+
Ob Kinderchor, ob Musikunterricht wie beispielsweise an der Musikschule Busecker Tal oder Kino auf dem Land - der Kreis erhöht die Zuschüsse. FOTO: ARCHIV

Mehr Geld für Kultur

  • schließen

Es sind überschaubare Beträge angesichts des millionenschweren Kreis-Etats. Doch der SPD- geführten Koalition kommt es auf die Signalwirkung an: Musikschulen, Sängerbünde und die beiden Kinos in Grünberg und in Lich bekommen erhöhte Zuschüsse.

Kultur ist von grundlegender Bedeutung für alle Menschen im Landkreis und für uns deshalb mehr als eine freiwillige Leistung", sagt Melanie Haubrich. Die SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag macht sich stark für kulturelle Einrichtungen im Kreis. Denn: "Sie können Identität stiften und leisten einen wichtigen Beitrag zu einem lebenswerten Landkreis. Wir setzen uns für eine lebendige Kulturlandschaft ein", argumentiert Haubrich für erhöhte Zuschüsse an die Sängerbünde, an die Musikschulen und an die beiden Kinos auf dem Land.

So wird die Förderung der Sängerbünde als Dachorganisation der Gesangvereine in diesem Jahr von 2550 auf 5000 Euro angehoben und damit fast verdoppelt. Insbesondere die Jugendarbeit soll damit gestärkt werden. Denn gerade an Nachwuchs mangelt es vielen eher traditionellen Vereinen. Die Musikschulen sollen in diesem Jahr 50 000 Euro erhalten; vorgesehen waren eigentlich 35 000 Euro. Die beiden Kinos erhalten in Summe 12 000 Euro Zuschuss.

Am Dienstag hat sich der Schulausschuss des Kreistags unter Vorsitz von Martin Hanika (CDU) damit befasst und die zusätzliche Förderung mit breiter Mehrheit empfohlen. Da waren sich alle Kreistagsabgeordneten einig. Am heutigen Donnerstag werden die Themen im Zuge der Haushaltsberatung auch im Finanzausschuss des Kreistags aufgerufen.

Gerade die Jugendarbeit solle gefördert werden. Denn Singen im Chor ist für viele Menschen nach wie vor fester Bestandteil ihres Lebens, heißt es in der gemeinsamen Initiative von SPD, Grünen und Freien Wählern. Für Kinder und Jugendliche sei der Chorgesang oftmals die erste Begegnung mit Kunst und Kultur und von grundlegender Bedeutung für deren künftiges künstlerisches und kulturelles Verständnis sowie deren persönliche Entwicklung.

Der Ohm-Lumdatal-Sängerbund, der Sängerkreis Gießen, der Sängerbund Hüttenberg-Schiffenberg und der Solmser Sängerbund vertreten in Landkreis und Stadt Gießen mehr als 100 Gesangvereine und Chöre, sind darüber hinaus auch in Nachbarkreisen aktiv. Sie hatten bereits in der Vergangenheit gemeinsame Anstrengungen unternommen, ihre Jugendarbeit zu stärken. So hatten sie im Sommer 2002 die regionale Chorjugend im Landkreis Gießen gegründet. Die Idee dahinter: Von der Verbandsebene aus den Vereinen zu helfen. Dafür gab es seinerzeit etwa Kinderchorstudios, mit denen Nachwuchschöre gefördert wurden. Diese Initiative bestand bis 2010; dann wurden die gemeinsamen Aktivitäten mangels Resonanz wieder eingestellt. Seither wird in den jeweiligen Sängerbünden eigenständig vielfältige Nachwuchsarbeit betrieben.

In den Genuss deutlich erhöhter Förderung sollen zudem die Musikschulen kommen. Als öffentlich getragene Bildungseinrichtungen sollen sie möglichst vielen Kindern und Jugendlichen, aber auch Erwachsenen und Senioren Zugang zum Musizieren ermöglichen. Die kräftigeren Zuschüsse soll sicherstellen, dass die Musikschulen auch in Zukunft weiterhin ihrem Bildungsauftrag gerecht werden können und die Unterrichtsgebühren für die Schüler auf einem akzeptablen Niveau bleiben, so die Begründung der Koalition. Jeder solle sich musikalische Bildung leisten können - unabhängig von der sozialen Herkunft.

Mit dem Anheben der Zuschüsse an das Kino in Grünberg ("Apollo", "Turm") und das Kino "Traumstern" in Lich auf insgesamt 12 000 Euro sollen diese beiden Unternehmen gestärkt und gesichert werden. Die sinkenden Publikumszahlen und der digitale Umbruch stellen auch die beiden Kinos im Landkreis vor große Herausforderungen, sieht man beim Kreis Problemlagen. Die Kinos im ländlichen Raum seien jedoch Begegnungsorte, die nicht durch Streaming-Dienste ersetzt werden können. "Kultur muss auch auf dem Land stattfinden. Es darf nicht alles nach Gießen verlagert werden", so das Plädoyer der Sozialdemokratin Annette Henkel.

Lesen Sie auch die Kino-Bilanz auf Seite 33

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare