als Sachleistung und damit als steuerpflichtiger Arbeitslohn behandelt. Das galt auch für den Fall, wenn ein Jobticket zusätzlich zum Arbeitslohn ausgehändigt wurde. Seit dem 1. Januar 2019 können sich Arbeitnehmer hier über eine deutliche Minderung ihrer Steuerlast freuen. Denn erhalten Arbeitnehmer künftig Jobtickets, werden diese als steuerfrei eingestuft. "Die Steuerfreiheit gilt allerdings nur dann, wenn die Leistung durch den Arbeitgeber zusätzlich zum Arbeitslohn angeboten wird", erklärt Spielmann. "Wird ein Teil des Arbeitslohnes genutzt, um das Jobticket zu finanzieren, gilt die Steuerfreiheit für alle gewährten Sachleistungen nur bis zu einer monatlichen Freigrenze von 44 Euro."

Eine weitere Neuerung findet sowohl für Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber Anwendung: Die steuerbefreiten Jobtickets können auch für Privatfahrten genutzt werden. Arbeitgeber müssen also künftig nicht mehr überprüfen, ob das Jobticket nur für den Arbeitsweg genutzt wurde. Arbeitnehmer sollten allerdings darauf achten, ob sich ein Jobticket für sie lohnt, denn die Aufwendungen für das Jobticket mindern die ansonsten abzugsfähigen Werbungskosten des Arbeitnehmers für die Fahrtstrecke zwischen Wohnung und Arbeit.

Steuerfreiheit für Nutzung von E-Bikes- Ebenfalls seit dem 1. Januar 2019 kommen Arbeitnehmer bei der Überlassung von sogenannten E-Bikes für den dienstlichen und privaten Gebrauch durch den Arbeitgeber in den Genuss der Steuerfreiheit. "Auch hier gilt die Steuerbefreiung hinsichtlich der Lohnsteuer nur für den Fall, dass die E-Bikes für den Arbeitnehmer als zusätzliche Leistung neben dem Arbeitslohn angeboten werden", betont Spielmann. Erfolge die Überlassung des E-Bikes durch die Umwandlung eines Teils des ohnehin geschuldeten Arbeitslohns, gelte hingegen keine Steuerfreiheit. Hier würden die bisherigen Regelungen und Berechnungsgrundlagen für den geldwerten Vorteil weiterhin Anwendung finden. Zudem gäbe es keine Freibetragsgrenze wie bei der Überlassung eines Jobtickets, ergänzt der Steuerexperte. Für die Arbeitnehmer gibt es aber auch für diese Art der Überlassung eines E-Bikes steuerliche Vorteile. Denn zum einen erfolgt die Versteuerung eines E-Bikes seit Jahresbeginn 2019 im Ergebnis nur noch mit 0,5 Prozent des Bruttolistenneupreises und wird zum anderen auch nicht auf die Entfernungspauschale (wie bei den Jobtickets) angerechnet.

Zuschüsse für Kindergartenbeiträge sind steuerfrei- Beteiligt sich der Arbeitgeber mit Zuschüssen an den Kindergartenbeiträgen des Arbeitnehmers, sind diese unter gewissen Voraussetzungen ebenfalls lohnsteuerbefreit. Grundsätzlich besteht für den Arbeitnehmer dabei die Möglichkeit, die Zuschüsse als Barzahlung für einen externen Kindergarten zu erhalten oder für die Nutzung des Betriebskindergartens bezuschusst zu werden. "Arbeitnehmer müssen vor allem sicherstellen, gegenüber dem Arbeitgeber die Höhe der Kindergartenbeiträge als Voraussetzung für eine Bezuschussung kenntlich zu machen. Weiterhin müssen sie darauf achten, dass die Bezuschussung ebenfalls außerhalb des üblichen Arbeitslohns erfolgt, damit die Befreiung von der Lohnsteuer greift", erklärt Spielmann abschließend. Von der Steuer befreit würden zudem nur die Unterbringung und die Betreuung von nicht schulpflichtigen Kindern außerhalb des eigenen Haushalts, nicht hingegen Kosten für die Verpflegung.

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