Mehr Gemeinsamkeit im Lumdatal

  • Thomas Brückner
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Manch heimischer Politiker spricht bereits von der »neuen Gebietsreform«. Durchaus: Wiesbaden drängt die Kommunen zu mehr Kooperation. Gerade kleine Gemeinden, so sehen es selbst Bürgermeister, seien langfristig ohne Überlebenschance. Allendorf und Rabenau verstärken nun ihre Zusammenarbeit. Von einer Fusion aber ist keine Rede - fürs Erste.

Die Einnahmen hinken den Ausgaben hinterher, gerade in der Kinderbetreuung. Immer neue Aufgaben, immer mehr Bürokratie überfordern kleine Verwaltungen. Rabe-naus Bürgermeister Florian Langecker und sein Allendorfer Kollege Thomas Benz kennen das. Beide zeigen sich im GAZ-Gespräch einig: Das Problem zumindest lindern kann Interkommunale Zusammenarbeit (IKZ). In Kürze wollen daher die Lumdatalgemeinden in den Bereichen Abwasserreinigung und Ordnungsamt gemeinsame Sache machen.

Die Erfahrungen andernorts belegen: IKZ wirkt, bringt mittelfristig nicht nur Einsparungen, Verwaltung wird auch effizienter und mithin bürgernäher. Dies zeigt ein Beispiel vor der Haustür: Nach drei Jahren zieht der Verwaltungsverband Lich/Laubach ein positives Fazit. Dass die fortschreitende Digitalisierung da zupass kommt, ist klar. Wie oft schließlich bedarf es heute noch des Gangs zum Rathaus?

Mit der Größe einer Verwaltung, so sieht es auch Rabe-naus Rathauschef Langecker, stiegen die Möglichkeiten der Spezialisierung, der Fortbildung. »Können sich Mitarbeiter auf einzelne Aufgaben- bereiche besser einstellen, profitiert auch der Bürger.«

Wie sein Vorredner verwies auch Allendorfs Rathauschef Benz (FW) auf Fragen, die sich meist nur in kleineren Verwaltungen stellen: Was tun, wenn ein Mitarbeiter zu viel krank wird, wie punktuelle Mehrbedarfe an Manpower bei besonderen Projekten decken? »Gemeinden wie wir«, ergänzt Langecker, »geraten schon in eine Schieflage, wenn nur ein Kollege kündigt«.

Der Wille zu noch mehr Gemeinsamkeit - beiden Bürgermeistern zufolge sind sich darin alle Fraktionen einig - fußt nicht zuletzt auf guten Erfahrungen vor Ort, mit der seit 2018 in Allendorf angesiedelten Gemeinschaftskasse.

»Wir haben keine Rückstände mehr, bis auf drei sind alle Altfälle abgearbeitet«, betonte Rabenaus Finanzexperte Karl-Heinz Weicker. Ein Satz, der angesichts von rund 500 000 Euro offener Forderungen »seiner« Gemeinde noch im Jahr 2019 aufhorchen lässt. Allein durch die rechtzeitigen Mahnungen hat sich Weicker zufolge die Zahlungsmoral deutlich gebessert.

Dass es keinerlei Beschwerden gegeben habe, ergänzte Dieter Hilbert. Freilich, so der Allendorfer Amtsleiter, ließen inzwischen bis zu 80 Prozent der Bürger Wassergeld oder Hundesteuer abbuchen.

Die gemeinsame Betriebsführung der Kläranlagen steht nun als erstes neues IKZ-Projekt an. Nach einem Probelauf - derweil wird das Personal (3,5 Stellen, künftig erstmals ein Azubi) die Anlagen kennenlernen und ein gemeinsamer Bereitschaftsdienst installiert - soll Ende Juni die »Fusion« erfolgen. Laut den Bürgermeistern steht der Beschluss der öffentlich-rechtlichen Vereinbarung durch die Gemeindevertretungen außer Frage.

Benz freilich bittet um Geduld, in zwei, drei Jahren aber erwartet er erste Synergie- effekte. Und Einsparungen, schon weil es nurmehr ein Labor braucht, der gemeinsame Einkauf von Betriebsmitteln oder die Klärschlammentsorgung günstiger kommt. Die Aufwendungen übrigens werden nach Einwohnergleichwerten umgelegt.

Nächste Etappe soll danach die Zusammenlegung der Ordnungsämter sein. Vielfältige Aufgaben fallen hier an, von Brandschutz bis Verkehrsüberwachung. Auch die lassen sich in größeren Einheiten kostengünstiger erledigen. Allerdings sind für dieses IKZ-Projekt noch einige offene Fragen zu klären, was auch pandemie- bedingten Absagen von Beratungsterminen geschuldet sein soll.

Bei aller Einsicht in die Notwendigkeit - ein wenig Wasser mag am Ende Rabenaus Verwaltungschef doch in den Wein gießen: »Langfristig sparen wir kaum Personal, werden doch die Aufgaben komplexer und nehmen zu.« Mit IKZ aber könne man der Entwicklung ein Stück weit ent-gegenhalten.

»Das braucht alles seine Zeit. Dies zeigen schon die Erfahrungen mit den bisherigen Projekten«, merkt Langecker an, als am Ende des Gesprächs die »unvermeidliche« Frage nach einer Fusion aufkommt. Zudem falle die Förderung Wiesbadens zu gering aus. Als erstes müsste mithilfe des Landes für eine Sanierung der unterschiedlich hoch verschuldeten Gemeinden gesorgt werden, unterstreicht der CDU-Politiker. Und fügt mit einem Schmunzeln an: »Andernfalls müssten die Allendorfer ja auch unsere Miesen mit übernehmen.«

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