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Wild fliegen die Haare durch die Luft: Die Volkshochschule bietet seit kurzer Zeit Metalza in Lollar an.

Metalza

Metalza in Lollar: Wenn die Haare zur Musik fliegen

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Schwarze Klamotten, rockige Gitarren-Sounds und Headbanging: Im Bürgerhaus in Lollar findet seit Mai jeden Donnerstag ein Metalza-Kurs statt - ein Workout der besonderen Art.

Dröhnende Rock- und Heavy-Metal-Musik ertönt und schon geht es los: einen Schritt nach links und das rechte Bein hoch, dabei in die Hände klatschen. Und gleich weiter zur anderen Seite - wieder klatschen alle synchron. "Asche zu Asche", brüllt Till Lindemann, der Frontsänger von Rammstein, aus der Anlage. Nun kommt der nächste Schritt. Wieder zur Seite und diesmal: Kick! Weiter geht es mit "Freestyle" - die Haare fliegen kreuz und quer. Headbanging ist angesagt.

"Am einfachsten ist es, wenn man die Augen zu macht", hören die Teilnehmerinnen des Metalza-Kurses Susanne Koller über die Musik hinweg rufen. Die Trainerin hat das Workout vor sechs Jahren konzipiert.

Überwiegend Frauen trainieren

Metalza ist ein Sportkurs der etwas anderen Art: Rock- und Metal-Musik wird mit einem Workout aus Boxen, Kicks, Tanzschritten und Aerobic kombiniert. "Eine Freundin hatte mich zum Zumba mitgenommen", sagt Koller. Allerdings habe sie Metal- und Rockmusik immer mehr mitgerissen. "Es gab nichts für Menschen, die harte Musik mögen. Beim Zumba ist dann die Idee zu Metalza gereift", erzählt Koller. Sie hat sich den Begriff schützen lassen. Den ersten Kurs hat sie in Kirchhain veranstaltet. Inzwischen gibt es deutschlandweit über 200 Kurse. Wer nun meint, das sei aufgrund der Musik vor allem etwas für harte Jungs, der liegt vollkommen falsch. Meistens sind die Frauen in den Kursen unter sich, auch in Lollar.

Zum Aufwärmen läuft ACDC "If you want blood", anschließend wird zu "Are you gonna go my way" von Lenny Kravitz geschwitzt. Am Anfang zeigt Trainerin Koller die einzelnen Schritte. "Wer harte Musik liebt, ist hier tänzerisch gut aufgehoben. Auspowern und gut fühlen", sagt Koller. Jeder könne mittrainieren. Vorerkrankungen oder körperliche Probleme sollten wie vor jedem Sportkurs mit dem Arzt besprochen werden, aber ansonsten steht dem Spaß nichts im Wege.

Keine Altersgrenze

Ann-Kathrin ist der perfekte Beweis: Die Schwangere macht so gut es geht mit, nur die Hüpfübungen lässt sie aus. "Ich habe eine klassische Ballettausbildung, aber die Musik hier ist besser", sagt die werdende Mutter.

Bei Metalza werden Rhythmus, Koordination und Ausdauer trainiert. Prinzipiell gibt es keine Altersbegrenzung. Koller erzählt, die Teilnehmer ihrer Kurse sind zwischen zehn und 66 Jahren. Im Lollarer Kurs sind sie zwischen 20 und 55 plus. Doch was reizt sie? "Bei Metalza darf man man selbst sein", sagt Nina. Bea, eine andere Teilnehmerin, erzählt: "Der Spaß steht im Vordergrund." Auch deswegen komme sie so gerne.

Kollers Tochter Noelle ist ebenfalls dabei, auch sie hat sich zur Trainerin ausbilden lassen und übernimmt beim nächsten Song das Kommando. Aus den Boxen dröhnt "Got your six" von der amerikanischen Band Five Finger Death Punch. Der Rhythmus ist merklich erhöht. Zuerst sind die Schritte noch simpel, doch dann wird es richtig anstrengend. Liegestütz und Unterarmstütz, sogenannte Planks, wechseln sich mit Punches und Kicks ab. Immer wieder brüllt Noelle Anweisungen.

Musik motiviert

Für Außenstehende mag das etwas von Drill haben, aber den Teilnehmerinnen gefällt es. Mehr noch, die harte Musik motiviert sie, manche singen gar mit. Bei Gitarren- und Bass-Sounds heißt es jetzt: Headbanging. Das Schlagzeug gibt den Rhythmus vor. Wer seine Haare noch zusammengebunden hat, ist sein Haargummi nun los. Die Haare fliegen quer durch die Luft.

"Die Musik trägt einen", sagt Martina Kuhn. Die Programmbereichsleiterin für Gesundheit an der Kreisvolkshochschule macht zum ersten Mal mit. "Ich finde es gut zum Runterkommen und Abreagieren", sagt sie.

Zum Abschluss der Trainingsstunde werden ruhigere Töne angestimmt: "Release my body" von Cryptex. Manch eine Teilnehmerin schmachtet bei dem Song dahin. Mit langsamen und bedachten Bewegungen dehnen die Frauen Arme, Beine und Rückenmuskeln. Dazu kommen bewusste Atemübungen. "Auspowern und ganz nebenbei Kondition und Ausdauer trainieren", sagt Bereichsleiterin Kuhn. "Das ist toll."

Der Metalza-Kurs in Lollar findet immer donnerstags von 19 bis 20 Uhr im Untergeschoss des Bürgerhauses statt. Ein Quereinstieg ist möglich. Nähere Informationen unter Telefon: 06 41/93 90 57 21 oder per E-Mail an martina.kuhn@lkgi.de oder unter www.vhs-kreis-gießen.de.

Ab 9. September gibt es immer montags von 18 bis 19 Uhr einen Metalza-Kurs in der Ricarda-Huch-Schule in Gießen. Nähere Infos unter www.vhs-giessen.de.

Metalaza-Erfinderin Koller will ihr Angebot weiter ausbauen. Wer an Kursen oder an einer Trainerausbildung interessiert ist, findet alle Informationen unter www.metalza.de.

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