Brandschutz, Dach, Elektrik - das Reiskirchener Rathaus ist ein umfangreicher Sanierungsfall. Für die Umsetzung hat die Gemeindevertretung zusätzliches Geld freigegeben. ARCHIVFOTO: US
+
Brandschutz, Dach, Elektrik - das Reiskirchener Rathaus ist ein umfangreicher Sanierungsfall. Für die Umsetzung hat die Gemeindevertretung zusätzliches Geld freigegeben. ARCHIVFOTO: US

Mehr Geld für die Sanierung

  • vonChristina Jung
    schließen

Die Sanierung des Reiskirchener Rathauses beschäftigt die Kommunalpolitik seit vergangenem Jahr. Derzeit bereitet die enorme Kostensteigerung einigen Mandatsträgern Sorgen. Dennoch votierte die Gemeindevertretung mehrheitlich für eine überplanmäßige Ausgabe in Höhe von 153 000 Euro.

Ein völlig unzureichender Brandschutz, eine veraltete Elektrik und ein marodes Dach - die Reiskirchener Verwaltung muss umfassend saniert werden, um sie für die Zukunft fit zu machen. Und zwar schnellstens, denn die Sicherheit der Mitarbeiter hängt davon ab. Die Gemeindevertretung hat deshalb am Mittwochabend einer überplanmäßigen Ausgabe in Höhe von 153 000 Euro zugestimmt. Allerdings erst nach langer Diskussion.

Grund dafür waren vor allem die Kosten, die sich seit dem Grundsatzbeschluss im November fast verdoppelt haben. Damals genehmigten die Gemeindevertreter 510 000 Euro, mittlerweile stehen 910 000 Euro im Raum. Als Gründe dafür wurden "Massenmehrungen" und Brandschutzauflagen genannt.

Wenn ein Vorhaben plötzlich mit einer halben Million Euro mehr zu Buche schlage, müsse man das Ganze schon einmal kritisch hinterfragen dürfen, erklärte Reinhard Strack-Schmalor (SPD). "Es ist ja schließlich nicht so, dass wir im Geld schwimmen." Der Sozialdemokrat plädierte dafür, das Gebäude in Abschnitten zu sanieren. Und auch Petra Süße (CDU) stellte mit Blick auf die gestiegenen Kosten die bisherige Vorgehensweise in Frage.

Aus Sicht von Gerhard Albach (FW) der falsche Zeitpunkt für solche Diskussionen. "Der Markt schreibt uns die Preise vor, und die laufen uns weg", mahnte der Freie Wähler mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen. Und Bürgermeister Dietmar Kromm hielt den Kritikern entgegen: "Wir können nicht hergehen und erstmal einen kleinen Teil machen, eines hängt vom anderen ab." Darüber hinaus sei es ohnehin schwer genug, im Bestand zu sanieren.

Kromm forderte die Parlamentarier auf, die Verwaltungsmitarbeiter "nicht im Regen stehen zu lassen". Die Sanierung des Rathauses dulde keinen Aufschub. Zuletzt habe es am 31. August "durchgeregnet" und zwar unweit eines Kopierers, der dauerhaft in Betrieb sei. "Ich bin für die Sicherheit der Mitarbeiter zuständig. Aber ich möchte die Verantwortung in dieser Form nicht weiter tragen", so der Bürgermeister.

Schützenhilfe bekam er von Grünen und Freien Wählern. "Wir müssen die Bediensteten schützen, die gehen da jeden Tag rein", forderte Albach die Mandatsträger zur Zustimmung für die außerplanmäßige Ausgabe auf, deren Unvorhergesehenheit von den Sozialdemokraten angezweifelt wurde. "Ich weiß nicht, warum hier ständig nach Dreck gesucht wird", sagte Dr. Rolf Tobisch (Grüne). "Mir hat es auch nicht gefallen, wie die Sache gelaufen ist. Aber der Kompromiss ist aus meiner Sicht sinnvoll, um mit den Bauarbeiten beginnen zu können."

Das wird allerdings noch eine Weile dauern. Denn weil der Beschluss erst jetzt gefasst wurde, konnten keine Firmen beauftragt werden. Bindefristen sind abgelaufen, Handwerker abgesprungen. Der Bürgermeister hatte bereits in der Gemeindevertretersitzung Anfang September einen Dringlichkeitsantrag zur Rathaussanierung gestellt, der aber nicht die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit fand, um auf der Tagesordnung zu landen.

Nun müssen Arbeiten neu ausgeschrieben, ausführende Betriebe gefunden und ihr Tun miteinander koordiniert werden. Nicht zuletzt wird das Vorhaben mit Blick auf die auslaufende Mehrwertsteuersenkung und die Baukostenentwicklung wohl noch etwas teurer werden.

Obwohl es lange nicht danach aussah, erhielt die Beschlussvorlage am Ende eine Mehrheit. Freie Wähler und Grüne stimmten geschlossen dafür, ebenso die CDU. Selbst aus den Reihen der SPD kamen vier Ja-Stimmen. Abgestimmt wurde auf Antrag der Grünen namentlich, die damit einer Forderung des Bürgermeisters nachkamen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare