"Yesterday" ganz anders

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Die renommierten Kirchbergkonzerte sind wieder da: Am Sonntag musizierten Tess Wiley und Dago Schelin ein hochinteressantes Programm von Beatles-Liedern. Zahlreiche Zuschauer hatten sich auf den kopfsteingepflasterten Flächen des Hofguts niedergelassen und waren vom professionellen musikalischen Nostalgieerlebnis höchst angetan.

Die renommierten Kirchbergkonzerte sind wieder da: Am Sonntag musizierten Tess Wiley und Dago Schelin ein hochinteressantes Programm von Beatles-Liedern. Zahlreiche Zuschauer hatten sich auf den kopfsteingepflasterten Flächen des Hofguts niedergelassen und waren vom professionellen musikalischen Nostalgieerlebnis höchst angetan.

Noch dazu waren mit Schlagzeuger Moritz Weissinger und Bassist Peter Herrmann exzellente, vielseitige Begleiter angetreten, die keinerlei Stilbegrenzungen kennen. Die Veranstalter – Kulturloge und Kirchbergforum Jazz – konnten also sehr zufrieden sein, man musste sogar noch Stühle holen.

Der Auftakt: Kaum zu glauben, dass man "Yesterday" noch mal anders und hörenswert interpretieren kann, und doch war es so. Schelin präsentierte das Stück mit einem schönen, sanften Groove, der im Ansatz schon die Stilelemente aufwies, die an diesem Nachmittag zum Einsatz kommen sollten. "I Should Have Known Better" machte dies noch klarer. Dago Schelin hatte die zeitlosen Meisterwerke nicht einfach zu Nachspielen aufgestapelt, sondern verlieh ihnen vor allem stimmlich sehr präzise und ausdrucksvoll einen unmissverständlichen eigenen Charakter. Seine Gitarre wies drei Nylonsaiten auf, und sein Gesang besaß eine ebenso eigenwillige Phrasierung: dezidiert apart und dennoch zugleich zutiefst werkgetreu, und sehr gut gesungen. Dazu trat Tess Wiley mit einer zweiten Stimme. Dann etwas Neues: "You Don’t See Me" kam mit leicht angerockter Gitarre, die Schelin hervorragend spielte, und brachte einen überraschenden neuen Akzent ins Spiel.

Zum Finale Kinderlieder

Das erste Glanzlicht des Konzerts war "I Feel Fine". Ein vertrackter Rhythmus, sehr gute Gitarre und ein großer Charme der Interpretation. Wiederholte Textunsicherheiten bei Wiley trübten das zuweilen filigrane Hörerlebnis. Dann ein collagenhaft umgesetztes "Fool on the Hill" und ein ebenso gutes "Norwegian Wood". Das war etwas langsamer, mit sehr gutem Schlagzeug und einem unnötigen Bass-Anbau zum Schluss. Aber bei "Please Please Me" gab es ein toll variiertes Timing. Schelin hatte für sein Programm nicht einfach Hits gewählt, sondern sich aparte und interessante Titel ausgesucht, die über die Schaffenszeit der Beatles verteilt lagen.

Zum Beginn des zweiten Sets spielte Wiley einige eigene Titel. Das tat sie versiert und mit sicherem Ausdruck – hier war sie in ihrem Element als Singer-Songwriterin, wo ihr nicht nur einprägsame Melodien gelingen, die sie höchst sachkundig begleitet, sondern auch hörenswerte Texte wie in "Rescue Me": da singt sie einem Trottel hinterher "you foolish man"; das hört man selten.

Das Finale begann mit ein paar Kinderliedern, von Schelin gekonnt im Duktus verändert, er nannte es "verbossanoviert". Der letzte Akt gehörte wieder den Beatles, es gab ein Glanzlicht, nämlich "Things We Said Today". Das hatte Schelin so gekonnt ins Latin-Genre überführt, dass man’s fürs Original halten konnte. Auch das kam beim Publikum hervorragend an, es gab reichlichen Beifall für diese Leistung.

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