"Man weiß nicht, was tatsächlich war"

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Gießen/Buseck (se). Freispruch für einen 63-jährigen Gießener: Ihm wurde vorgeworfen, im Januar 2018 seine von ihm getrennt lebende Ehefrau aus Buseck zu sexuellen Handlungen genötigt zu haben. Das Schöffengericht Gießen unter dem Vorsitz von Richterin Sonja Robe sah jedoch in den Aussagen der 38-Jährigen "zu viele Widersprüche". Nach Ansicht des Gerichts habe sie in wichtigen Details außerdem keine Antworten gegeben. "Es kann sein, dass er es gewesen ist, aber auch, dass er es nicht gewesen ist", erklärte die Richterin. Dem Mann war vorgeworfen worden, er habe die Frau auf der Straße zum ehemaligen Atomwaffendepot zwischen Daubringen und Alten-Buseck genötigt. Teile des Tatgeschehens stellte nicht nur das Gericht infrage, sondern auch Verteidiger Henner Maaß und Oberstaatsanwältin Yvonne Vockert, die in ihrem Plädoyer sagte: "Man weiß nicht, was tatsächlich war." Unter Anwendung des Rechtsgrundsatzes "im Zweifel für den Angeklagten" forderte sie einen Freispruch.

Die Oberstaatsanwältin bezeichnete die Kommunikation der beiden miteinander in einem Chat als "völlig normal". In vorangegangenen Aussagen hatte die als Nebenklägerin aufgetretene 38-Jährige allerdings behauptet, Angst vor ihrem Noch-Ehemann zu haben. Der Chat habe aber gezeigt, dass eher der Angeklagte misstrauisch gewesen sei. Verteidiger Henner Maaß wies in seinem Plädoyer noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass nicht die Unschuld seines Mandanten bewiesen werden müsse. Seiner Überzeugung nach sei der Angeklagte einer Schuld nicht überführt worden, ergo freizusprechen. Dagegen sah Oliver G. Schäfer, Rechtsbeistand der Nebenklägerin, keinen Anlass, die Glaubwürdigkeit seiner Mandantin anzuzweifeln.

Zuvor hatte die Schwester des Angeklagten ausgesagt. Nicht ihr Bruder, seine Frau sei die bestimmende Person in der Ehe gewesen. Damit widersprach sie der Nebenklägerin, die ausgesagt hatte, dass der Beschuldigte "immer über alles bestimmt" habe.

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