+
"Der Baum ist tot, er weiß es nur noch nicht." Revierleiter Udo Steiger und der kommissarische Forstamtsleiter Ralf Jäkel zeigen eine geschädigte Buche.

Mehr Buchen werden fallen

  • schließen

"Die Buche ist auf lange Sicht nicht mehr so stabil, wie wir bisher geglaubt haben", sagt Ralf Jäkel vom Forstamt Wettenberg. Sie wird zwar eine wichtige Baumart bleiben - aber sie wird verlieren, prognostiziert der Forstmann. Zumal aktuell Bäume Schäden zeigen, die man im Frühling noch für gesund und stabil gehalten hat.

Der kommissarische Forstamtsleiter Ralf Jäkel klingt besorgt: "Schauen Sie hier, der Baum ist hinüber. Er weiß es nur noch nicht. Aber er wird das kommende Jahr nicht überstehen. Oder der hier: Im Sommer hätte ich noch gesagt, der Baum ist stabil: Jetzt ist er kaputt." Jäkel steht mit Revierleiter Udo Steiger im Krofdorfer Forst und zeigt die Schäden an Buchen auf. Die eine hat schwarze Flecken auf der Rinde, die sich im Innern fortsetzen, bei der anderen ist Schleimfluss zu erwarten. An einem dritten Stamm haben sich bereits Pilze angesiedelt. Alles Symptome, die auf Schädigungen hinweisen, die für die Bäume lebensbedrohlich bis tödlich sind.

Steiger und Jäkel zeigen sich regelrecht erschüttert ob der unglaublichen Rasanz, mit der die Schäden insbesondere an den Buchen voranschreiten. Und das nicht nur im Krofdorfer Forst, sondern an vielen Orten. Die Konsequenz: Es werden womöglich mehr Buchen sterben als erwartet, und es werden auch mehr eingeschlagen werden.

Jäkel und Steiger haben jahrzehntelange Erfahrung im Forst, doch was da momentan passiert, das haben sie so noch nicht erlebt. Früher reichte ihnen der Blick in die Krone einer Buche, um sagen zu können: Jawohl - der Baum ist gesund. Heute ist das nicht mehr unbedingt gültig. Da kann es sogar passieren, dass bei 100-jährigen Riesen die Säge angesetzt wird, um den Baum zu ernten, solange er noch in einem Zustand ist, in dem er auf dem Markt etwas bringt - und dann bricht beim Fällen die Krone regelrecht ab.

Was den Bäumen so zusetzt, das sind die dürren Jahre: Zwei trockene Sommer in Folge, und auch in den Jahren davor eher weniger Niederschlag als nötig - das ist mehr als Stress für die Bäume. "Letztlich ist alles eine Frage des Wassers", sagt Jäkel. Seinen Messungen zufolge fehlte in den vergangenen vier Jahren ein kompletter Jahresniederschlag. Und das lasse sich auch mit einem eher kühlen oder feuchten Jahr nicht wieder richten.

In der kommenden Woche beginnen die Waldarbeiter mit der Holzernte, und wenn in den Wintermonaten Holz eingeschlagen wird, dann werden damit auch erste Weichen gestellt für einen Umbau des Waldes. Die Hoffnung der Forstleute zielt auf einen klimastabileren, jüngeren Wald, sagt Udo Steiger. Er spricht von einem "sich ändernden Waldbild, denn der alte Wald geht schneller, als wir wollen". Wobei steuernd eingegriffen wird.

Da die Buche auf lange Sicht nicht mehr als so stabil erachtet wird, setzt man vermehrt Hoffnungen in die Eichen. Die Buche werde zwar eine wichtige Baumart bleiben, wenngleich sie verliert, sagen die Förster. Ihre Hoffnung: Heute noch ganz junge Buchen lernen mit dem Mangel umzugehen.

Doch jetzt werden im Mischwald teils auch jüngere Buchen entnommen, um den Eichen, die gerade in den ersten Wachstumsjahren viel Licht brauchen, die nötige Helligkeit zu geben. Eines der Ziele sei jetzt, den klimastabileren Eichen zu helfen. Zugleich wird mit dem Einschlag von Buchen einer Entwertung des Holzes vorgebeugt. Bleiben vorgeschädigte Bäume noch eine Weile im Wald und nehmen die Schäden zu, dann lässt sich das Holz gar nicht mehr vermarkten.

Die Prognose des Wettenberger Forstamtsleiters Jäkel: In 40 oder 50 Jahren wird der heimische Wald vermutlich deutlich anders aussehen als heute. Fichten werden vielfach verschwinden, die Buchen werden weniger. Stattdessen kommen Weißtanne, Douglasie und Esskastanie, vielleicht auch die Flaum-eiche. Derzeit haben die Forstleute ein Portfolio von 14 Baumarten im Blick, denen Zukunftsfähigkeit zugetraut wird, wenn sich das Klima langfristig ändert. Hauptbaum-art an einem Standort wie dem Krofdorfer Forst könnte in Zukunft also die Eiche sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare