Die Erfordernisse der Corona-Krise machten auch vor der Entpflichtung von Pfarrerin Petra Assmann-Daum (links im Talar) nicht halt. Anders als üblich geschah der feierliche Akt nicht durch Handauflegen, eine Umarmung oder Händeschütteln, sondern mit dem gebotenen Abstand. Im Hintergrund links im Talar ist der stellv. Dekan Dieter Sandori. Unter dem Kreuz steht Dekan Hans-Theo Daum.
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Mit Zuversicht und Neugier in den neuen Lebensabschnitt

  • vonVolker Heller
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Lollar(vh). "Nichts im Leben hat ewig Bestand auch nicht in einem Pfarramt", unterstrich Pfarrerin Petra Assmann-Daum am Sonntag in der evangelischen Kirche. Kurze Zeit später war es so weit: Dieter Sandori, Pfarrer und stellvertretender Dekan im evangelischen Dekanat Kirchberg, und Daums Ehemann, Pfarrer und Dekan, Hans-Theo Daum, sowie Assistenten aus dem Kirchenvorstand übernahmen ihre Entpflichtung als Gemeindepfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Lollar. Petra Assmann-Daum wechselt indes nicht die Pfarrstelle wie zuletzt etwa ihre Staufenberger Kollegin Martini, sondern wechselt in den Ruhestand.

Sandori sprach das Grußwort in Stellvertretung des erkrankten Propsts für Oberhessen, Pfarrer Matthias Schmidt. Das Neue, was nun kommen werde, wisse man noch nicht, so Sandori. Er zeige sich aber zuversichtlich, dass Assmann-Daum dies gelingen werde. Schon einmal, bei ihrer Amtseinführung vor fast 35 Jahren in Holzheim und Dorf-Güll, habe sie quasi unfreiwillig etwas Neues ausprobiert. Denn eine Frau, die auf der Kanzel über die Frohe Botschaft predigte, hatte es hier bis dahin noch nicht gegeben. Gut möglich, dass Daum genau zugehört habe, was denn die Menschen erwarteten, sagte Sandori. Die neue Pfarrerin habe manches eingeführt: Das Frühstückstreffen oder Abende der Begegnung.

Petra Assmann-Daum bezeichnete sich als jemanden, der offen für Neues gewesen sei, möglichst jedoch in Teamarbeit. Der Gedanke an ihren baldigen Ruhestand habe sie zufällig in dem Moment näher beschäftigt, da im Frühjahr vom Ende der Fernsehserie "Lindenstraße" die Rede gewesen sei. Daum: "Mutter Beimer hat immer ein Spiegelei gebraten wenn es schwierig wurde." Bei ihr sei die Pfanne dagegen kalt geblieben, aber auf gesellschaftliche Veränderungen zu reagieren, sich mit "Freud und Leid" auseinanderzusetzen wie in der "Lindenstraße" üblich, "das war mir immer wichtig".

Die Entscheidung, zur Jahreswende 1995/1996 ins Pfarrhaus Lollar zu wechseln, betrachtete Assmann-Daum als die richtige. In großer Dankbarbeit blicke sie zurück. Besonders verliefen auch die verbliebenen Wochen ihrer Dienstzeit in Lollar. Aufgrund der Corona-Krise fielen Gottesdienste aus. Im März packte die Pfarrerin etwa ihr Waldhorn aus, setzte sich mutterseelenallein auf den Kirchenvorplatz und intonierte Choräle. Gotteslob ohne Musik ist für sie nur eine halbe Sache. Zu ihrer Verabschiedung spielte Dekanatskantorin Daniela Werner auf der Kirchenorgel.

Werner und der Gemeindechor Cantamus hatten Lieder und Gebete mit den erforder-lichen Abstandsregeln eingesungen und übermittelten den Zuhörern eine sozusagen frohe Videobotschaft. Das Einbinden der Videos in den liturgischen Ablauf klappte gut. "Da wohnt ein Sehnen" spielte Solist Lasse Löytynoja auf der Gitarre. Cae und Eddie Gaunt brachten per Video "The Prayer". Pfarrerin Assmann-Daum behält alle mit der Ordination erworbenen Rechte. Ab sofort kann sie weiterhin predigen, trauen oder beerdigen. Sie muss das aber nicht mehr tun. Auf jeden Fall wird sie weiterhin beim Cantamus mitsingen. FOTO: ARCHIV

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