Lurchi in Gefahr

  • Rüdiger Soßdorf
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Ein Hautpilz bedroht die Feuersalamander hierzulande. Um die Ausbreitung der Erkrankung und das Sterben von "Lurchi" zu verhindern, werden in der kommenden Woche bei einer Jagd allen Treibern und Jägern die Stiefel geputzt.

Wer als Kind bei Darré am Gießener Selterstor mit den Eltern Schuhe kauft, der bekommt bis heute ein Heftchen mit Lurchis neuen Abenteuern mit auf den Weg.

Lurchi und Schuhe - seit 1937 untrennbar miteinander verbunden. Der Salamander ist eine urdeutsche Werbe-Ikone des gleichnamigen Schuhherstellers aus Kornwestheim.

Doch Lurchis Überleben ist bedroht. Ironie des Schicksals: Die Gefahr geht just von Schuhen aus. Denn über das Schuhwerk können Pilzsporen durch die Lande geschleppt werden, die für Feuersalamander tödlich sind.

Die markant gezeichneten schwarz-gelben Tiere sind in Deutschland und in ganz Europa zurzeit durch einen Pilz bedroht. Der Hautpilz mit dem lateinischen Namen Batrachochytrium salamandrivorans oder abgekürzt "Bsal" wurde mit Molch-Importen aus Südostasien eingeschleppt und gelangte über den Zoofachhandel in Bestände von Feuersalamandern, weiß Prof. Hans-Peter Ziemek, einer der renommierten Wildbiologen der Gießener Justus-Liebig-Universität. Der Leiter des hessischen Salamander-Schutzprojektes ist schon seit geraumer Zeit in Sorge um die Bestände des Feuersalamanders.

Und wird deshalb in diesem Wochen vom Forstamt Wettenberg zu Rate gezogen. Um die Ausbreitung des Pilzes in der heimischen Region nicht auch noch zu befördern, wird bei der großen Revier-übergreifenden "Hessenjagd" Ende Oktober ein besonderes Hygienekonzept greifen.

"Wenn am Samstag in der kommenden Woche Jagdgäste von außerhalb kommen, etwa aus Nordrhein-Westfalen oder den Niederlanden, die gegebenenfalls in den Vortagen auf anderen Jagden ihre Schuhe mit den "Bsal"-Sporen kontaminiert haben, könnte diese Erkrankung auch auf die relativ gute Population bei uns übergreifen", so die Befürchtung des Wettenberger Forstamtsleiters Ralf Jäkel.

Er hat deshalb Professor Ziemek eingebunden. Der wird die Veranstalter der Jagd mit Studenten unterstützen und dafür Sorge tragen, dass das Schuhwerk der Jäger desinfiziert wird.

Ab 7 Uhr werden am Jagdtag am Forsthaus Waldhaus zwischen Krofdorf und der Schmelzmühle Schuhe geputzt. Nach der Jagd wird das Ganze wiederholt. Für die Fachleute ist es der erste Versuch, bei einer großen Jagd die Desinfektion durchzuführen.

Rein praktisch sieht das so aus: Alle Teilnehmer der Jagd werden gebeten, zwei paar Schuhe mitzubringen. Ein Paar wird während der Jagd getragen. Ziemek: "Ideal wären Gummistiefel, da die Desinfektion mit Ethanol und Virkon S (einem Desinfektionsmittel, Anm. d.Red.) erfolgt". Ein weiteres Paar Schuhe wird bei der restlichen Veranstaltung getragen. Die Schuhe sollten nach der Jagd in einem Heizungskeller oder einem anderen sehr warmen Raum bei über 30 Grad ein bis zwei Tage untergebracht werden. Denn der Pilz und seine Sporen werden bei solchen Temperaturen zerstört.

Forstamtsleiter Ralf Jäkel: "Da an diesem Tag sehr viele Jagdreviere gemeinsam zeitgleich jagen werden, kann diese Maßnahme bei uns allein natürlich das Risiko nur bedingt einschränken". Aber man will mit der Aktion auch bei den Nachbarn eine höhere Sensibilität wecken. Deshalb hat der Forstmann diese Vorkehrungen bereits Mitte September bei einer Vorbesprechung erläutert.

Wobei das Problem nicht nur an Jägern festzumachen ist, die sich mit demselben Schuhwerk in mehreren Regionen bewegen. Das gilt gleichermaßen etwa auch für Wanderer.

Prof. Ziemek erklärt die Problematik für die hier lebenden Lurche: Die in Europa vorkommenden Salamander konnten nicht in einer parallelen Entwicklung eine gewisse Stabilität gegenüber dem Pilz entwickeln. Deshalb führt eine Infektion innerhalb weniger Stunden zum Tod.

www.feuersalamander-hessen.d

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