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Mainzlar, wie es singt und lacht

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Der Höhepunkt der Faschingssaison naht, auch in Mainzlar. Seit Jahrzehnten sind Prunksitzungen & Co. im Dorf fest verankert. Nun feiert die Karnevalsabteilung Jubiläum. Was hat sich verändert? Zwei Faschingsveteranen schauen zurück und nach vorn.

Vertieft in Erinnerungen schmökern Norbert Zwiener und Karl Friedrich Zecher in einem dicken Buch. Darin ein riesiger Fundus an Fotos. Schnappschüsse von Kostümen, Musikgruppen, Tanzgarden, Büttenrednern und gemeinsamen Ausflügen.

Zwiener hat Tausende Fotos gesichtet und die Geschichte des Mainzlarer Karnevals auf diesen Seiten zusammengefasst. Eine Hommage an die Karnevalsabteilung des TV Mainzlar, an 44 närrische Jahre in dem Staufenberger Stadtteil. Sogar Volker Bouffier hat ein Grußwort geschickt und gratuliert zum Jubiläum. Auch, wenn er es vermutlich nicht selbst geschrieben hat: Der Gruß des Ministerpräsidenten ist ein Indiz dafür, dass die Mainzlarer Karnevalisten sich in der Region einen Namen gemacht haben.

Erste Prunksitzung im Jahr 1976

Dabei kommen die Mainzlarer Narren in Sachen Organisationsform bescheiden daher: Im Gegensatz zu vielen anderen Karnevalsgruppen in der Region bilden sie keinen eigenen Verein, sondern sind eine Abteilung des Turnvereins (TV). 1975 war Zecher Vorsitzender des TV Mainzlar. "Ich dachte: Wir bräuchten mal irgendeine gemeinsame Veranstaltung für den ganzen Verein", blickt der 83-Jährige zurück. Es folgte die Geburtsstunde des organisierten Karnevals in dem sportbegeisterten Dorf: die Prunksitzung im Februar 1976 - seinerzeit noch im "Saalbau Müller", mit einem "Viererrat" und, wie Fotos zeigen, zurückhaltend gekleidet: weißes Hemd, schwarze Hose. Das damalige Motto: "Mainzlar, wie es sinkt und dennoch lacht." "Die Hütte war brechend voll", sagt Zecher mit Blick auf Fotos in der Chronik zum Karnevalsjubiläum. Zwar hatte es, wie Zecher erwähnt, schon davor Faschingsveranstaltungen in Mainzlar gegeben. Doch mit der Gründung der Abteilung wurde es ernst.

In 44 Jahren hat die Karnevalsabteilung des TV Mainzlar manches Hoch und Tief erlebt. Zwiener erinnert sich an einen besonders traurigen Moment vor etlichen Jahren: Von 1989 bis 1998 hatte Diethard Scholz als Sitzungspräsident den Mainzlarer Karneval maßgeblich geprägt.

Kurz nach der Prunksitzung im Februar 1998 starb er überraschend und hinterließ eine klaffende Lücke in der Abteilung. "1999 hatten wir eine Einladung für die Karnevalssitzung in der Alten-Busecker Harbig-Halle", blickt Zwiener zurück. "Wir waren zu dritt dort. Daneben saßen die Rutterhäuser und Lollarer Abordnungen mit schicken Uniformen und jeweils 15 bis 20 Leuten. Wir hatten nur Westen, schwarze Hosen und die alten Komitee-Mützen. Ich hätte im Erdboden versinken können."

Der Mainzlarer Karneval war am Boden, so zumindest empfand es Zwiener damals. Er und andere Mitstreiter hauchten ihm schleunigst wieder Leben ein. Sie knüpften erneut Kontakte, die Besuche bei anderen Karnevalisten wurden wieder zahlreicher, ein "Elferrat" erneut aufgestellt.

In all den Jahren hat sich der Karneval auch in Mainzlar verändert. Heute gehören, gerade für Kinder-Prinzenpaare, ausgefeilte Kostümierungen dazu. In den Anfangsjahren fiel die Ausstattung bescheidener aus, erinnert sich Zecher, der erste Sitzungspräsident des TV in den Jahren 1976-1979. Man müsse sich heute auch anders auf das Publikum bei den großen Sitzungen einstellen: Es sei mittlerweile schwierig, wie früher mit Anekdoten aus dem Dorfleben die Leute zu begeistern. Auch sei es ratsam, die Büttenreden an den Anfang zu legen. Denn es werde weniger zugehört, je länger die Veranstaltung gehe.

Zwiener und Zecher hoffen, dass der Mainzlarer Karneval noch viele Jubiläen begehen kann. Worauf kommt es aus Sicht der beiden Faschingsveteranen an, um auf breites Interesse zu stoßen? "Ganz wichtig ist, die Leute auf längere Sicht für den Karneval zu begeistern. Das ist heute schwierig", sagt Zwiener. "Heute könnte man die Stadthalle bei Prunksitzungen nicht mehr nur mit Mainzlarern füllen", gibt Zecher zu bedenken.

Die Bindungskraft von Vereinen nimmt ab. Doch im Hinblick auf den Nachwuchs ist den beiden nicht bange. Auch in diesem Jahr gibt es wieder ein Mainzlarer Kinder-Prinzenpaar, es ist das mittlerweile 23. Zurzeit bestehe für Kinder gar ein "Aufnahmestopp", es mangle an Räumlichkeiten zum Üben, sagen die beiden Mainzlarer.

Die Prunksitzung am 8. Februar und die Kindersitzung am 22. Februar stehen nun bevor. Vor und nach der Veranstaltung gibt es alle Hände voll zutun. "Man muss den Leuten sagen: Du kannst nicht nur auf der Bühne stehen", meint Zecher, "ich habe immer die Toiletten sauber gemacht". Zwiener fügt hinzu: "Ich habe immer gesagt: Wer feiern kann, kann auch arbeiten." Ist die Nacht nach der Prunksitzung auch noch so kurz - am Morgen danach wird angepackt.

Manches haben sich die Mainzlarer Karnevalisten von den jecken Hochburgen abgeschaut. Etwa, dass zum Karneval auch Orden gehören. Stolz präsentiert Zwiener den "Puzzleorden", von dem die Abteilung 250 Exemplare herstellen ließ.

Kein Neid auf die jecken Hochburgen

Einen Traum hat sich Zwiener schon vor einigen Jahren erfüllt. "Ich wollte immer mal zu einer Sitzung nach Köln", sagt er. Zunächst fehlten ihm dafür die Kontakte, doch schließlich hat es geklappt. Beim Besuch einer Karnevalsmesse in Düsseldorf steuerte Zwiener den Stand des Festausschusses Kölner Karneval an, kam ins Gespräch - und zog Karten für eine Prunksitzung in Köln an Land. In den Folgejahren war er dort mehrmals.

Kommt bei den Mainzlarer Karnevalisten Neid auf, wenn sie sich die Ausmaße der jecken Tage in den Hochburgen am Rhein ansehen? "Nein, gar nicht", sagt Zwiener, "wenn da eine Garde mit 120 Leuten aufmarschiert - das könnten wir gar nicht machen". Das sieht Zecher ähnlich: "Dort ist das alles professionell. Man muss immer auch sehen, wo man herkommt und was man kann." So fällt der Karneval an der Lumda ein paar Nummern kleiner als am Rhein aus. Und doch wird an der Lumda auch nach 44 Jahren noch gesunken und gelacht.

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