Beim Public Viewing ist die Freude groß als klar wird, dass das Förderbündnis Familienzentrum Königsberg mit 10 000 Euro ausgezeichnet wird. FOTO: LKL
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Beim Public Viewing ist die Freude groß als klar wird, dass das Förderbündnis Familienzentrum Königsberg mit 10 000 Euro ausgezeichnet wird. FOTO: LKL

Mit Maske, Abstand und Happy End

  • vonLena Karber
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2019 ging das Familienzentrum Königsberg beim Deutschen Kita-Preis noch leer aus. Diesmal war die Freude über Platz zwei umso größer. "Wir haben gehofft, neben Lob und Wertschätzung diesmal auch ein paar Euros zu bekommen", sagte Bürgermeisterin Patricia Ortmann. Weit weniger ausgelassen war die Gefühlslage in Lich.

Nachdem das dritte Bündnis für frühkindliche Bildung ausgezeichnet worden war, machte sich in der Mehrzweckhalle Königsberg leichte Unruhe breit. Eine Mutter schüttelte nervös mit dem Kopf und blickte zur Decke. Nur noch ein zweiter Platz mit einem Preisgeld von 10 000 Euro und der Hauptgewinn in Höhe von 25 000 Euro waren zu vergeben. Die restlichen fünf Finalisten des Deutschen Kita-Preises würden leer ausgehen. Und noch immer war der Name des Königsberger Familienzentrum nicht gefallen.

Eigentlich sollte die Preisverleihung im Mai in Berlin stattfinden, doch wegen Corona mussten sich die 20 Finalisten in diesem Jahr länger gedulden und konnten die Bekanntgabe der Sieger nur per Livestream verfolgen. Unter den Anwärtern waren zwei Kandidaten aus dem Kreis: Neben dem Förderbündnis Familienzentrum Königsberg, das in der Kategorie "Lokales Bündnis für frühe Bildung des Jahres" antrat auch der Waldkindergarten Lich in der Kategorie "Beste Kita des Jahres".

Trotz Corona versuchten sie in Lich und Biebertal, ein kleines Event daraus zu machen: Während sich das Team der Licher Waldfüchse am Dienstag in kleinem Rahmen gemeinsam vor dem Fernseher versammelte, gab es in Königsberg ein Public Viewing in der Mehrzweckhalle - wie im Vorjahr, als das Bündnis im Finale leer ausgegangen war, nur diesmal mit Maske, Abstand und mit Happy End. Denn als gegen 17.15 Uhr bekanntgegeben wurde, dass der vierte zweite Platz und damit 10 000 Euro nach Königsberg gehen, war die Freude groß. "Wir haben alle schwer mitgefiebert", sagte Biebertals Bürgermeisterin Patricia Ortmann. "Wir haben gehofft, neben Lob und Wertschätzung diesmal auch ein paar Euros zu bekommen."

Die Initiative zur erneuten Teilnahme an dem Wettbewerb sei als "Prozess von unten" stets von den Kita-Fachkräften gekommen. Diese hätten nach dem Finale 2019 bereits im Zug darüber nachgedacht, was man noch besser machen oder herausstellen könnte, erzählte Ortmann - offenbar der Schlüssel zum Erfolg. Denn neben der Verankerung im Dorf, dem großen bürgerschaftlichen Engagement und die Vielfältigkeit der Bildungsangebote, hatte genau das die Jury überzeugt. "Das Auswahlgremium sieht einen deutlichen Entwicklungssprung seit der Teilnahme am Kita-Preis im letzten Jahr und ist begeistert, wie das Feedback umgesetzt wurde", hieß es in der Begründung.

Ein Stichwort sei dabei die Digitalisierung gewesen, verriet Ortmann. Auf neu angeschafften Tabletts könnten sich die Kinder nach dem Besuch eines Bauernhofes nun beispielsweise damit beschäftigen, was eine Kuh wiegt oder wie viel sie so frisst. Die stärkere Verknüpfung von analogen Erlebnissen und digitalem Lernen sei ein Baustein des Erfolgs, glaubt sie.

Als Erfolg wertete auch Anke Stahl, die Leiterin des Fachbereiches Soziales, das Abschneiden des Bündnisses. "Frau Blaschek, die Kita-Leiterin, hat die Kinder heute morgen bereits gefragt, was sie sich wünschen würden", erzählt sie. Die Antworten: Ein Baumhaus, ein Trampolin und eine Hängematte. Zudem plane der Förderverein die Einrichtung eines Kreativraums, in dem sich die Kinder mit Fingerfarben und Co. so richtig austoben können.

Sascha Lepper, Vorsitzender des Fördervereins konnte aus beruflichen Gründen nicht in Biebertal sein, verfolgte die Preisverleihung jedoch ebenfalls per Livestream. "Ich bin dankbar, in einem Ort leben zu können, in dem sich viele Menschen mit ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten für die Kinder, die Kita und die Eltern einsetzen", sagte er. "Dieser Preis ist Motivation und Verpflichtung zugleich, unseren Weg weiterzugehen."

Den Weg weitergehen will man auch in Lich, obwohl der Waldkindergarten nicht ausgezeichnet wurde. "Wir sind fest davon überzeugt, dass wir den Kindern etwas Fantastisches bieten und traurig, dass das nicht erkannt wurde", sagte die pädagogische Leiterin Andrea Dobrick. "Es geht nicht um Geld, sondern um Anerkennung, um Anerkennung für Waldkindergärten und Naturpädagogik."

Obwohl angesichts der großen Konkurrenz - von den insgesamt 1529 Bewerbungen entfielen nur 140 auf die Bündnis-Kategorie, der Rest waren Kitas - sicherlich bereits der Finaleinzug als großer Erfolg zu werten ist, zeigte sie sich unzufrieden. Als Waldkindergarten habe man nicht in das Bewertungsschema gepasst, da man "kein Angebotskindergarten" sei. "Es ergeben sich aber unendlich viele Angebote aus der Natur", sagte Dobrick. Eine kurze Stippvisite eines Expertenteams im Februar sei daher nicht zielführend: "Einen Waldkindergarten kann man nicht in zwei Tagen verstehen."

Laut Dobrick wollen sich die Waldfüchse nicht noch einmal für den Kita-Preis bewerben. Das Gleiche gilt auch für die Königsberger, denn dort hat man mit Rang zwei den gewünschten Erfolg erzielt.

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