Carsten Skill nimmt Kunststücke in seinem "Geheimzimmer" auf; Ehefrau Melanie filmt ihn.
+
Carsten Skill nimmt Kunststücke in seinem "Geheimzimmer" auf; Ehefrau Melanie filmt ihn.

Magischer Zeitvertreib

  • vonHans-Joachim Losert
    schließen

Zauberer bescheren ihrem Publikum magische Momente. Augenblicke, die vom Alltag ablenken. Durch die Corona-Krise sind Auftritte aber derzeit nicht möglich. Wie einige seiner Kollegen geht auch der Grünberger Carsten Skill neue Wege, um das Publikum weiterhin in seinen Bann zu ziehen.

Carsten Skill sitzt an einem kleinen Tisch in seinem "Geheimzimmer". Neben zahlreichen Requisiten und Scheinwerfern sind dort allerhand Bücher und DVDs zum Thema Zauberei aufgereiht. Sie beschreiben allerlei Kniffe, die beim Publikum für Staunen sorgen. Lachend erklärt Skill, dass deshalb dieser Raum in seinem Haus für die Familie größtenteils tabu ist - "und für Gäste sowieso".

Der Grünberger mischt ein Kartenspiel, fügt vier Münzen aus seinem "Antiquariat" dazu. Dabei handelt es sich um Fünf-D-Mark-Stücke, die er in die Ecken einer grünen Auflage postiert. Nun lässt er das Hartgeld beliebig unter den Karten verschwinden oder in einer anderen Ecke auftauchen.

Mit dabei ist immer Ehefrau Melanie, die die Kunststücke filmt. Denn mit solchen Beiträgen möchte Carsten Skill seinem Publikum die Zeit in der Corona-Krise versüßen. Er sendet die kurzen Videos per WhatsApp in verschiedene Gruppen. Die Beiträge sind zudem auf seiner Facebook-Seite oder seinem YouTube-Kanal zu finden. Zwölf Kurzfilme hat er bereits aufgenommen.

Rund 40 Auftritte absolviert der 44-Jährige pro Jahr. Bis Ende Mai war er bereits ausgebucht, hatte Verpflichtungen bei öffentlichen Veranstaltungen, Firmenfesten oder Hochzeiten. Die sind nun aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie sämtlich geplatzt. Skill hofft, dass es im Juni weitergeht. Doch inzwischen machen sich bereits "vorbeugende Absagen" bis in den August bemerkbar.

"Ich bin froh, dass ich nicht im Hauptberuf zaubere", sagt Skill und bedauert aufrichtig die Kollegen, die von ihrer Kunst leben müssen. Der Diplom-Ingenieur der Energie- und Wärmetechnik ist somit finanziell abgesichert.

In der freien Zeit fragte er sich: "Was mache ich Samstagabend? Es fehlt mir etwas, das mir viel Spaß bereitet." Mit den Kurzfilmen findet er den Applaus, den er sonst auf der Bühne erhält. Diesmal allerdings digital in der Resonanz und Zustimmung in den zahlreichen Kanälen.

Skill findet nun Gelegenheit, in seinen Beiträgen Material aufzunehmen, das er sonst im regulären Programm nicht zeigt. Die Stücke müssen kameratauglich sein - und nicht zu lang. Somit nutzt er die Möglichkeit, zu üben.

Zwei dieser Kunststücke haben es in den Ablauf für spätere Auftritte geschafft. Gezeigt werden Close-up-Attraktionen, also Tischzauberei mit Karten und Münzen. Die präsentiert Skill sonst bei Empfängen, geht damit von Tisch zu Tisch. Material, sagt er, findet er noch für fünf Wochen.

In seiner unverhofften Freizeit gelang dem Grünberger Zauberer ein Schnäppchen besonderer Art: Er erwarb ein Lehrbuch von Thomas Hierling. Das Werk des ersten Zauberkünstlers, der die Close-up-Zauberei in Deutschland und darüber hinaus etablierte - ist eigentlich seit 1990 vergriffen. Nun kann Skill ein Exemplar stolz sein Eigen nennen - ein positiver Aspekt in diesem speziellen Homeoffice. FOTO: FP

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare