Mehr Sicherheit für Hungen

  • VonChristina Jung
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Wo finden sich in Hungen Kriminalitätsschwerpunkte? An welchen Orten fühlen sich die Menschen nicht sicher? Diese und andere Fragen will man in der Schäferstadt zeitnah klären und Gegenmaßnahmen entwickeln. Unterstützung versprechen sich Politik und Verwaltung von der Initiative KOMPASS.

Ein Vereinsheim, das kurz und klein geschlagen wird. Eine Massenschlägerei am See. Vandalismus und Drogenhandel am Bahnhof. Die Schäferstadt und ihre Stadtteile sind immer wieder Orte krimineller Handlungen. Und immer wieder sind junge Menschen die Täter. Dem zu begegnen hat sich die Fraktion Pro Hungen in der Stadtverordnetenversammlung vorgenommen: Sie hat vor der Sommerpause einen Antrag eingebracht (die GAZ berichtete), der in den Fachausschüssen am Dienstagabend behandelt wurde. Es geht um die Bewerbung für die Aufnahme bei der Initiative KOMPASS (KOMmunalProgrAmmSicherheitsSiegel) des hessischen Innenministeriums. Sowohl im Ausschuss für Kultur und Soziales sowie im Haupt- und Finanzausschuss gab es dafür ein einstimmiges Votum.

Ziel von KOMPASS ist es, mit Hilfe einer nachhaltig ausgerichteten, noch engeren Zusammenarbeit zwischen Bürgern, Polizei und Kommune spezifische Sicherheitsbedürfnisse der Bevölkerung zu erheben, zu analysieren und ein Lösungsprogramm zu entwickeln. So können Brennpunkte lokalisiert und in den Fokus genommen werden. Pro Hungen hofft, auf diesem Weg die Kriminalität in den Griff zu bekommen. Die Teilnahme an der Initiative ist kostenlos. Für Folgekosten, die durch Maßnahmen wie etwa Bestreifung oder Ausleuchtung entstehen, kann Fördergeld beantragt werden. »Aus unserer Sicht ist das etwas Sinnvolles und Gutes für Hungen«, so Birgit Kraft (Pro Hungen).

Das fanden die übrigen Fraktionen ebenfalls, auch wenn sich Holger Frutig (FW) das Vorliegen einer Polizeistatistik als Entscheidungsgrundlage gewünscht hätte. Britta Eichelmann (Grüne) plädierte dafür, die Ortsteile einzubeziehen, warnte aber davor, die Initiative als Allheilmittel zu sehen. Wichtig seien präventive Angebote, an denen es aufgrund der Pandemie in jüngster Vergangenheit gemangelt habe.

Ein Grund dafür, warum andere Kommunen vor ähnlichen Problemen stehen, wie Bürgermeister Rainer Wengorsch betonte. »Hungen ist kein Sonderfall«, sagte der Rathauschef. Bei der Stadt habe man die Problematik bereits erkannt und die Jugendlichen im Fokus. Eine Bewerbung bei KOMPASS sei bereits erfolgt, Beratungsgespräche hätten schon stattgefunden. Bahnhof und Kriegerdenkmal seien bekannte Konfliktpunkte, mit KOMPASS wolle man weitere Problemquartiere identifizieren und überlegen, welche Maßnahmen wo sinnvoll sind. Dafür werde zunächst eine Arbeitsgruppe gebildet, dann die Öffentlichkeit beteiligt (Bürgerbefragung). Dennoch begrüßte der Bürgermeister die Initiative von Pro Hungen. »Es ist wichtig, ein Zeichen zu setzen«, so Wengorsch.

Streetworker einsetzen

Fabian Kraft (Pro Hungen) zeigte sich überrascht über das »Vorpreschen der Verwaltung« angesichts des im Juni vorgelegten Antrags seiner Fraktion und eines noch fehlenden Stadtverordnetenbeschlusses. Den brauche es nicht, erklärte Wengorsch. Und: »Wir waren vorher schon damit befasst.« Zudem habe man sich für die Aufnahme in ein Streetworking-Projekt beworben, das vom Sozialministerium zwecks Ausweitung der aufsuchenden Jugendarbeit in ländlichen Gebieten gefördert wird. Die für dieses Jahr vorhanden Mittel seien jedoch schon ausgeschöpft gewesen, weshalb eine erneute Beantragung für 2022 angedacht ist. Ziel sei es, durch direkte Ansprache die Verhaltensweisen der Jugendlichen dauerhaft positiv zu beinflussen.

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