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Die hausärztliche Versorgung in Laubach ist gut. Aber könnten die Stadt, der Osten des Landkreises und der westliche Vogelsberg vielleicht weitere Fachärzte gebrauchen? Eine Machbarkeitsstudie für ein Med-Zentrum soll diese Frage klären. SYMBOLFOTO: DPA

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  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Seit die Verwaltung des Oberhessischen Diakoniezentrums Laubach ins ehemalige Schlosshotel »Bunter Hund« umgezogen ist, steht der Altbau in der Schottener Straße leer. Er soll abgerissen werden. An seiner Stelle könnte ein Facharztzentrum entstehen.

Einen Rahmenplan hat der Stiftungsvorstand bereits im vergangenen Jahr verabschiedet und einen Namen hat das Kind auch: »Campus für Gesundheit und Pflege«. Der soll auf dem Areal des Oberhessischen Diakoniezentrums in Laubach entstehen. »Wir haben in den kommenden Jahren einiges vor«, sagt Bernd Klein, der geschäftsführende Vorstand des OD.

Zeitgemäße Versorgung

Für Laubach, den Osten des Landkreises und den westlichen Vogelsberg sollen zeitgemäße ambulante sowie (teil-) stationäre Versorgungsangebote geschaffen werden. »Unser Portfolio ist groß« sagt Klein und nennt unter anderem Kurzzeitpflege, Tagespflege oder bezahlbares betreutes Wohnen. Auch ein Facharztzentrum nach dem Vorbild der Medzentren, die es andernorts bereits gibt, wurde in die Überlegungen einbezogen.

Ein Standort dafür wurde bereits ausgeguckt: Der Altbau an der Ecke Schottener Straße/Adolf-Wieber-Straße. Bis vor Kurzem war dort die Verwaltung des OD untergebracht, aber die ist inzwischen ins ehemalige Schlosshotel »Bunter Hund« umgezogen. Ihr ehemaliges Domizil könnte also abgerissen werden, um Platz für ein Facharztzentrum zu schaffen. Aber braucht man das überhaupt? Und, wenn ja: Was genau wird in Laubach gebraucht? Diese Fragen will das Oberhessische Diakoniezentrum beantwortet haben, ehe es Nägel mit Köpfen macht. Klarheit soll eine Machbarkeitsstudie bringen.

Der Landkreis stellt für eine solche Untersuchung bis zu 15 000 Euro an Fördermitteln zur Verfügung. Die allerdings kann das OD nicht beantragen. Das kann nur die Kommune. An diesem Punkt kommen die Stadtverordnetenversammlung und ihre Fachausschüsse ins Spiel. Letztere sollen in ihrer Sitzung am kommenden Dienstag erörtern, ob sie eine solche Untersuchung in Auftrag geben wollen. Die Initiative dazu geht von Bürgermeister Peter Klug aus. Er verweist in seinem Antrag darauf, dass die Studie die Stadt keinen Cent kosten würde. Die Differenz zwischen dem Zuschuss, den der Landkreis zahlt, und den Gesamtkosten von 20 000 Euro würde das Diakoniezentrum übernehmen. Dass Klug auf die Tube drückt und eine Entscheidung noch vor der Kommunalwahl herbeiführen will, hat einen guten Grund. Das OD will nicht ewig warten. Der Altbau ist seit einigen Wochen leer und Geschäftsführer Klein möchte ihn nicht ewig leerstehen lassen. Bis Anfang 2022, so sagt er, wolle er Klarheit haben, was mit diesem Standort passiert. Er könne also nicht warten, bis nach den Wahlen eine neue Stadtverordnetenversammlung ihre Arbeit aufgenommen hat.

Als Partner für ein Facharztzentrum hat das OD die Ideenwelt Gesundheitsmarkt GmbH (IDG) aus Gießen an seiner Seite, die bereits Medzentren unter anderem in Pohlheim, Allendorf/Lumda und Staufenberg gestemmt hat und ein ähnliches Projekt für Grünberg plant. Für Laubach sei deshalb genau zu untersuchen, welche medizinischen Bedarfe bestehen, unterstreicht der Bürgermeister.

Die IDG würde im Rahmen der Studie klären, welche Chancen für die Ansiedlung von Fachärzten bestehen, ob Kassenarztsitze aktuell frei sind oder perspektivisch frei werden, ob Laubacher Ärzte Interesse an einem Umzug ins Medzentrum haben und ob dort auch andere medizinische Berufsgruppen, etwa Therapeuten oder Hebammen, angesiedelt werden können.

»Wir wollen niemandem etwas wegnehmen, sondern schauen, wo Lücken sind und welche Chancen sich auftun«, sagt Bernd Klein. Das Facharztzentrum wäre eine »tolle Geschichte« für die Stadt und die Region und das OD würde es gerne realisieren. »Aber wir hätten auch Alternativen.«

Auch Bürgermeister Klug unterstreicht die Vorteile für Laubach: »Wir haben eine große Chance, die bestehende gute hausärztliche Versorgung nicht nur zu sichern, sondern möglicherweise durch die Ansiedlung weiterer Fachärzte und Therapeuten nachhaltig zu stärken, ohne dass die Stadt dafür finanzielle Mittel aufwenden müsste.«

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