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Schulsportstätten, wie hier die Sporthalle an der Theo-Koch-Schule in Grünberg, werden vom Vereinssport genutzt, wie der Schnappschuss von der Teambesprechung der Frauen der Bender Baskets Grünberg zeigt. Umgekehrt gibt es kommunale Sportstätten, die für den Schulsport genutzt werden. (Archivfoto: Oliver Vogler)

Die FDP macht Druck

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Wie geht es weiter mit der Sportstättenentwicklung im Kreis Gießen? Das Interesse, Schulen und Sportvereins- aktivitäten enger zu verzahnen, liegt auf der Hand. Was fehlt, ist ein gemeinsamer Plan. FDP-Mann Greilich zählt deshalb Schuldezernentin Schmahl an.

Nur 46 Seiten. Dicker ist das Papier zur Sportstättenentwicklung für den Landkreis Gießen nicht, das nach drei Jahren der Vorbereitungen im Juni das Licht der Öffentlichkeit erblickte. Groß war die Enttäuschung etlicher Kreistagsabgeordneter über das Ergebnis, das Schuldezernentin Dr. Christiane Schmahl am 18. Juni im Fachausschuss für Schule, Bauen und Sport als "Sportentwicklungskonzept für den Landkreis Gießen" vorstellte.

Wolfgang Greilich (FDP) spricht von einer "rudimentären Bestandsaufnahme" der Sportstättenversorgung im Landkreis Gießen, insbesondere im Bereich der Schulen. Er zeigt sich "massiv enttäuscht".

Der Liberale mahnt jetzt Nachbesserungen an: Das Papier soll in Zusammenarbeit mit dem Sportkreis und den Vereinen, der Sportkommission, der Stadt Gießen und den Gemeinden im Landkreis Gießen ergänzt werden. Und zwar um gemeinsames Planen für Hallen und Plätze der Vereine und Kommunen - wie es ursprünglich die Idee war. Schulsport dürfe nicht isoliert gesehen werden. Denn so wie Vereinssportler kreiseigene Sportanlagen nutzen, so findet Schulsport auch auf Plätzen und in Hallen statt, die im Eigentum von Vereinen oder Kommunen sind. Greilich sieht den Kreisausschuss in der Pflicht.

Dem Kreistag wird ein Antrag der FDP vorgelegt, der zur Nacharbeit auffordert. Benannt wird darin eine Frist, nämlich bis spätestens 30. Juni 2020. Danach soll sofort eine Anhörung der Sportvereine und des Sportkreises für die Erstellung des Sportstättenentwicklungsplanes durchgeführt werden. Das Ziel der FDP: Bis zum 30. Juni 2021 soll, so Greilich, "ein Sportentwicklungsplan für die Schulen und die sporttreibenden Vereine vorliegen, der diesen Namen verdient". Bei der Nacharbeit sieht Greilich eine "proaktive Rolle" des Kreises gefordert. Zumal schon knapp 33 500 Euro in die Bestandsaufnahme investiert wurden. Dies zeige aber, "dass eine Vervollständigung durch einen niedrigen fünfstelligen Betrag möglich ist".

Mit ihrer Kritik ist die FDP nicht alleine: Auch aus den Reihen der SPD (im Kreis mit den Grünen und den Freien Wählern in einer Koalition) regte sich Unmut über das vergleichsweise magere Ergebnis.

Welche Hintergründe das hat, das klang im Juni nur leise an: Es gab zwar eine Steuerungsgruppe mit Vertretern des Landkreises, der Städte und Gemeinden und des Sportkreises Gießen, doch deren Arbeit trug nicht sehr weit. Frühzeitig sei klar geworden, dass es keine gemeinsame Planung zwischen Landkreis und Kommunen geben werde, hieß es. Warum? Die Kommunen haben nicht mitgezogen, hieß es aus dem Kreishaus. Obwohl nicht zuletzt der Sportkreisvorsitzende Heinz Zielinski in der Bürgermeister-Dienstversammlung vehement dafür warb und vom Kreis die zweifache Aufforderung kam. Einzig die Gemeinde Buseck hat sich einem gemeinsamem Planungsprozess angeschlossen.

Die Datengrundlage jedenfalls ist geschaffen. Schmahl hat ein Sportstätten-Kataster vorgelegt, dass weitgehend vollständig alle Sportstätten im Kreis abbildet. Warum die Kommunen den Prozess nun nicht weitergehen, darüber will Schmahl nicht spekulieren. Es könnte an den Kosten liegen. Oder daran, dass Kommunen ihre eigenen Konzepte verfolgen. Nicht zuletzt könnte es sein, dass ein Konzept bei den Vereinen Wünsche weckt, die eine Kommune nicht willens oder nicht in der Lage ist zu zahlen.

"Es ist ein Prozess, der in der jeweiligen Kommune gewollt sein muss", sagt Schmahl. "Bis zur Erstellung eines solchen Planes müssen Akteure aktiviert werden und in Workshops gemeinsam den Bedarf an Sportstätten für die Zukunft erarbeiten. Die Bereitschaft der Kommunen, sich zu beteiligen, kann nicht durch den Landkreis von oben herab ersetzt werden."

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