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Ehrungen: (v. l.) Josef Benner, Karl-Heinz Eller und Vorsitzender Manfred Paul. FOTO: PM

"Man kann mit Geld nicht alles ausgleichen"

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Gießen/Wetzlar(pm). Neben dem Geschäftsbericht und Ehrungen standen Themen wie Flächenverluste, Betriebsaufgaben, Umweltauflagen und Öffentlichkeitsarbeit im Mittelpunkt der Diskussionen anlässlich der mitgliederoffenen Vertreterversammlung des Bauernverbandes Gießen/Wetzlar Dill in Hüttenberg. Erstmals stellte sich im Bürgerhaus Hüttenberg der Geschäftsführer des Landwirtschaftsverlages Hessen, Josef Benner, auch als neuer stellvertretender Generalsekretär des Hessischen Bauernverbandes mit einem Vortrag zur aktuellen Situation der Landwirtschaft und des Verbandes vor.

Vorsitzender Manfred Paul ließ zunächst das arbeitsreiche Jahr 2019 Revue passieren. Aus landwirtschaftlicher Sicht habe das Jahr mit Schäden durch späte Fröste begonnen. "Damit können wir umgehen, wir arbeiten seit jeher in und mit der Natur." Aufgrund der Trockenheit habe es eine verhaltene Ernte gegeben, vor allem der Wald habe unter dem zweiten Dürrejahr in Folge sehr gelitten.

"Die Landwirtschaft ist heute hochspannend", stellte Paul fest und konnte dies anhand der zahlreichen Termine, die er und seine Vorstandskollegen besucht hatten, belegen. Besonders hob er die Gespräche mit Behörden zu den Themen Biodiversität, Flächenverbrauch und Regionalität hervor. Zur Düngeverordnung sei man unter anderem im Landtag zu Gesprächen gewesen.

Zum Thema Wolf habe man erst kürzlich in Grünberg die Positionen der Landwirte deutlich gemacht: "Der Wolf gehört nicht in unsere dicht besiedelte Region. Und eine Herde, die einmal einem Wolfs- angriff ausgesetzt war, ist praktisch nicht mehr im Freiland zu führen", so der Verbandsvorsitzende. Entschädigungen seien hier genauso wenig hilfreich wie die "Bauernmilliarde" im Zusammenhang mit dem neuesten Agrarpaket. "Man kann mit Geld nicht alles ausgleichen", resümierte Paul die schwierige Lage.

Die aktuellen Demonstrationen, die vor allem von jungen Bauern über die sozialen Medien organisiert werden, bewertet der Verbandsvorsitzende positiv. "Diese Aktionen sind topp. 10 000 Schlepper in Berlin zeigen, dass wir uns nicht alles gefallen lassen." Es habe sich gezeigt, dass viele junge Leute, die sich in der organisatorisch unabhängigen Bewegung "Land schafft Verbindung" zusammengefunden haben, zur Mitarbeit im Bauernverband motivieren lassen.

Dies sei ein positives Signal, denn die Herausforderungen für die Branche seien enorm: Auflagen, Landverluste, Betriebsaufgaben und Öffentlichkeitsarbeit verlangten den Vertretern viel ab. "Wir müssen als Bauernschaft zusammenstehen", so Manfred Paul.

Der von Hans-Martin Sames vorgestellte Jahresabschluss 2019 wurde einstimmig genehmigt; Vorstand und Geschäftsführung wurde einstimmig Entlastung erteilt. Einstimmig wiedergewählt wurden Mathias Fritz (Lollar) als stellvertretender Vorsitzender, Peter Fay (Pohlheim) als Beisitzer, Anneliese Jung (Pohlheim) als Vertreterin der Landfrauen und Daniel Seipp (Lich) als Vertreter der Landjugend. Der langjährige Vorsitzende des Ortsbauerverbandes Bettenhausen, Karl Heinz Eller, wurde für seinen 43-jährigen Einsatz für die heimische Landwirtschaft mit der Silbernen Ehrennadel des Hessischen Bauernverbandes ausgezeichnet.

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