In reizvoller Umgebung: Mikhail Pochekin und Svetlana Korobova spielen im Wintergarten der Bergners. FOTO: JOU
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In reizvoller Umgebung: Mikhail Pochekin und Svetlana Korobova spielen im Wintergarten der Bergners. FOTO: JOU

Mehr als "nur" ein Hauskonzert

  • vonSascha Jouini
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Gerade für junge Musiker ist die Lage seit dem Lockdown äußerst schwierig. Dessen ist sich Ilse Bergner, Leiterin des Arbeitskreises Wettenberger Winterkonzerte, durch ihre Kontakte zur Künstlerszene bewusst. Mit der Reihe fördert sie Nachwuchstalente. Und so reifte die Idee, den russischen Violinisten Mikhail Pochekin durch ein Hauskonzert zu unterstützen.

Einen Teil des Programms am Montagabend bei Ilse und Heinz Bergner in Krofdorf-Gleiberg spielte Pochekin gemeinsam mit seiner Freundin, der Violinistin Svetlana Korobova. Am Salzburger Mozarteum studierend, erhält diese pandemiebedingt schon seit Wochen keinen Unterricht mehr. In welchem Maße Musikern derzeit improvisatorisches Geschick abverlangt wird, lässt sich auch an dem Projekt "Music without quarantine" ablesen, bei dem der 30-jährige Pochekin mit Online-Darbietungen mitgewirkt hat - für ihn bislang die einzige Möglichkeit, ein Publikum zu erreichen.

Anfang März hatte der Spitzenmusiker seinen letzten Auftritt in Moskau mit Max Bruchs Violinkonzert Nr. 1. Er wollte sich danach auf die nächsten Konzerte vorbereiten, ehe Corona dazwischenkam. Auf der Durchreise von Salzburg nach Berlin machte er nun in Wettenberg Station.

Im geräumigen Wohnzimmer mit Wintergarten spielte er vor einem knappen Dutzend Hörern. Auch in nächster Zeit muss sich Pochekin auf kammermusikalische Aktivitäten beschränken. Am Freitag widmet er sich mit seiner Klavierpartnerin Kiveli Dörken im Berliner Piano Salon Chistophori einem reinen Beethoven-Programm, am Sonntag spielt das Duo gleich zweimal in Schwerin. Im August folgen Auftritte in Fürstenfeldbruck, Niedernsill und Wurz.

Pochekin wird vielen hiesigen Klassikliebhabern aus drei Winterkonzerten in bester Erinnerung geblieben sein. Besonders eindrucksvoll war jedoch ein Sonderkonzert vor dreieinhalb Jahren in der evangelischen Kirche Wißmar, bei dem er alle Sonaten und Partiten für Violine solo von Johann Sebastian Bach zu Gehör brachte.

Wie im Musiksalon des 19. Jahrhunderts

Wie stilsicher er diese ungemein schwierig zu spielende, zum Kernrepertoire zählende Barockmusik beherrscht, demonstrierte er nun erneut mit seiner tänzerisch beschwingten, erfrischend lebhaften Interpretation der Partita II d-Moll. Einen ruhigen Gegenakzent setzte die Sarabande; der Schwermut konnte man sich kaum entziehen.

Für Pochekin ist die Partita "vielleicht das wichtigste Werk in meinem Leben". Langjährige künstlerische Auseinandersetzung war denn auch seiner Darbietung der berühmten Chaconne anzumerken. Sein eleganter Vortrag begeisterte gleichermaßen bei der Gavotte aus der Partita III. Bei Nicolò Paganinis virtuoser Caprice Nr. 21 gerieten selbst kniffligste Passagen makellos.

Bei den romantischen Werken in der zweiten Hälfte fühlte man sich an bürgerliche Musiksalons des 19. Jahrhunderts erinnert. Dank vorzüglicher Akustik kamen die Violinduos Nr. 1 und 2 von Reinhold Glière ideal zur Geltung.

Auch der Staufenberger Musiker Jens Amend unterstützte Pochekin und begleitete ihn zum Schluss bei zwei Kompositionen am Klavier. In José Elizondos "Alborada de la Esperanza" schienen sich Trauer und Hoffnung zugleich widerzuspiegeln. Einen schöneren Ausklang als Peter Tschaikowskys "Souvenir d’un lieu cher" Nr. 3 konnte man sich kaum vorstellen - die gefühlvoll intonierte Melodie streichelte die Seele.

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