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In der mächtigen Scheune im Hof und im Vorderhaus an der Gießener Straße sollen insgesamt neun altengerechte Wohnungen entstehen.

»Mach was Schönes draus«

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Gerhard Jockel hat sich mit der behutsamen Sanierung alter Häuser in seiner Heimatstadt Hungen einen Namen gemacht. Nun wagt er etwas Neues: eine Seniorenresidenz in einer ehemaligen Scheune.

An der Fassade am Haus Gießener Straße 3 hängt, ein bisschen schief, ein Transparent: »Hier entsteht in Kürze die Seniorenresidenz Hungen mit insgesamt neun altersgerechten Wohneinheiten«, lautet die Aufschrift. Ein Kran ragt in den Himmel. In der Scheune hinten im Hof geht es bereits richtig zur Sache. Der mächtige Fachwerkbau soll künftig sechs Wohnungen beherbergen, im Vorderhaus sind drei weitere vorgesehen.

Pilotprojekt

Der Mann, der hier investiert, hat dem Stadtbild von Hungen bereits an anderer Stelle seinen Stempel aufgedrückt. Gerhard Jockel hat sein Elternhaus in der Raiffeisenstraße und die ehemalige Bäckerei Frutig in der Obertorstraße saniert und gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Elke Patzer die verfallene Villa Grün in der Robert-Koch-Straße gerettet. Aber seniorengerechte Wohnungen hat er noch nie gebaut. Die kleine Residenz in der Gießener Straße 3 soll sein Pilotprojekt werden. Wenn es gut läuft, will er weitermachen. In seiner Heimatstadt Hungen gehören ihm noch andere Häuser und Grundstücke.

Jockel wurde 1951 in Hungen in eine alteingesessene Familie von Landwirten hineingeboren. Er ist hier aufgewachsen und tief verwurzelt, auch wenn er nicht immer hier wohnt. Der 70-Jährige kennt viele Menschen, und die Menschen kennen ihn und seine Sanierungsprojekte. »Zu mir kommen Leute, die ihre Häuser verkaufen wollen, aber möchten, dass sie erhalten bleiben«, erzählt er. Dann heiße es: »Mach was Schönes draus.« Dass es letztendlich auch schön wird, dafür sorgt Elke Patzer. »Sie ist die treibende Kraft«, sagt Jockel über seine Lebensgefährtin.

Auch das ehemalige landwirtschaftliche Anwesen in der Gießener Straße 3 sei ihm angeboten worden, berichtet der Bauherr, der, wie schon bei früheren Projekten, mit dem Licher Architekten Berchtold Büxel zusammenarbeitet. Die Fotos, die der Planer von der Liegenschaft vor Beginn der Arbeiten gemacht hat, zeigen zahlreiche Anbauten, die den Hof verschatten, und verfallene Holzverschläge auf dem Grün hinter der Scheune.

Mittlerweile haben die Baufirmen schon ordentlich was weggeschafft. Nur noch ein flacher Riegel, der einst Ställe beherbergte und künftig unter anderem die Heizungsanlage aufnehmen soll, verbindet das Vorderhaus mit der Scheune. In deren Fundamenten ist bereits der Schacht für den künftigen Aufzug zu erkennen. Die sechs Wohnungen in der umgebauten Scheune sollen auch für Menschen, die nicht gut zu Fuß sind, problemlos zu erreichen sein. Die 50 bis 105 Quadratmeter großen Apartments, alle mit Balkon oder Terrasse, sind altengerecht geplant mit barrierefreiem Zugang zu Schlafzimmern und Bädern sowie einem 24-Stunden-Notruf. Vorgesehen sind auch ein Gemeinschaftsraum und Plätze für Begegnungen in Hof und Garten. Eines stellt Jockel allerdings klar: »Das wird kein Pflegeheim.« Als künftige Mieter hat er Menschen im Sinn, die sich noch selbst versorgen, sowie solche, die in verschiedenen Abstufungen Unterstützungsangebote in Anspruch nehmen möchten. Ein Pflegedienst, der auch hauswirtschaftliche Leistungen anbietet, wird als Kooperationspartner zur Verfügung stehen.

Die Lage mitten in Hungen, nur ein paar Schritte von Arztpraxen, Apotheke, Geschäften und Bahnhof entfernt, findet der Bauherr ideal. »Zentraler geht es nicht.« Bis Sommer 2022 soll die Seniorenresidenz fertiggestellt sein. Noch hat Jockel gar nicht richtig mit der Werbung begonnen, da hat er schon erste Anfragen erhalten und die Erfahrung gemacht, dass sein Projekt nicht nur für Senioren interessant ist. Auch ein jüngerer Rollstuhlfahrer hat sich bei ihm gemeldet.

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