Blick ins Archiv: Gallusmarkt-Eröffnung 2014. Bleibt zu hoffen, dass Grünberg 2021 wieder sein Volksfest feiern darf und die Pandemie Geschichte ist. FOTOS: AGE/FP
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Blick ins Archiv: Gallusmarkt-Eröffnung 2014. Bleibt zu hoffen, dass Grünberg 2021 wieder sein Volksfest feiern darf und die Pandemie Geschichte ist. FOTOS: AGE/FP

Marktfahne wird trotz allem gehisst

  • vonred Redaktion
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Stets am Dienstag der Gallusmarktwoche wendet sich Grünbergs Bürgermeister vom Rathaus herab an die "Grimmicher". Am Ende seiner Jahresbilanz steht stets die vielbeklatschte Eröffnung des Volksfestes. Das fällt dieses Jahr flach - die Pandemie verbietet das Feiern. Im Interview verrät Bürgermeister Frank Ide, was er besonders vermisst und trotz Corona geschafft wurde.

Die Eröffnung des Gallusmarktes am Dienstagabend reicht bis ins Jahr 1928 zurück. Der damalige Bürgermeister Jöckel wandte sich als Erster mit einer kurzen Rede an die Grünberger. Und wenig später flatterte die blau-weiß-rote Marktfahne am Rathaus. So hätte es eigentlich auch heute sein sollen. Nach dem Laternenumzug der "kleenen Grimmicher" und bevor die Erwachsenen zum feucht-fröhlichen "Zug durch die Gemeinde" aufbrechen. Eigentlich.

Herr Ide, was werden Sie heute Abend am meisten vermissen ?

Viele Dinge, am meisten aber die Kinder. Viele mit selbst gebastelten Laternen, mit denen wir durch die Stadt zum Gallusmarktplatz ziehen würden.

Auf was hätten Sie sich heute sonst noch gefreut?

Natürlich auf das Verlesen der Gallusmarkturkunde durch die Herolde, auf die Gallusmarktkommission mit einem Armagnac in der Hand und unsere Märtfraa mit dem "Schusterpech".

Grünbergs Zeitrechnung geht ja von Gallmärt zu Gallmärt. Zur Eröffnung ziehen Sie stets Bilanz. Was wäre darin vorgekommen?

Zunächst kulturelle Veranstaltungen wie die Krimilesungen, das 25. Jahreskonzert des Jazzclub, die sieben (!) Aufführungen der Theatergruppe Lehnheim oder die Kinderkulturtage. Und: Dank der Mitarbeiterinnen im Kinder- und Jugendbüro konnten sogar die Ferienspiele coronagerecht stattfinden.

Apropos coronagerecht: Das Stadtmuseum hat sich da etwas Besonderes einfallen lassen.

Während der Schließung konnten sich Besucher auf einen virtuellen 3-D-Rundgang begeben. Ansonsten sind die Sonderausstellungen zu Erwin Stein und zum Vulkanismus oder die Buchvorstellung zum 75. Jahrestag des Bombenangriffs nicht zu vergessen. Auch die Ausstellung "600 Jahre Wasserkunst" im Rathaus fand viel Resonanz.

Die Pandemie hat viele Planungen zunichte gemacht. Was fällt Ihnen dazu als Erstes ein?

Kein Grünberg auf der Rolle, kein Open Air-Kino, keine Musiknacht, kein Himmelfahrts-, kein Gallusmarkt, keine Fahrten in die Partnerstädte - Vieles musste abgesagt werden. Ebenso der Kreisfeuerwehrtag in Queckborn. Richtig bitter für die Feuerwehr, die sich viel Mühe gemacht hatte.

War da nicht noch ein besonderes Jubiläum?

Ja, 800 Jahre Stangenrod. Auch hier hatten die Organisatoren viel Arbeit investiert. Leider konnte zunächst nur ein - wenn auch bemerkenswertes - digitales Eröffnungs-Café-Video ins Netz gestellt werden. Die hervorragende Chronik war dann aber für viele die gewünschte Sommerlektüre.

Die Pandemie hat viele Veranstaltungen verhindert, wie aber sah es im Bausektor aus?

Trotz Corona gab es da kaum Stillstand. Die Kita "Zauberwald" wird Ende Oktober eröffnet, in Harbach geht der Bürgerhausbau gut voran, die Grundstücke im Neubaugebiet werden noch dieses Jahr verkauft. In Lumda wurde die Brücke am Feuerwehrhaus fertig, der Bebauungsplan fürs Gewerbegebiet steht im Entwurf. In der Kernstadt hat die Sparkasse 26 Wohnungen geschaffen, auch an der TKS, der Grundschule sowie auf der Sportschule tut sich einiges.

Und wie war das mit dem Freibad?

Im Endeffekt waren wir froh, Mitte Juni endlich öffnen zu können. Die neue 58 Meter- Rutsche war der Anziehungspunkt (dass die Besucherzahlen, auch wegen der Zugangsbeschränkung auf 300 Gäste, dennoch bescheiden ausfielen - dieses Schicksal teilt Grünberg mit anderen, die Red.).

Die Förderung des Radverkehrs ist in jüngster Zeit in aller Munde. Wie sieht es in Grünberg aus?

Mit Grünberg-Göbelnrod konnte ein neuer Radweg eröffnet werden. Wohl auch ein Grund dafür, dass die Grünberger beim Stadtradeln super drauf waren: Über 250 Teilnehmer radelten in drei Wochen über 63 000 Kilometer. Zum Thema Freizeit passen auch Fußball-Golf in Göbelnrod sowie die interaktive Stadtrallye und das "Waldbaden" als neue Angebote des Tourismusbüros.

Was sollte man in der "Grimmicher Jahresbilanz" noch hervorheben?

Großer Dank gebührt allen, die bei der Aktion "Grünberg hilft" mitgemacht haben. Ebenso jenen, die im Sinne der GWG-Aktion "Wir sind für euch da" weiter in Grünberg einkaufen. Leider mussten wir von Alt-Bürgermeister Herzog Abschied nehmen. Die Firma Bender wurde als Hessen-Champion "Innovation" ausgezeichnet, und auch beim Umweltpreis der Stadt siegte sie gemeinsam mit der Schutzgemeinschaft Reinhardshain.

Was macht Frank Ide eigentlich heute Abend?

(Lacht) Wir werden auf jeden Fall die Marktfahne hissen, die Marktglocke läuten und im kleinen, coronakonformen Rahmen ein Bier trinken.

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