Bosch-Werk

Zukunft von 212 Bosch-Mitarbeitern in Lollar ungewiss

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Bosch will die Blockheizkraftwerk-Sparte in Lollar "sozialverträglich" umbauen, die Nachfrage sinkt seit Jahren. Ab Juni sind Gespräche zwischen Unternehmen und Mitarbeitervertretung geplant.

Bei Bosch stehen offenbar gravierende Veränderungen an: Weil das Geschäft mit Blockheizkraftwerken (BHKW) seit Jahren drastisch zurückgeht, will das Unternehmen diese Sparte am Standort Lollar nun umbauen. Dies bestätigte Thomas Pelizaeus, Sprecher von Bosch Thermotechnik, am gestrigen Dienstag auf Anfrage.

Die BHKW-Fertigung bleibt in Lollar bestehen

Thomas Pelizaeus, Sprecher Bosch Thermotechnik

Arbeitsplatzverluste schließt das Unternehmen dabei nicht aus: Zurzeit würden Alternativen besprochen, etwa "die Personalkapazität sozialverträglich an die sinkende Fertigungskapazität anzupassen", sagte Pelizaeus. Die BHKW-Fertigung werde aber in Lollar bestehen bleiben.

Man prüfe außerdem, "das Produktsortiment zu bereinigen, um damit die Komplexität in der Fertigung zu reduzieren und Kosten zu sparen".

Sparte mit 212 Mitarbeitern

Die Mitarbeiterseite bestätigt die Umbaupläne. In einer Versammlung habe die Werksleitung darüber informiert, dass die BHKW-Sparte längst nicht mehr profitabel sei. Betriebsbedingte – also einseitig ausgesproche – Kündigungen habe Bosch aber ausgeschlossen, äußerte sich Stefan Sachs. Er ist Erster Bevollmächtigter der IG Metall und stellvertretender Aufsichtsratvorsitzender von Bosch Thermotechnik.

Zurzeit sind laut Betriebsrat 212 Mitarbeiter in der BHKW-Fertigung in Lollar beschäftigt. "Die Sparte wird nicht platt gemacht", so Sachs weiter. Trotzdem sehe er den nun anstehenden Prozess "mit Besorgnis".

Der Betriebsrat habe eine Arbeitsgruppe gegründet, um sich zu den Unternehmensplänen zu positionieren. Offizielle Gespräche über die Neuausrichtung sollen, wie beide Seiten bestätigen, Anfang Juni beginnen. Laut Sachs hat Bosch erstmals im Januar die Pläne angesprochen, "das war für uns nicht überraschend".

Schwieriger Markt

In das Geschäft mit Blockheizkraftwerken war Bosch 2010 in Lollar eingestiegen. Damals hatte das Stiftungsunternehmen den mittelständischen Betrieb Köhler & Ziegler Anlagentechnik übernommen und in Lollar ausgebaut, daraus wurde Bosch KWK Systeme (Kraft-Wärme-Kopplung). Unter anderem wurden Anlagen für die Stadtwerke Gießen und die Sparkasse Wetzlar hergestellt.

Seinerzeit galten Blockheizkraftwerke als wichtiger Baustein der Energiewende, das Geschäft damit als Wachstumsmarkt. Doch inzwischen hätten sich die Rahmenbedingungen massiv verschlechtert, erklärt Unternehmenssprecher Pelizaeus.

Ursprünglich seien Betreiber dieser Kleinkraftwerke von der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) teils befreit gewesen, doch das habe sich im Laufe der vergangenen Jahre schrittweise geändert. Daher sei der Betrieb von Blockheizkraftwerken inzwischen teurer, deren Anschaffung für Kunden weniger lukrativ.

Verhandlungen stehen an

Die Produktionskapazitäten in diesem Bereich würden in Lollar "auch zukünftig nicht ausgelastet sein", daher müsse das Unternehmen nun handeln, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Insgesamt stehe der Standort Lollar aber gut da.

Wie sich die Pläne auf die Belegschaft auswirken werden, scheint noch unklar. Zu möglichen Sozialplänen für die Mitarbeiter könne er derzeit nichts sagen, so Pelizaeus. "Das hängt davon ab, welchen Maßnahmenmix Werkleitung und Arbeitnehmervertreter in den laufenden Gesprächen vereinbaren." Den Verhandlungen wolle er nicht vorgreifen.

IG-Metall-Vertreter Sachs rechnet mit einem Abschluss frühestens im August.

Info

Der Bosch-Standort in Lollar

Als einer der größten industriellen Arbeitgeber im Kreis beschäftigt Bosch in Lollar (ehemaliges Buderus-Werk) laut eigener Auskunft rund 1500 Mitarbeiter. Die BHKW-Sparte ist nur eine von mehreren Säulen des Standorts. Insgesamt 40 Millionen Euro investiert die Firma aktuell in die Gießerei. Ferner werden in Lollar unter anderem Kaminöfen und Heiztechnik gefertigt.

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