Im Gesundheitsamt beim Landkreis Gießen ist u.a. ein Callcenter eingerichtet, um Corona-Kontaktpersonen nachzuverfolgen. FOTO: JWR
+
Im Gesundheitsamt beim Landkreis Gießen ist u.a. ein Callcenter eingerichtet, um Corona-Kontaktpersonen nachzuverfolgen. FOTO: JWR

Mehr Personal fürs Gesundheitsamt

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
    schließen

"Ein Amt am Anschlag" lautete eine Schlagzeile vor rund sechs Wochen. Im Gesundheitsamt des Kreises Gießen herrscht seit Anfang März Corona- bedingt Dauerstress. Jetzt gibt es mehr Personal.

In einer denkwürdigen Sitzung des Gießener Kreistags sind mit breiter Mehrheit am Montag in der Gießener Kongresshalle mit einem Nachtrag zum Etat 500 000 Euro zusätzlich bereitgestellt worden. Damit soll vornehmlich das Gesundheitsamt des Landkreises Gießen personell besser ausgestattet werden. Dies als Reaktion auf die Auswirkungen de Corona-Pandemie - aber auch, um strukturelle Probleme abzufangen. Damit hat Corona schon jetzt direkte Auswirkungen auf die Finanzen des Landkreises Gießen.

Vor allem der Bereich Hygiene beim Gesundheitsamt soll besser aufgestellt werden, so Landrätin Anita Schneider (SPD). Zudem soll die Ausbildung eines Facharztes im öffentlichen Gesundheitsdienst ermöglicht werden - laut Schneider ein Ansatz zur perspektivischen Personalentwicklung. Und: Seit drei Jahren die Leitung des Kreisgesundheitsamts nicht besetzt. Die Stelle soll angesichts der Konkurrenz durch die Kliniken in und um Gießen nun attraktiver, also besser dotiert werden - entsprechend einem Leitenden Oberarzt.

Es sind neben etlichen befristeten auch sechs unbefristete Stellen geplant. "Die unbefristeten Stellen sind so bemessen, dass es möglich wird, die anfallenden Regelaufgaben der Hygieneabteilung leisten zu können, aber auch auf ein erhöhtes Infektionsgeschehen reagieren zu können", sagte die Landrätin. Für den Fall, dass die Infektionszahlen auch im Kreis wieder steigen, will sie gewappnet sein. Mit Blick auf Nordrhein-Westfalen werde deutlich, dass das Gesundheitsamt von heute auf morgen in der Lage sein müsse, zu reagieren, sagte sie.

Ursprünglich war im Kreisetat 2020 ein Reduzieren der Personalkosten um 500 000 Euro vorgesehen. Das findet nun nicht statt, geht stattdessen ins Gesundheitsamt. Glück für den Kreis: Weil so rege gebaut wird, kommen voraussichtlich gut 500 000 Euro mehr Bauaufsichtsgebühren in die Kasse. Das kompensiert die höheren Personalausgaben. Ergo werden die Kommunen nicht herangezogen: Kreis- und Schulumlage bleiben unverändert.

Eigentlich sollte der Haupt- und Finanzausschuss in seiner Eigenschaft als Notausschuss den Nachtrag anstelle des Kreistags beschließen. Darüber wurde Anfang Juni interfraktionell Einigkeit erzielt. Doch nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts Darmstadt hatte die AfD-Fraktion für eine Sitzung des kompletten Kreistags plädiert und rechtliche Überprüfung angekündigt. Also wurde die bereits abgesagte Kreistagssitzung wieder anberaumt, um zügig einen rechtssicheren Beschluss zu fassen.

Dazu fanden am gestrigen Montag gleich drei Sitzungen hintereinander statt: In einer ersten Sitzung des Kreistags legte Landrätin Schneider den Nachtrag vor. Im Anschluss hat der Finanzausschuss des Kreistags das zusätzliche Geld für Personal beraten und empfohlen. Nach 21 Uhr trat der Kreistag erneut zusammen, um die geänderten Zahlen im großen Plenum zu debattieren. Zustimmung kam von der Koalition aus SPD, Grünen und Freien Wählern, zudem aus der Opposition: CDU, AfD, Linke und Piraten stimmen ebenfalls zu. Einzig die FDP-Fraktion enthielt sich. Denn ihr Antrag, 2,5 zusätzliche Stellen für den Personalservice zu streichen, blieb ohne Mehrheit. Die Landrätin hatte die zusätzlichen Stellen im Fachdienst Personal damit begründet, dass dort mehr Manpower nötig sei, um die im Gesundheitsamt benötigten Mitarbeiter fix einzustellen. Die FDP stimmte allen Stellen zu, die im Zuge der Corona-Krise benötigt werden. FDP-Fraktionschef Harald Scherer hielt aber entgegen, dass bei der Personalverwaltung ohnehin schon vier Stellen nicht besetzt seien. Warum also dort den Stellenplan nochmals erweitern? Weiterer Bericht folgt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare