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Die Zahl der Kosmetikbetriebe ist gestiegen. SYMBOLFOTO: DPA

Mehr Kosmetikbetriebe, weniger Fliesenleger

  • vonAnja Schramm
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Gießen (pm/bf). Die Zahlen, die die Handwerkskammer Wiesbaden jüngst veröffentlicht hat, lesen sich auf den ersten Blick überaus positiv. Ende 2020 gab es 3144 Handwerksbetriebe im Landkreis Gießen. Im Vergleich zum Vorjahr sind es 33 Betriebe mehr. Das entspricht einem Plus von 1,1 Prozent. Der beste Wert im Bereich der Handwerkskammer, im gesamten Kammerbezirk registrierten die Verantwortlichen lediglich einen Zuwachs von 0,6 Prozent.

Doch ganz so rosig, wie es anmutet, ist die Situation auch hierzulande nicht. Ein differenzierter Blick in die Statistik lohnt jedenfalls. Denn dabei fällt vor allem eines auf: Bei Betrieben mit Meisterpflicht sind wie im gesamten Kammerbezirk auch im Gießener Land die Zahlen rückläufig. 44 Meister haben ihr Unternehmen im Jahr 2020 abgemeldet. Bereiche mit Meisterpflicht, das sind etwa Bäcker, Metzger oder Friseure. 2207 derartige Betriebe gibt es nun noch im Landkreis Gießen.

In nahezu gleicher Zahl zugelegt haben sogenannte zulassungsfreie Handwerksbetriebe, für deren Führung kein Meisterbrief vorgeschrieben, gleichwohl aber möglich ist. Deren Zahl stieg im Kreis von 374 auf 417. Darunter fallen etwa Gebäudereiniger oder Kürschner, Schuhmacher, Fotografen, Geigenbauer, Korbflechter oder Goldschmiede.

Auch handwerksähnliche Betriebe verzeichneten im Kreis im vergangenen Jahr ein Plus. In jenem Bereich gibt es nun 34 Firmen mehr, insgesamt 520. Dazu zählen Gewerbe, mit denen man sich ohne weitere Zulassungsvoraussetzungen selbstständig machen kann. Eisenflechter, Änderungsschneider, Theatermaler, Fahrzeugverwerter, Kanalereiniger, Speiseeishersteller oder Kosmetiker gehören dazu.

Alle Trends aus dem Kreis Gießen spiegeln sich auch kammerweit wider. Hauptgeschäftsführer Bernhard Mundschenk zog für das vergangene Jahr jedenfalls eine positive Bilanz: »Auch in Krisenzeiten zeigt sich das Handwerk als weiterhin stabilisierender Faktor der Wirtschaft«, sagte er. »Bisher führt die Corona-Pandemie noch nicht zu einer negativen Gesamtentwicklung der Betriebszahlen.«

Zwar müsse, so Mundschenk, bei den meisterpflichtigen Gewerken ein Rückgang hingenommen werden, und die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Handwerkskonjunktur seien noch nicht absehbar. Ihn stimme jedoch relativ optimistisch, dass es trotz Corona gelungen sei, im Jahr 2020 insgesamt 368 Jungmeister erfolgreich durch die Meisterprüfungen zu führen.

Interessant ist ein Blick in die einzelnen Bereiche, auch wenn hier nur kammerweite Zahlen vorliegen. Bei den zulassungspflichtigen Handwerksbetrieben ist vor allem ein Rückgang von Raumausstattern und Fliesen-, Platten- und Mosaiklegern zu konstatieren. Dennoch machen Fliesen-, Platten- und Mosaikleger mit kammerweit 2204 Betrieben den größten Anteil aus - dicht gefolgt von Friseuren, die es auf 2193 Betriebe in der Handwerkskammer bringen.

Mundschenk zufolge sei der Rückgang an Raumausstatter- und Fliesenlegerbetrieben auf die Wiedereinführung der Meisterpflicht in beiden Gewerken zurückzuführen.

Die stärksten Zuwächse bei den zulassungsfreien Handwerken gab es bei den Gebäudereinigern mit einem Plus von 154 Betrieben kammerweit. Bei den handwerksähnlichen Gewerben verzeichneten Kosmetikbetriebe das größte Plus mit einem Zuwachs von 135 Betrieben gegenüber 2019.

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