Luther hätte eingeschaltet

  • vonPatrick Dehnhardt
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Fünf Menschen, die 28 Tage lang im Sommer 2020 auf dem Lutherweg unterwegs sind - diese Geschichte erzählt am zweiten Weihnachtstag die Sendung "Schritt für Schritt" im ZDF. Für die Reportage hat das Fernsehteam auch in Nonnenroth gedreht.

Der Lutherweg ist kein Spaziergang: Über hunderte Kilometer führt er von Eisenach nach Worms. Der Reformator wählte dabei 1521 eine Route durch Mittelhessen, unter anderem durch Nonnenroth.

499 Jahre später begleitete nun ein Fernsehteam im Auftrag des ZDF eine Pilgergruppe auf dem "Lutherweg 1521". Am zweiten Weihnachtsfeiertag tag wird die Sendung ausgestrahlt. "Der Lutherweg ist prädestiniert zum Innehalten, zum Nachspüren und zur Selbstfindung", heißt es in einer Pressemitteilung des Zweiten Deutschen Fernsehens. "Das genau wollen Beate, Thomas, Katrin, Sarah und Eric." Die fünf Protagonisten kommen aus verschiedenen Ecken Deutschlands, haben unterschiedliche Gründe für ihre Pilgerreise. Während etwa Rentnerin Beate den Verlust ihres Mannes verarbeiten möchte, suchen Mutter Katrin und die 30-jährige Sarah nach mehr Sinn in ihrem Job. Für Manager Eric ist es bereits die dritte Pilgerreise und für Koch Thomas eine Premiere.

Im Augustinerkloster in Erfurt treffen sie das erste Mal aufeinander, bevor sie auf die hunderte Kilometer lange Wanderung aufbrechen. Was zunächst an "Ich bin dann mal weg" von Hape Kerkeling erinnert, bedeutet für die Gruppe Entbehrungen und schmerzende Füße. Gut - genau das beschreibt auch Kerkeling in seinem Buch, was man aber vielleicht am Ende des Texts schon vergessen hat. Denn genauso wie bei dem Comedian erlebten auch die ZDF-Pilger, dass solch eine Reise mehr ist, als nur eine Strecke von A nach B zurückzulegen. Es entwickelten sich Freundschaften zwischen den Weggefährten, es wurden Ansichten diskutiert, teils verschoben sich auch Perspektiven.

Ungefähr auf halbem Wege traf die Gruppe dann in Mittelhessen ein. Ortsvorsteher Werner Leipold erinnert sich noch gut daran, wie die Gruppe in Nonnenroth ankam. "Einigen taten die Füße richtig weh." Schnell besorgte er für sie die Zutaten für ein entspannendes Fußbad. "Als sie hier ankamen, waren sie fix und alle", bestätigt Pfarrer i. R. Hartmut Lemp.

Er freute sich, dass die Gruppe in Nonnenroth in der Schäferwagenherberge übernachtete. Zum einen, weil dadurch die idyllisch am östlichen Dorfrand von Nonnenroth gelegene Übernachtungsmöglichkeit deutschlandweit bekannt wird. Lemp: "Das ist der Bekanntheit von Nonnenroth nicht abträglich."

Doch noch viel spannender war es für ihn, die fünf Pilger selbst kennenzulernen. "Das waren fast alles Menschen, die nicht spirituell, sondern weniger religiös waren." Viele seien zuvor skeptisch gegenüber der Institution Kirche gewesen. "Man hat gemerkt, dass sich ihre Einstellung schon auf dem Weg bis Nonnenroth geändert hat", sagt Lemp.

Das Fernsehteam habe im Sommer gut einen Tag lang in Nonnenroth gedreht. "Das werden am Ende vielleicht fünf Minuten im Film werden", vermutet Lemp. Jedoch dürften es - zumindest für die Nonnenröther - die fünf spannendsten Minuten am zweiten Weihnachtstag werden.

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Ausstrahlungstermin von "Schritt für Schritt" ist am Samstag, 26. Dezember, um 18.15 Uhr im ZDF. Die Sendung ist danach auch in der Mediathek abrufbar.

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