Lotto-Betrüger legen nach

  • Guido Tamme
    VonGuido Tamme
    schließen

Heuchelheim (ta). Nachdem Kriminelle einer Seniorin aus Heuchelheim im Juni dieses Jahres 167 Euro abgeknöpft hatten, haben Betrüger es erneut bei der Frau versucht. Diesmal wollten sie 678,77 Euro erbeuten. Die Polizei geht davon aus, dass die erfolgreichen Täter des ersten Falls die Adresse der 75 Jahre alten Frau als leichtgläubiges Opfer an andere Kriminelle weitergegeben haben.

Die Heuchelheimerin hatte nach einem Schreiben in ihrem Briefkasten im Juni die 167 Euro leichtgläubig per Bareinzahlung an eine angebliche Lotto-Gesellschaft, die »Kasse Lotto Bremen«, überwiesen, die so allerdings gar nicht existiert.

Nun erhielt die 75-Jährige eine Zahlungsaufforderung eines weiteren betrügerischen Unternehmens, der »Euro Trade Inkasso AG«. Das Schreiben enthält einen »Zahlungsbefehl«, der dem einschlägigen Formular von Amtsgerichten nachgeahmt ist. Darin wird die Schuldsumme auf 471,17 Euro beziffert. Die Schuldsumme sei trotz wiederholter Mahnungen bis heute nicht beglichen.

Durch außergerichtliche Kosten, Gerichtskosten und Zinsen erhöhe sich dieser Betrag auf 678,77 Euro. Für den Fall der Nichtzahlung werden vom - im Schreiben nicht genannten - Gericht Mahnbescheid, Vollstreckungsbescheid, Zwangsvollstreckung und Pfändung privaten Vermögens angekündigt.

Die Seniorin wird im Anschreiben schwer unter Druck gesetzt, indem ihr eine Vorpfändung durch Sperrung ihres Girokontos angedroht wird. »Das Formular ist bereits vorbereitet!«, heißt es in dem Brief. Begründet wird das rabiate, aber frei erfundene Zahlungsverlangen mit einer angeblichen telefonischen Anmeldung der Seniorin zu einem Dienstleistungsvertrag der »Deutsche Gewinner Zentrale Lotto 6-49«. Die Schuldsumme sei aber »trotz wiederholter Mahnungen« bis heute nicht beglichen worden, heißt es weiter.

Die Tochter der Seniorin bekam den Neppversuch der in Solingen ansässigen Euro Trade Inkasso AG in diesem Fall rechtzeitig mit. Sie hat als Reaktion darauf die Gießener Polizei informiert. Die ominöse Firma ist den Verbraucherzentralen bekannt, bei ihnen steht sie auf einer langen Liste von betrügerischen Unternehmen, die auf Fake-Inkassos spezialisiert sind.

Nach dem ersten Betrug hatte die Tochter der Heuchelheimerin eine Strafanzeige beim Polizeipräsidium gestellt. Von dort ist sie an das örtlich zuständige Betrugsdezernat der Bremer Polizei weitergeleitet worden. Unabhängig von dessen Ermittlungen gegen die »Lotto Kasse«, die damals in einem Bürogebäude mit vielen Briefkastenadressen residierte: Die Chance, dass die Heuchelheimerin die ergaunerten 167 Euro zurück bekommt, tendiert gegen null.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare