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Betreuungsplätze sind in Lich seit Jahren rar. Mittlerweile warten 133 Kinder darauf, eine Kita besuchen zu können. Kurzfristige Maßnahmen sollen Abhilfe schaffen. SYMBOLFOTO: DPA

Mangelware Kita-Platz

  • VonChristina Jung
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133 Mädchen und Jungen warten in Lich derzeit auf einen Kita-Platz. Es besteht akuter Handlungsbedarf. Lösungsvorschläge gibt es bereits. Übergangsweise will man sich vorwiegend mit Containerbehausungen behelfen.

Als Wohnort erfreut sich Lich seit Jahren großer Beliebtheit. Quasi am laufenden Band hat die Stadtverordnetenversammlung in der Vergangenheit Neubaugebiete ausgewiesen, dabei aber offenbar die notwendige Infrastruktur zu wenig im Blick gehabt. Insbesondere was die Kinderbetreuung in der Kommune angeht, die mit dem Wachstum nicht Schritt gehalten hat. Das Ergebnis präsentierte Bürgermeister Dr. Julien Neubert gemeinsam mit der zuständigen Verwaltungsmitarbeiterin Bianka Heyer den Mandatsträgern des Ausschusses für Wirtschaft, Soziales, Digitalisierung, Tourismus, Sport und Kultur am Montagabend: 133 Kinder warten in Lich derzeit auf einen Betreuungsplatz, 92 davon sind unter drei Jahren. Neubert: »Wir haben eine Situation, die dringendes Handeln erfordert.«

Wie das aus Sicht von Verwaltung und Magistrat aussehen kann, erklärte der Rathauschef gleich im Anschluss. Um der Kitaplatznot entgegenzuwirken, ist die kurzfristige Einrichtung neuer Gruppen geplant - eine im Licher Pflanzgarten für 20 Kinder über drei Jahren als fester Bestandteil des städtischen Betreuungsangebotes, darüber hinaus, als Übergangslösung bis zur Fertigstellung der neuen Einrichtung in der Oberstadt, eine Container-Kita mit drei Krippen- oder zwei altersübergreifenden Gruppen.

Not-Naturgruppe

Damit nicht genug: In Langsdorf soll eine Not-Naturgruppe für 20 Ü-3-Kinder in der Grillhütte entstehen, zudem eine Containerbehausung für zwei Gruppen - die Vorarbeiten laufen bereits. Und auch in Eberstadt wird eine Notgruppe für 20 Kinder über drei Jahren entstehen, zunächst im Dorfgemeinschaftshaus. Spätestens 2022 soll diese ebenfalls in Container umsiedeln, gemeinsam mit den beiden Gruppen der bestehenden Kita wegen des dort zwecks Erweiterung geplanten Um- und Anbaus. Diese kurzfristigen Maßnahmen bringen laut Neubert zusätzliche 116 Plätze (120 wenn in der Licher Container-Kita zwei altersübergreifende statt drei Krippengruppen eingerichtet werden).

Langfristig ist die Schaffung von 239 zusätzlichen Betreuungsplätzen vorgesehen. Neben der Erweiterung der Kita Eberstadt um zwei Gruppen soll in den Guteleutsgärten in Lich ein fünfgruppiger Neubau entstehen - der Satzungsbeschluss ist für Herbst 2022 geplant. Außerdem sind Erweiterungen in Langsdorf und Muschenheim um je zwei Gruppen vorgesehen.

Viel Lob erhielt Neubert nach der Präsentation für die Lösungvorschläge, unter anderem von Andreas Abert (CDU). »Das zeigt, dass hier von Seiten des Magistrats und der Verwaltung aktiv gehandelt wird«, so Abert, der sich angesichts dieser »massiven Entwicklung nach oben« allerdings zusätzliche Informationen zu den finanziellen Auswirkungen auf den Haushalt wünschte. Auch wenn noch nicht alle Kostenschätzungen vorliegen, Neubert rechnet allein für die kurzfristigen Maßnahmen mit einem siebenstelligen Betrag.

Lob, aber auch deutliche Kritik, kam aus den Reihen der Freien Wähler. Sascha Ott warf den schon länger tätigen Mandatsträgern vor, die aktuelle Situation verschuldet zu haben. Bereits vor fünf Jahren hatten die FW angesichts des kontinuierlichen Bevölkerungszuwachses und der Vermarktung neuer Baugebiete die Entwicklung eines zukunftsfähigen Konzeptes für die Kinderbetreuung gefordert. Die Mehrheit der Parlamentarier sah dafür allerdings keine Notwendigkeit. Ott: »Die politisch Verantwortlichen haben das verkackt. Jetzt müssen wir viele Steuergelder in die Hand nehmen.«

Neubert relativierte. Von den nun entstehenden Kosten sei ein Neubau nicht finanzierbar. Außerdem sei es nicht so, dass sich seit dem FW-Antrag nichts getan habe. Am Fuchsstrauch wurde eine ehemaligen Flüchtlingsunterkunft zur Kita umgebaut, an der Asklepios-Klinik ein Neubau errichtet. Dennoch gab er mit Blick auf seine Zeit als Parlamentarier selbstkritisch zu: »Man hätte bei dem einen oder anderen Baugebiet mehr an die Kitas denken müssen.« Als Bürgermeister allerdings habe er die Problematik »sehr, sehr ernst genommen.«

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